„Fridays for Future“ legt Verkehr lahm - zieht aber weniger Demonstranten an als erwartet

rn4. Internationaler Klimastreik

Mehrere Tausend Teilnehmer haben am Freitag beim 4. Internationalen Klimastreik für eine bessere Klimapolitik protestiert. Autofahrer mussten gerade am Wall starke Nerven haben.

Dortmund

, 29.11.2019, 17:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es brauchte etwas, bis der Demo-Zug von Fridays for Future (FFF) am Freitag in Stimmung kam. Teilweise mussten die Organisatoren den Tausenden Protestlern sogar erklären, wie die Sprechchöre funktionieren. Doch als das Konzept alle verstanden hatten, waren sie es wie bei den vergangenen Klimademos: laut und fordernd.

Zum vierten Mal wurde zum Internationalen Klimastreik im Zuge der Klimakonferenz in Madrid (2.-13.12.) aufgerufen. 12.000 Teilnehmer kamen im September.

An die Zahl kam der Klimazug vom Freitag nicht heran. Die Organisatoren sprachen am Ende von 6000 Teilnehmern, die Polizei von 2000. Laut eigenen Schätzungen dieser Redaktion lag die Teilnehmerzahl bei circa 3500 Teilnehmern.

Verbindung von Feminismus und Klimawandel

Unter den Teilnehmern waren auch wieder andere For-Future-Gruppen von Students for Future und Churches for Future. Letztere luden vor dem eigentlichen Demo-Beginn um 11.30 an der St. Josef-Kirche an der Münsterstraße zu einer Andacht.

Der Bläserkreis der freien evangelischen Gemeinde Huckarde spielte. Im Anschluss hatten Pfarrer Michael Vogt und Superintendentin Heike Proske sowie Sandra und Friedrich Laker von der evangelischen Lydia-Gemeinde gesprochen, bevor man sich Fridays for Future auf dem Busbahnhof zur Kundgebung anschloss.

Auf der Kundgebung sprach unter anderem Sara von der Ortgruppe Dortmund über die Verbindung von Feminismus und Klimawandel.

Insgesamt klang in den meisten der Reden Antikapitalismus durch, besonders bei der Antifa-Gruppe 170. Die Redner der Gruppe kamen versteckt hinter einem Banner auf die Bühne, da sie fürchten, von Rechtsradikalen fotografiert zu werden.

Die beiden FFF-Moderatoren Julius und Carla sagten im Vorfeld der Reden, dass man sich klar gegen Sexismus, Faschismus und Antisemitismus stelle. Letzteres wurde noch mal besonders bei der Partei MLPD erwähnt. Die Organisationsteams und die linksradikale Partei sind seit längerem zerstritten.

Mehrfach wurden die Parteimitglieder aufgefordert, ihre Fahnen runterzunehmen und sich von den Demonstrationen fernzuhalten. „Die Partei wird schließlich nicht umsonst überwacht“, so Luca Viert vom Orga-Team.

Anzeige wegen Beleidigung

Die MLPD würde Mitglieder der Organisatoren sogar bedrohen. Am Freitag verteilte die Partei vor der Kundgebung Flyer, welche der Redaktion vorliegen, auf denen sie zum Kommunismus und Klassenkampf aufriefen. „Davon distanzieren wir uns strikt“, kommentierte Viert.

Der Demozug vom ZOB durch über die Unionstraße durch das Kreuzviertel und über den Ostwall verlief friedlich. Nur eine Anzeige musste die Polizei aufnehmen wegen Beleidigung.

„Die MLPD hat einen Demo-Teilnehmer angezeigt“, erzählt der 20-jährige Viert. Das wäre schon das zweite Mal gewesen, „aber das wird wie beim ersten Mal im Sande verlaufen“. Angeblich sei der Linksradikale als „Antisemit“ beschimpft worden.

Der Zug zog auch zügig über die lange Strecke, die erstmals nicht ausschließlich über den Wall führte wegen des Weihnachtsmarktes und der Bombensondierungen.

Das Orga-Team fuhr auf einem offenen Lkw vor dem Demo-Zug vorweg und spielte von hier laute Musik ab oder stimmte Sprechchöre an. Fragwürdig wurde es dann, als eine Sprecherin forderte, dass man weniger Auto und mehr Fahrrad fahren solle, während sie auf eben diesem Lkw stand.

Nur einmal musste der Zug stoppen. Auf Höhe des Adlerturms waren zwei Demo-Teilnehmer zusammengebrochen, sie brauchten einen Krankenwagen. „Selbst die Rettungsgasse konnten wir besser bilden als mancher Autofahrer“, kommentierte Luca Viert.

Die mussten am Freitag gerade auf der Hohen Straße und am Wall Geduld haben. Zeitweise staute sich der Verkehr mehrere Hundert Meter lang.

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