Fridays for Future als Edelweißpiraten von heute? Schüler sprechen über Widerstand

rnNS-Zeit

Während der NS-Zeit haben Jugendliche Widerstand geleistet: Die Edelweißpiraten waren vor allem in Köln und Dortmund vertreten. Dortmunder Schüler kämpfen noch heute – aber anders.

Nette

, 29.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Verfolgt, in Konzentrationslagern gequält, ermordet: Ein freies, unbeschwertes Leben war für Juden, Kommunisten, Homosexuelle und viele weitere unmöglich geworden. Unmöglich, nachdem Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde.

„Als das böseste Regime an der Macht war, trauten sich Jugendliche, die so alt waren wie ihr heute, dagegen anzukämpfen“, sagte Schauspieler Hendrik Becker vom Theater „Löwenherz“ zu den Neuntklässlern der Albert-Schweitzer-Realschule (ASR).

Bei einer szenischen Lesung am Mittwoch (29.1.) mit Hendrik Becker, Julia Thielbeer und Kevin Wahlbrick lernten die Netter Schüler mehr über die Bewegung der Edelweißpiraten. 14-, 15- und 16-Jährige, die wegen ihres Widerstands gegen das Nazi-Regime verfolgt, gefoltert und ermordet wurden.

Szenische Lesung feiert Premiere an der ASR

Erstmals spielte das Theater „Löwenherz“ die szenische Lesung vor Schülern. „Die Edelweißpiraten werden im Unterricht kaum behandelt“, erklärt Hendrik Becker. „Dabei ist eine Identifikation aufgrund des Alters der Widerstandskämpfer von damals sehr leicht.“

Künftig werden die drei Schauspieler deshalb auch weitere Schulen besuchen. Dass die ASR-Schüler die szenische Lesung als erste sehen durften, ist dobeq-Schulsozialarbeiter Sven Eeckhout zu verdanken.

Fridays for Future als Edelweißpiraten von heute? Schüler sprechen über Widerstand

Die szenische Lesung fand im Musikraum der Albert-Schweitzer-Realschule statt. © Carolin West

„Das Stück hatte Premiere bei der Awo, bei deren Tochtergesellschaft ich arbeite“, sagt er. „So kam der Kontakt zustande und ich habe die Lesung an unsere Schule geholt.“

Schließlich sei die ASR eine „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“. Etwas, wodurch sich auch die Edelweißpiraten auszeichneten. „Deshalb können diese mutigen, jungen Menschen bis heute Vorbilder sein“, sagt Hendrik Becker.

ASR-Schüler bewundern den Mut der Edelweißpiraten

Auf die szenische Lesung folgte am Mittwoch eine Besprechungs- und Feedback-Stunde. „Ich finde es unheimlich mutig, dass sich Jugendliche in unserem Alter so etwas getraut haben“, sagte Neuntklässlerin Lena.

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Die Schauspieler des Theaters „Löwenherz“ haben Flugblätter der Edelweißpiraten abgedruckt und während der szenischen Lesung verteilt. © Carolin West

„Und das, obwohl sie wussten, was passieren kann, wenn sie erwischt werden“, ergänzt einer ihrer Mitschüler. Die Szene des Galgentodes von 13 Edelweißpiraten 1944 hatte die Schüler nachhaltig beeindruckt – und schockiert.

„Ich bin echt geschockt, dass Leute in unserem Alter wegen ihrer Überzeugung ermordet wurden“, sagt ein Schüler. Alle scheinen erleichtert, nicht in einer solchen Zeit aufzuwachsen oder sich entscheiden zu müssen, ob sie Widerstand leisten oder nicht.

Dafür kämpfen die ASR-Schüler

Doch Widerstand gebe es auch heute, so Hendrik Becker. Nur eben gegen andere Umstände und Themen. Deshalb sollten die Neuntklässler nach dem Vorbild der Edelweißpiraten Flugblätter mit Themen, die ihnen wichtig sind, gestalten.

Viele, wie die Schülerinnen Lena, Laura und Paula, entschieden sich hierbei für Umweltschutz. „Save the world – zusammen schaffen wir das“ steht auf ihren Flugblättern. Parolen, die nicht nur Schauspieler Hendrik Becker an Fridays for Future erinnern.

Fridays for Future als Edelweißpiraten von heute? Schüler sprechen über Widerstand

Die Schauspieler Julia Thielbeer (l.), Kevin Wahlbrinck (hinten l.) und Hendrik Becker (hinten r.) haben die Neuntklässler aufgefordert, eigene Flugblätter für heute wichtige Themen zu entwerfen. Die Schülerinnen Nandyni, Thevathi, Laura, Lena und Paula (vorne v.l.) haben Flugblätter zu Umweltschutz und gegen Rassismus gestaltet. © Carolin West

Doch von den ASR-Neuntklässlern demonstriert niemand. „Das dürfen wir nicht, weil das als Schwänzen zählt“, erklärt Lena. Allerdings wünschen sich einige Schüler, mitwirken zu können.

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Ein Großteil der Schüler hat sich mit dem Thema Umweltschutz auseinandergesetzt. © Carolin West

„Ich möchte hier nicht zum Demonstrieren aufrufen“, stellt Hendrik Becker klar. „Aber wenn Erwachsene eine solche Bewegung so niedermachen, ist es sehr richtig, sich hier wie die Edelweißpiraten gegen das System zu stellen.“

Rassismus ist ein wichtiges Thema

Auch das Thema Rassismus taucht auf einigen Flugblättern auf. Schüler, die ihn zum Teil wegen mangelnder Deutschkenntnisse oder ihrer Hautfarbe selbst erleben mussten, stellen sich dagegen.

„Alle Menschen haben rotes Blut, da ist doch die Hautfarbe egal“, erklärt Neuntklässlerin Nandyni. „Terrorismus hat keine Religion.“

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