Fressen und Verhungern

28.03.2008, 18:56 Uhr / Lesedauer: 1 min

<p>Danielle Clamer und Matthias Scheuring in "Der Feinschmecker". Foto Dennemann</p>

<p>Danielle Clamer und Matthias Scheuring in "Der Feinschmecker". Foto Dennemann</p>

"Brombeerparadies": Zwei Stücke über den Hunger. Eines ist das Protokoll eines Todesfastens. Das andere erzählt vom großen Fressen. Kasteiung bis zum Ende und Genuss ohne Ende - zwei Arten, sein Leben zu verkürzen.

Zu sehen war das Doppel im theater im depot, als Produktion des Künstlervereins "artscenico" in der Regie von Rolf Dennemann. Der stand vor der Aufgabe, Texte szenisch umzusetzen, die ihrem Wesen nach wenig bühnenwirksam sind. In "62 Tage" (von Shimada Masahiko) hören wir, was ein Selbstmörder seinem Diktiergerät anvertraut. Er wird sich im Wald zu Tode hungern und hält den Verfall des Körpers fest. Neue Aktualität bekommt die authentische Geschichte durch den Fall eines Mannes, der kürzlich in Niedersachsen diese Todesart wählte.

Wir hören Dennemanns Stimme, sehen Bilder herbstlichen Waldes (Kamera: Frank Mählen). Ein Hauch vom "Blair Witch Project". Hinter der Gaze-Leinwand, geisterhaft im fahlen Licht, bewegt sich getragen die Tänzerin Rieke Steierl. Nicht mehr ganz von dieser Welt. Auch der Sterbende beschreibt ein langsames Hin-übergleiten ins Jenseits. Stimmungswirksam, wie ein Requiem, die Klangcollage: Pastoraler Synthie, Vogelstimmen, Pianoträumerei. Atmosphärisch ist das stark.

Nach der Pause steigt uns der Duft von Bratkartoffeln in die Nase. Matthias Scheuring (mit der prallen Körperlichkeit eines Falstaff) ist "Der Feinschmecker", nach Alexander Kluge. Ein Genießer von Blutwurst und Leberpastete. Der auf Ärzte pfeift und fröhlich schlemmt. In seiner Aneignung des Textes steht Scheuring dem wunderbaren Peter Berling nicht nach, der Kluges TV-Partner gibt. Hier stellt Danielle Clamer die Fragen nach Cholesterin und Organverfettung. Dem Nimmersatt ist's schnuppe. Er raucht Zigarre noch unter der Sauerstoffmaske. Sehr amüsant!

Eine anregende Meditation über Geist, Fleisch, Vergänglichkeit. Kai

Termine: 29., 30.3., 4. und 5.4., 12. und 13.4., Immermannstr. 39

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