Forsa-Chef zur Stichwahl: Dortmund ist Symbol mit bundesweiter Strahlkraft

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Die Dortmunder Grünen unterstützen CDU-Mann Andreas Hollstein bei der Oberbürgermeister-Stichwahl. Doch folgen ihre Wähler der Empfehlung? Ein Umfragen-Experte schätzt die Lage ein.

Dortmund

, 24.09.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei der Oberbürgermeister-Wahl am 13. September haben rund 46.000 Dortmunder Daniela Schneckenburger, die Kandidatin der Grünen, gewählt. Für die Stichwahl hat das nicht gereicht, nun sind diese Stimmen vakant - genau wie zahlreiche weitere von Nichtwählern oder jenen, die andere Kandidaten gewählt haben.

Am Dienstagabend (22.9.) haben die Grünen entschieden, dass sie in der Stichwahl um das OB-Amt am 27. September CDU-Mann Andreas Hollstein unterstützen wollen. Im ersten Wahlgang kamen er und Schneckenburger zusammen auf 48 Prozent der gültigen Stimmen. SPD-Kandidat Thomas Westphal konnte 36 Prozent überzeugen. 16 Prozent wählten andere Politiker.

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„Auf die Grünen kommt es in der Tat an“, sagt Prof. Manfred Güllner, Geschäftsführer des Forsa-Instituts. Er blickt vor allem auf die absoluten Zahlen und analysiert, wie unterschiedlich Partei- und OB-Wahl ausgefallen sind.

„Einige Grüne sind schon irgendwo hingewandert“, sagt Güllner. Denn Hollstein bekam rund 7100 Stimmen mehr als seine CDU bei der Ratswahl, Thomas Westphal sogar 12.500 Stimmen mehr als die SPD. Gleichzeitig hatte Daniela Schneckenburger 6200 Stimmen weniger als ihre Partei.

AfD- und Linke-Wähler bildeten bei der Ratswahl 12 Prozent

Manfred Güllner meint, dass viele AfD-Wähler möglicherweise gar nicht an der Stichwahl teilnehmen, weil sie Bedenken zu beiden verbliebenen Kandidaten haben. „Westphal kriegt vielleicht die Linken noch“, so Güllner. Beide Parteien bekamen rund 6 Prozent: „Wenn viele Grüne zu Hollstein gehen, hat der aber durchaus Chancen.“

Es sei generell durchaus die Ausnahme, dass der Wahl-Underdog mit Unterstützung weiterer Parteien den Platzhirsch schlägt, sagt der Umfragen-Experte.

Bundesweite Strahlkraft der Stichwahl

Seit dem Zweiten Weltkrieg hatte Dortmund immer SPD-Oberbürgermeister. „Dortmund ist natürlich ein Symbol“, sagt Güllner: „Das strahlt bundesweit aus.“ Würden Grüne und CDU Hollstein zum OB machen, würde das in ganz Deutschland jene beflügeln, die eine schwarz-grüne Koalition auf Bundesebene wollen.

Ob das am Sonntag (27.9.) aber tatsächlich passiert, sei aktuell nicht vorherzusehen, sagt Güllner. Er könne sich zwar vorstellen, dass die Bereitschaft der Grünen-Wähler, der Empfehlung zu folgen, „nicht gering“ ist. Doch gebe es keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse über diese Wählerbewegungen. Es sei auch noch nicht bekannt, welche Wählergruppen etwa durch die Corona-Pandemie ihre Stimme zunächst nicht abgegeben haben.

Grundsätzlich seien Wähler der Grünen jedenfalls eher in höheren Bildungsschichten - und die würden auch eher zur Wahl gehen. Auch bei einer Stichwahl.

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