Der Herr des Dortmunder Waldes setzte auf Natur statt Kahlschlag

rnErwin Fischer

Er war 30 Jahre der Herr des Dortmunder Waldes. Jetzt ist Forstdirektor Erwin Fischer in den Ruhestand gegangen. Die meiste Arbeitszeit hat er jedoch nicht unter Bäumen verbracht.

Dortmund

, 24.08.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Einen kleinen Vorgeschmack auf den Ruhestand hat Erwin Fischer schon bekommen. Seit seinem offiziellen Dienstende am 31. März konnte er schon einige Monate vor seiner offiziellen Verabschiedung in der vergangenen Woche (KW 34) arbeitsfreie Tage genießen.

Und er hat sie zu ausgiebigen Touren durch die Dortmunder Wälder genutzt. „Ich habe den Dortmunder Wald ganz neu kennengelernt“, schwärmt der 66-Jährige.

Dabei gibt es wohl kaum einen besseren Experten für Dortmunds Grün. Fast 30 Jahre lang war Erwin Fischer im Dienst der Stadt Dortmund. Er leitete in dieser Zeit die Dortmunder Forstverwaltung und die Untere Jagd- und Fischereibehörde.

Etwa 90 Prozent der Arbeitszeit hat er dabei allerdings im Büro verbracht, schätzt Fischer. Den Wald und die Natur wirklich vor Ort zu genießen, dafür blieb nur wenig Zeit.

Ökologisch orientierte Waldpflege

Dabei hat Erwin Fischer einen großen Anteil daran, dass der Dortmunder Stadtwald, der mit gut 2500 Hektar fast zehn Prozent der Stadtfläche ausmacht, wirklich ein starkes Stück Natur ist. Denn er ist Urheber des „ökologisch orientierten Waldpflege-Programms für den Stadtwald Dortmund“, das im Jahr 1993 beschlossen wurde.

Seitdem wird der Stadtwald nach neuzeitlichen Methoden der naturnahen Waldwirtschaft gepflegt. Auf Kahlschlag und Monokulturen wird ebenso verzichtet wie auf den Einsatz von Pestiziden. Gesetzt wird auf Mischbestände und natürliche Waldverjüngung.

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Und das zahlt sich aus. Von den Klimaveränderungen, die dem Wald an vielen Stellen in Deutschland zu schaffen machen, ist Dortmund weit weniger betroffen, auch wenn natürlich auch hier viele Waldbäume infolge von Stürmen, Dürren und nachfolgendem Insektenbefall stark „gestresst“ sind, wie die Fachleute feststellen.

Ein gesunder Mischwald ist weit weniger anfällig für Umweltschäden und Schädlinge, erklärt Erwin Fischer.

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Ein Beispiel: Der Anteil der Fichten, die in vielen Teilen etwa des Sauerlandes vom Borkenkäfer dahingerafft werden, ist in Fischers Amtszeit von 15 Prozent auf etwas mehr als 1 Prozent gesunken.

Auch die durch inzwischen drei Jahre anhaltenden Trockenheit entstandenen Schäden an Buchen fallen in Dortmund weit weniger ins Gewicht. „In der ökologischen Waldwirtschaft sind wir in Dortmund anderen Städten etwa zehn Jahre voraus“, stellt Fischer zufrieden fest.

Lob für gute Team-Arbeit

Entsprechend gelassen kann er sein Amt jetzt an seinen Nachfolger Sebastian Vetter übergeben, mit dem er schon seit fast 20 Jahren zusammengearbeitet hat. Er habe überhaupt ein „super gutes Team“ gehabt, lobt Fischer die Arbeitsatmosphäre bei der Dortmunder Forstbehörde.

Nur im kleinen Kreis konnte sich Erwin Fischer (4.v.l.) von seiner "Mannschaft" verabschieden. Blumen gab es dabei auch von Umweltdezernent Ludger Wilde (3.v.r).

Nur im kleinen Kreis konnte sich Erwin Fischer (4.v.l.) von seiner "Mannschaft" verabschieden. Blumen gab es dabei auch von Umweltdezernent Ludger Wilde (3.v.r). © Oliver Volmerich

Daran konnten auch die organisatorischen Veränderungen nichts ändern. Als Erwin Fischer, geboren in der waldreichen Oberpfalz, nach Forstwissenschafts-Studium in Göttingen und erster Arbeit als Forstplaner für die Landesanstalt für Ökologie in Nordrhein-Westfalen 1990 nach Dortmund kam, übernahm er die Leitung der Forstabteilung im Grünflächenamt.

2001 wurde er Betriebsleiter im Regiebetrieb Stadtgrün bis die Forstverwaltung 2007 unter das Dach des Umweltamtes kam. Hier leitete Fischer bis zuletzt die Abteilung „Stadtwald, Untere Jagd- und Fischereibehörde“.

Stadtwald unter Naturschutz

Er schuf dabei auch mit die Voraussetzungen dafür, dass mit dem neuen Landschaftsplan nun der größte Teil des Stadtwaldes auch formell unter Naturschutz gestellt werden konnte.

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Herausforderungen für die Nachfolger gibt es dabei freilich noch genug. Eine Aufgabe ist der weitere Umbau der Waldbestände und die Anpassung an die sich ändernden klimatischen Verhältnisse.

Konflikte auf den Waldwegen

Und es sind auch Konflikte absehbar – vor allem zwischen der Naturschutzfunktion und der Erholungs- und Freizeitfunktion des Waldes.

Mountainbiker, Reiter, Hundebesitzer, Läufer und andere Besucher drängen verstärkt in den Wald. Die Freizeitansprüche der Menschen mit dem Arten- und Landschaftsschutz unter einen Hut zu bringen, ist nicht einfach.

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Umso wichtiger ist es, den Bürgern die Bedeutung des Waldes zu erklären. Diese Vermittlung war Erwin Fischer immer ein besonderes Anliegen – etwa mit Waldführungen und den Waldjugendspielen. Legendär sind auch seine Vorträge im Umweltausschuss des Rates, mit dem er die Zuhörer in den Bann zog.

Die Besonderheiten des Dortmunder Waldes den Bürgern zu vermitteln, war Forstdirektor Erwin Fischer ein besonderes Anliegen – wie hier 2012 bei einer Waldführung durch Grävingholz und Süggel in Eving.

Die Besonderheiten des Dortmunder Waldes den Bürgern zu vermitteln, war Forstdirektor Erwin Fischer ein besonderes Anliegen – wie hier 2012 bei einer Waldführung durch Grävingholz und Süggel in Eving. © Nils Foltynowicz (Archiv)

Vielleicht ist das auch eine reizvolle Aufgabe für den Ruhestand, den Erwin Fischer aktiv nutzen will. Er werde sich auf jeden Fall ehrenamtlich engagieren, kündigte der 66-Jährige bei seiner Verabschiedung im Forstbetrieb im Fredenbaum, die corona-bedingt nur in einem kleinen Kreis stattfinden konnte, an.

Und er wird garantiert öfter in Dortmunds Wäldern unterwegs sein als zu seiner aktiven Zeit als Forstdirektor.

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