Frau in der Nordstadt tot aufgefunden: „Ich habe sie nicht getötet, wir waren doch glücklich“

rnTod in Dortmund

Im September 2019 starb eine Frau in der Nordstadt an schweren Kopfverletzungen. Ein Rechtsmediziner ist sicher, dass sie brutal geschlagen wurde. Doch der Angeklagte bestreitet das.

Dortmund

, 26.03.2020, 18:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Prozess um den gewaltsamen Tod einer 35-jährigen Frau in der Nordstadt hat sich der Angeklagte am Donnerstag erstmals selbst zu den Vorwürfen geäußert. Nach seiner Erinnerung hat sich in der Nacht auf den 20. September 2019 ein Drama ereignet, für das er nicht verantwortlich gemacht werden kann. An brutale Schläge, wie sie die Staatsanwaltschaft annimmt, kann und will er sich jedenfalls nicht erinnern. „Ich habe sie nicht getötet, wir waren doch glücklich“, sagte der 59-Jährige mit Tränen in den Augen.

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Tatsache ist, dass das Ehepaar in der Nacht mit dem Taxi von einem stundenlangen Kneipen-Ausflug nach Hause kam. Schon da soll die Frau aber nicht mehr in der Lage gewesen sein, selbst zu laufen, so der Angeklagte. „Sie war total betrunken“, erinnerte er sich am Donnerstag. Im Treppenhaus sei sie deshalb mehrere Stufen hinuntergefallen. Schließlich habe er seine ganze Kraft aufbieten müssen, um seine Frau in die Wohnung zu bugsieren.

Frau soll Treppe heruntergefallen sein

Der 59-Jährige räumte ein, sauer gewesen zu sein und seiner Frau massive Vorwürfe gemacht zu haben. Und ja, früher habe er in solchen Momenten auch schon mal zugeschlagen. Nicht aber in dieser Nacht. „Ich habe sie nicht geschlagen. Und ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass ich so etwas gegenüber der Polizei zugegeben haben soll“, sagte er.

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Mit einem Treppensturz oder einem Schleifen über die Stufen sind die extremen Verletzungen allerdings nach Ansicht eines Rechtsmediziners nicht zu erklären. Eberhard Josefi hat die total entstellte Leiche der 35-Jährigen obduziert, und er sagt: „Todesursächlich war massive stumpfe Gewalt gegen den Schädel.“ Die Frau sei innerlich verblutet.

Der Angeklagte wird vom Dortmunder Rechtsanwalt Marcus Herberholz verteidigt.

Der Angeklagte wird vom Dortmunder Rechtsanwalt Marcus Herberholz verteidigt. © Martin von Braunschweig

Der Mediziner schließt nicht aus, dass es zwischendurch auch zu einem Sturz auf der Treppe gekommen ist. „Aber es muss auch Schläge gegeben haben“, sagte er den Richtern.

Angeklagter hatte geschwollene Hand

Für diese Annahme spricht auch das Ergebnis einer körperlichen Untersuchungen des Angeklagten nur Stunden nach der Tat. Die Rechtsmediziner stellten dabei einen stark geröteten und geschwollenen rechten Handrücken fest. „Das ist ein typisches Bild nach ausgeteilten Faustschlägen“, hieß es am Donnerstag.

Die Schilderungen des Angeklagten, dass seine Frau so betrunken war, dass sie nicht mehr laufen konnte, kann der Rechtsmediziner allerdings absolut nachvollziehen. Im Leichenblut wurde ein Wert von rund 4,8 Promille festgestellt. „Da wird sie natürlich nicht mehr standsicher gewesen sein“, so Josefi. Eine Leberzirrhose deutet außerdem darauf hin, dass die Frau solche Werte nicht selten hatte.

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Ein 59-jähriger Dortmunder soll seine 35-jährige Ehefrau im September brutal getötet haben. Nun hat die Staatsanwaltschaft Dortmund Anklage gegen den Mann erhoben. Von Bastian Pietsch

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