Forderung nach Tempo 30 auf allen zentralen Straßen in Dortmund

rnRuhrallee als Modell

Tempo 30 auf der Ruhrallee: Nach dem Vorschlag aus dem Maßnahmenpaket gegen Luftschadstoffe kommt von mehreren Seiten die Forderung, Tempo 30 in ganz Dortmund einzführen. Es gibt jedoch Haken.

Dortmund

, 28.01.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als „erste Weichenstellungen hin in Richtung einer Verkehrswende“ sieht der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) den Vergleich, den Land, Stadt Dortmund und Deutsche Umwelthilfe vor dem Oberverwaltungsgericht Münster zur Reduzierung von Luftschadstoffen an Dortmunder Straßen geschlossen haben. Die Einigung auf Tempo 30 auf der Ruhrallee zwischen B1 und Wallring bewertet der Kreisverband des VCD als „sehr erfreulich“. Sie dürfte nicht nur die gesundheitsgefährdende Schadstoffbelastung mindern helfen, sie diene auch der Verkehrssicherheit.

Forderung nach Tempo 30 auf allen zentralen Straßen in Dortmund

An der Ruhrallee soll bald Tempo 30 gelten. © Oliver Schaper

Die Ruhrallee habe zwar eine große Bedeutung für den Pkw-Verkehr, es lebten dort aber auch viele Menschen, hebt VCD-Vorstandsmitglied Lorenz Redicker hervor. Auch Schulen und Kindergärten seien hier angesiedelt. Wenn die Autos jetzt langsamer fahren müssten, verringere das den Verkehrswert kaum, mache die Ruhrallee aber sicherer. „Endlich bekommen Menschen, ihre Gesundheit und ihre Sicherheit Vorrang vor dem Autoverkehr“, freut sich Redicker.

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Zugleich sieht der Experte das Tempolimit dort auch als mögliche Vorlage für eine generelle Einführung von Tempo 30, für das sich der VCD seit Jahren stark macht. Die Ruhrallee könnte Vorbild werden für andere Bundesstraßen in der Stadt, meint Redicker. „Tempo 30 rettet Leben, das weiß die Verkehrswissenschaft schon lange.“ Gleichzeitig ermögliche diese Geschwindigkeit aber noch einen ausreichenden Verkehrsfluss.

Grüne fordern „weitere Schritte“

Die Grünen im Rat stoßen ins selbe Horn. „Wenn wir es mit dem Klimaschutz ernst meinen, müssen wir jetzt neben den geplanten Maßnahmen noch weitere Schritte gehen“, erklärt Fraktionssprecherin Ingrid Reuter.

„Mit der Geschwindigkeitsreduzierung auf der Ruhrallee wird Tempo 30 erstmals zur Regelgeschwindigkeit auf einer Haupteinfallstraße in die Stadt. Das ist ein Modell, das auch für weitere Verkehrsachsen in Dortmund geprüft werden sollte.“ Immerhin werde auch schon auf Bundesebene die entsprechende Änderung der Straßenverkehrsordnung diskutiert.

Tempo 30 nur in Einzelfällen

Bislang lässt die Straßenverkehrsordnung eine durchgehende Einführung von Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit aber nicht zu. Es müssen besondere Gründe vorliegen. Und die werden von der Stadt bislang durchaus genutzt.

Bereits seit mehr als 20 Jahren gilt in allen Dortmunder Wohnstraßen Tempo 30. Zuletzt erleichterte eine 2016 beschlossene Gesetzesänderung die Ausweisung von Tempo 30 an Hauptverkehrsstraßen vor Schulen, Kindergärten, Altenheimen und Krankenhäusern.

Forderung nach Tempo 30 auf allen zentralen Straßen in Dortmund

In diesen Bereichen des Stadtgebiets gilt bereits Tempo 30. © Stadt Dortmund: Geodatensystem

Zuletzt ließ die Stadt Tempo 30 an sieben Durchgangsstraßen ausweisen, um die Lärmbelastung für Anwohner zu verringern. Grundlage war der Lärmaktionsplan mit Daten zur Belastung durch Verkehrslärm.

Seitdem gilt Tempo 30 etwa auf der Immermannstraße in der Nordstadt, auf Teilen der Kreuzstraße und der Klönnestraße.

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Aber nicht an allen Straßen, an denen Anwohner besonders unter Verkehrslärm leiden, wurde von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Ämterübergreifend war man sich einig, „dass Tempo 30 in Straßen mit mehr als einer Spur je Richtung aufgrund der optischen Breite von den Autofahrern nicht akzeptiert wird“, teilte die Verwaltung mit. An der Ruhrallee weicht man von dieser Regel nun erstmals ab - verbunden allerdings mit einer entsprechenden Ampelschaltung.

Unerwünschter Nebeneffekt

Die Diskussion um Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit dürfte indes weitergehen. In der Verkehrswissenschaft ist man sich weitgehend einig, dass Unfallgefahren und Lärmbelastung bei Tempo 30 sinken.

Umstritten ist, welche Folgen es mit Blick auf Schadstoffbelastung und Verkehrsfluss gibt. Beim ADAC verweist man auch auf einen möglichen unerwünschten Nebeneffekt: „Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen führt zu erhöhtem Ausweichverkehr in Wohngebieten“, ist man dort überzeugt.

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