Friseure in der Corona-Krise: „Bei einem zweiten Lockdown gehen alle kaputt“

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Seit fast vier Monaten dürfen die Friseure in Nordrhein-Westfalen wieder arbeiten. Die Erleichterung darüber ist nach wie vor groß - genauso wie die Angst vor einer erneuten Corona-Sperre.

Kirchlinde, Oespel, Mengede

, 25.08.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Bedingungen, unter denen Friseure in Dortmund seit dem Ende des Lockdowns wieder arbeiten dürfen, sind streng und zeitaufwändig. Wie fällt das Corona-Fazit der Branche nach fast vier Monaten aus? Wir haben uns im Dortmunder Westen umgehört.

„Ich kann mich nicht beklagen, bei uns hat sich alles recht schnell eingependelt“, sagt Ariane Vasiliou, Inhaberin des Salons Mekelburg in Mengede. Dennoch habe sich durch die Corona-Regeln natürlich einiges geändert - und das nicht unbedingt zum Vorteil.

Einige ihrer Kunden kämen seltener, weil bei ihnen das Geld wegen Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit nicht mehr so locker sitze, sagt die 54-Jährige. Die größte Einschränkung sei wie gehabt die Maskenpflicht. Auch die Kunden litten darunter. „Nicht nur weil man damit schwitzt, auch die Kommunikation ist stark eingeschränkt.“

Ariane Vasiliou (M. hier mit ihren Mitarbeiterinnen) hat große Angst vor einem zweiten Lockdown.

Ariane Vasiliou (M. hier mit ihren Mitarbeiterinnen) hat große Angst vor einem zweiten Lockdown. © Salon Mekelburg

Sie halte die Vorschriften aber durchaus für wichtig, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, betont Ariane Vasiliou. Denn nichts sei schlimmer als ein zweiter Lockdown. „Davor habe ich große Angst.“

Regelbrecher ärgern die Friseurmeisterinnen

Wenig Verständnis habe sie deshalb für die Regelbrecher in ihrer Branche. „Eine Frechheit“, sagt Ariane Vasiliou. „Und die, die sich vorschriftsmäßig verhalten, bekommen auch noch schlechte Bewertungen, nach dem Motto: ,Die stellt sich aber an‘.“

Auch Nina Degen, Chefin im Salon „Coiffeur Schäfers“ in Mengede, kennt diese Diskussionen mit Kunden, die keine Lust auf einen Mund-Nasen-Schutz haben. „Ich kann das nicht verstehen. Schließlich schützt man sich so doch selbst und die anderen.“

Ulrike Wernicke (r., mit Team) vom Salon „Abschnitt 34“ nervt unter anderem das hohe Plastikmüll-Aufkommen, das unter anderem die Einmal-Umhänge verursachen.

Ulrike Wernicke (r., mit Team) vom Salon „Abschnitt 34“ nervt unter anderem das hohe Plastikmüll-Aufkommen, das unter anderem die Einmal-Umhänge verursachen. © Abschnitt 34

Generell habe man sich in ihrem Salon mit den Corona-Regeln gut arrangiert, so Nina Degen. „Wir sind einfach froh, dass wir arbeiten dürfen.“ Natürlich gebe es Nachteile. „Es ist zum Beispiel deutlich schwieriger, einem Neukunden, der eine Maske trägt, die Haare zu schneiden. Bei Stammkunden, deren Gesichter man kennt, ist das etwas einfacher.“

Spontanität und Herzlichkeit fehlen in der Corona-Krise

Ulrike Wernicke, Inhaberin von „Abschnitt 34“ in Oespel, macht ähnliche Erfahrungen wie die Friseurmeisterinnen in Mengede. Sie vermisst darüber hinaus die Spontaneität in ihrem Beruf. „Zwischendurch einen schnellen Herrenschnitt annehmen, das geht nicht.“

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Der hohe Zeitaufwand pro Kunde aufgrund der Hygiene- und Dokumentations-Regeln sowie der viele Plastikmüll, den zum Beispiel die Einmal-Umhänge verursachen, sind zusätzliche Faktoren, die sie nerven. Dennoch: „Die Hauptsache ist, dass wir arbeiten dürfen.“ Sie halte sich streng an alle Regeln, ihre Angst vor einer zweiten Corona-Sperre ist groß. „Bei einem zweiten Lockdown gehen alle kaputt.“

Für Svea Reetz von „Der Friseur“ fühlen sich die Corona-Regeln schon fast normal an.

Für Svea Reetz von „Der Friseur“ fühlen sich die Corona-Regeln schon fast normal an. © privat

Auch bei Svea Reetz von „Der Friseur“ in Kirchlinde ist die Angst vor einer erneuten Schließung der ständige Begleiter – vor allem wegen der Regelbrecher, für die ihr jedes Verständnis fehlten: „Schließlich betrifft das keinen einzelnen, sondern uns alle. Ich wünsche mir da mehr Weitsicht und Rücksichtnahme“, so die 28-Jährige.

„Corona-Regeln fühlen sich fast normal an“

Für sie fühlen sich die Corona-Regeln mittlerweile fast normal an: „Ich könnte natürlich gut auf die Maske verzichten, aber als unfassbar störend empfinde ich sie nicht.“ Auch ihre Kunden würden „gut mitspielen“, so Reetz, „am besten machen es tatsächlich die Kinder.“ Was sie besonders vermisst, sei die Herzlichkeit. „Einfach mal einen Kunden in den Arm nehmen, das geht leider nicht.“

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Den finanziellen Verlust der Zwangspause hat keine der vier Friseurmeisterinnen wieder aufgeholt. „Wie soll das auch funktionieren? Man kann ja nicht doppelt so viel arbeiten“, so Svea Reetz. Zudem habe man ja aufgrund der Corona-Regeln weniger Kunden pro Tag. Ein weiteres Thema, das alle bewegt, ist die NRW-Soforthilfe. „Man weiß ja nicht, was man zurückzahlen muss“, so Ariane Vasiliou.

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