Vom Ratskandidaten zum Ex-Mitglied: Grünen-Funktionär verlässt die Partei

rnGrünen-Politiker

Die Grünen gelten als großer Gewinner der Kommunalwahlen. In Dortmund haben sie stadtweit Platz 2 erreicht. Dennoch verlässt ein langjähriger Funktionär nun die Partei.

von Uwe Paulukat, Carolin West

Lütgendortmund

, 29.09.2020, 15:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Partei-Austritt war von langer Hand geplant, die Partei-Kollegen waren längst informiert. Nun ist es offiziell: Nach 15 Jahren Partei-Mitgliedschaft, in denen er als Ortsverbandssprecher, Bezirksvertreter, Fraktionsvorsitzender und stellvertretender Bezirksbürgermeister fungierte und zwei Mal für den Rat kandidierte, macht ein langjähriger Funktionär Schluss mit den Grünen.

Ab Mittwoch (30.9.) ist Frank Meyer parteilos. Und das, obwohl er zuletzt noch für die Bezirksvertretung Lütgendortmund und als potenzieller Grünen-Ratskandidat bei der Kommunalwahl angetreten war.

„Mein Austritt hat verschiedene Gründe“, erklärt Frank Meyer. „Ich möchte mehr Zeit für überparteiliche Projekte verwenden, wie zum Beispiel die Flüchtlingshilfe, das Reparier-Kaffee in Lütgendortmund oder die Unterstützung des Freifunks Dortmund bei der Einrichtung von freiem Wlan im Dortmunder Westen.“

Frank Meyer war auf Listenplatz 5

Hinzu komme, dass er sich mehr Zeit für seine Familie, vor allem für seine Kinder, und die Musikschule Stern nehmen wolle, die er gemeinsam mit Ehefrau Diana in Lütgendortmund und im Jungferntal aufgebaut hat.

Frank Meyer kehrt den Grünen den Rücken. Aber er geht nicht im Zorn.

Frank Meyer kehrt den Grünen den Rücken. Aber er geht nicht im Zorn. © Benito Barajas

Auch der Umzug aus dem Stadtbezirk Lütgendortmund in den Huckarder Ortsteil Jungferntal spielt eine Rolle. „Damit war klar, dass mein Listenplatz nach unten rutscht“, sagt Frank Meyer. „Den Platz habe ich mir quasi selbst ausgesucht.“

Doch warum dann überhaupt die doppelte Kandidatur für Bezirksvertretung und Rat zur Kommunalwahl am 13. September? „Ich wollte meine Partei-Kollegen bei der Wahl mit voller Kraft unterstützen, ich gehe ja nicht im Zorn“, erklärt der zuletzt amtierende Grünen-Fraktionsvorsitzende von Lütgendortmund. „Und das werde ich auch weiter tun.“

Doch nun, da er weder für die Bezirksvertretung noch für den Rat ein Mandat habe, wolle er den Moment nutzen, um sich zurückziehen und anderen Aufgaben zu widmen, statt nur „zahlendes Mitglied im Hintergrund“ zu sein.

Partei-Kollegen wissen Bescheid

Seit Montag (21.9.) seien seine Partei-Kollegen darüber informiert, dass seine Entscheidung feststeht. Er sei sich sicher, dass seine Nachfolger Julia Kowal, Stefan Meißner, Tanja Weiß-Horstkamp und Uwe Müller das hohe Wahlergebnis nutzen und den Stadtbezirk verbessern werden, so Meyer.

Die große Zufriedenheit über das Wahlergebnis der Grünen in Dortmund teile er nicht. „Wir waren schon einmal viel besser, bei der Europawahl 2019 zum Beispiel“, erklärt Frank Meyer. „Aber ich bin sicher, dass die Grünen sich jetzt, wo sie stärker vertreten sind, in den kommenden fünf Jahren beweisen werden.“

Gerade wegen der vielen jungen Grünen-Wähler habe er für die nächste Kommunalwahl die Hoffnung auf ein noch besseres Wahlergebnis für „seine“ Partei. Er selbst wolle parteilos bleiben, „fremd gehen“ komme nicht infrage.

Immerhin sei er mit den Grünen erfolgreich gewesen, habe gemeinsam mit der Bürgerinitiative Rhader Hof die dort geplante Bebauung verhindert und viel in Sachen Radverkehr, Verkehrssicherung, Sicherheit und Ordnung sowie Klima-, Natur- und Artenschutz für den Stadtbezirk getan.

Wunsch: eine Grünen-Bezirksbürgermeisterin

Drei Wünsche hat Frank Meyer für die Zukunft der Bezirksvertretung Lütgendortmund und für die Grünen-Fraktion: mehr Bürgernähe, einen respektvollen Umgang mit Grünen-Anträgen und Julia Kowal als Bezirksbürgermeisterin.

Julia Kowal und Stefan Meißner von den Grünen in Lütgendortmund freuen sich auf der Wahlparty im FZW über das gute Wahlergebnis im Stadtbezirk.

Julia Kowal und Stefan Meißner von den Grünen in Lütgendortmund freuen sich auf der Wahlparty im FZW über das gute Wahlergebnis im Stadtbezirk. Beide gehören zur neuen Grünen-Fraktion in der Bezirksvertretung Lütgendortmund. © Uwe von Schirp

Mit dem aktuellen Bezirksbürgermeister Heiko Brankamp (SPD) zeigt er sich höchst unzufrieden. „Zu oft hat Herr Brankamp die von ihm geforderte neutrale Sitzungsführung vermissen lassen“, sagt Frank Meyer. „Es gab persönliche Angriffe auf meine Person, besonders die Rede-Unterbrechungen und hämische Kommentare sowie Zurechtweisungen von Herrn Brankamp.“

Dennoch wäre für ihn nicht nur eine grün-schwarze, sondern auch eine rot-grüne Zukunft für Lütgendortmund wünschenswert.

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