Freundin tot geprügelt - Täter muss zehn Jahre in Haft

Prozess um Badewannenmord

Als sie in der Badewanne gefunden wurde, war Anja S. tot. Gestorben nach massiven Schlägen und Tritten ihres Freundes. Sascha B. aus Dortmund ist am Freitag vom Landgericht Detmold wegen Totschlags an der 46-Jährigen zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden.

DORTMUND/DETMOLD

von Von Ulrich Pfaff

, 02.06.2017, 16:39 Uhr / Lesedauer: 1 min

Wie berichtet, musste sich B. vor dem Schwurgericht verantworten: Er hatte am 24. November 2016 Anja S. (46) in seiner Wohnung im lippischen Oerlinghausen totgeprügelt – und die Sterbende in die Badewanne gelegt, um ihren Selbstmord vorzutäuschen.

Dass B. der Täter war, daran hatten weder Staatsanwaltschaft noch Verteidigung Zweifel: Nach den Aussagen von Zeugen zeigte sich, dass der 36-Jährige bereits in der Vergangenheit in seiner Heimatstadt Dortmund durch Gewalt aufgefallen war.

Persönlichkeitsstörung

Eine ehemalige Partnerin berichtete von einem so massiven Übergriff, dass die Polizei gerade noch rechtzeitig eintraf, um Schlimmeres zu verhindern. Diesmal konnte B. nicht auf Milde hoffen. Zwar hatte die Gutachterin Nahlah Saimeh festgestellt, dass seine Alkohol- und Drogenabhängigkeit den 36-Jährigen beeinträchtigt habe, seine Steuerungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt sei jedoch nur eingeschränkt gewesen. B. habe eine Persönlichkeitsstörung, reagiere gewalttätig auf Konflikte.

Angesichts der massiven Verletzungen von Anja S. sprach Oberstaatsanwalt Christopher Imig von einem „Gewaltexzess über mehrere Stunden“ und forderte elf Jahre Haft. Selbst Verteidiger Johannes Salmen konnte wenig Nachsicht für seinen Mandanten aufbringen. „Sie haben sie schon vorher zigfach zusammengeschlagen, Sie kannten keine Bremse. Es war absehbar, dass sowas mal passieren musste“ – siebeneinhalb Jahre Gefängnis seien für den „klassischen Totschlag“ angemessen. Das Schwurgericht verhängte zehn Jahre für das „gefühllose und mitleidlose Einwirken“ B.s auf seine Partnerin, das diese schließlich in Lippe das Leben gekostet hatte.

Gut denkbar, dass Sascha B. der Gutachterin in ein paar Jahren nochmal begegnen wird: Nach drei Jahren Haft muss sich der 36-Jährige für mindestens zwei Jahre wegen seiner Alkohol- und Betäubungsmittelsucht einer Therapie im Maßregelvollzug unterziehen – Nahlah Saimeh ist Leiterin der Forensik in Eickelborn.

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