Flughafen-Diskussion soll nicht zum „ewigen Kriegszustand“ werden

rnDortmund vor 30 Jahren

Heute wie vor 30 Jahren: Diskussionen um den Flughafen, die Stadtfinanzen und die B1. In unserer Serie blicken wir zurück auf die Nachrichten in Dortmund am 11. August 1990.

von Beat Linde

Dortmund

, 11.08.2020, 08:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was war heute vor 30 Jahren in Dortmund los? Worüber haben die Menschen gesprochen, was war aktuell? In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ werfen wir für Sie täglich einen Blick in unser Zeitungsarchiv - und lassen die Vergangenheit wieder lebendig werden. Heute: der 11. August 1990.

Proteste gegen Landebahn-Verlängerung

Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, Dr. Walter Aden, forderte 1990: „Um den Flughafen Wickede darf es keinen ewigen Kriegszustand geben“. Vielleicht konnte er schon damals ahnen, dass die Konflikte um den Flughafen sich noch länger hinziehen würden: 30 Jahre später berichteten die Ruhr Nachrichten von Protesten gegen eine erneute Verlängerung der Landebahn.

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Dr. Aden hoffte eine Lösung zu finden, die für Anwohner, den Flughafen und die Stadt akzeptabel wäre. Der Kompromiss sah vor, leisere Maschinen einzusetzen, das Sicherheitskonzept auszubauen, aber auch die Verlängerung der Landebahn sowie die Beteiligung der Stadt Unna und einiger privater Unternehmen.

Der Bedarf für Geschäftsreisen sei nämlich vorhanden, gleichzeitig lehnte Dr. Aden ab, den Flughafen für den Tourismus zu nutzen. Die Landebahn-Verlängerung bekam der Flughafen bekanntlich, der Konsens mit den Anwohner steht hingegen immer noch in den Sternen.


Stadtkämmerer droht mit „Grausamkeiten“

Schwere Zeiten standen der Stadt Dortmund bevor: Zuerst war die Regierungspräsidentin Raghilt Berve „not amused“, als sie den Nachtragshaushalt von 1990 unterzeichnen sollte. Sie rief die Stadt in einem blauen Brief auf, keine „finanziellen Drahtseilakte“ mehr zu versuchen.

Dann sah der Stadtkämmerer, Karl-Joachim Neuhaus, „magere Jahre“ auf die Stadt zukommen: „Wir müssen überlegen, wo wir strecken und streichen können, ohne die Aufbruchsstimmung zu gefährden.“ Gleichzeitig betonte er, dass es „manche Grausamkeiten geben“ werde. Die Stadt hatte für den Haushalt 1990 einen Fehlbedarf von knapp 80 Millionen Mark und Kredite mit dem Volumen von 200 Millionen Mark vorgelegt.

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Gedankenspiele über Sperrung der B 1

Die Sorge war groß beim Grünflächenamt in Dortmund. Mehrere Bäume wurden am Westfalendamm auf ihre Standfestigkeit untersucht. Das Ergebnis: Die Bäume mussten sofort abgeholzt werden, um die Sicherheit der Autofahrer an der B1 nicht zu gefährden.

Durch einen Orkan im Frühjahr hatten einige der Linden an der B1 keine sichere Verwurzelung mehr, dementsprechend groß war die Gefahr, dass die Bäume bei einem weiteren Sturm auf die Straße fallen würden und die Sicherheit der Autofahrer gefährdet wäre. Dementsprechend drastisch waren die Gedankenspiele beim Amt: Entweder sollte die B1 während eines Unwetters gesperrt oder alle Bäume gefällt werden.


„Kollege Computer“

Die Zeit der Karteikarten war abgelaufen, ohne den neuen „Kollegen Computer“, wie Günter Gerland, Abteilungsleiter für Zentrale Datenverarbeitung, sich ausdrücke, ging es nicht mehr. Deswegen machten sich die Mitglieder des Ausschusses für Personal ein Bild davon, wie die Beamten in der Stadtverwaltung den neuen Kollegen denn einsetzen.

Mehr als 800 Computer standen schon in den Dortmunder Ämtern, mit ihnen wurden etwa 22.000 Anträge im Monat für Personalausweise und Reisepässe bearbeitet. Allerdings arbeiteten manche Abteilungen auch noch vollständig analog.

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