Dortmunder Friseurin zum Teil-Lockdown: „Die Angst ist immer da“

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Der November-Lockdown trifft die Friseure nicht. Die Erleichterung darüber ist groß – genauso wie die Angst. Bei Selbständigen wie bei Kunden. Das sagen Friseur-Meisterinnen im Dortmunder Westen.

Mengede, Oespel, Kirchlinde

, 03.11.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Restaurants und Kneipen, Tätowier- und Nagelstudios, Fitnesscenter und Saunen: Sie alle sind seit Montag (2.11.) dicht. Vier Wochen soll der zweite (Teil-)Lockdown zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie diesmal dauern.

Anders als bei der ersten Zwangspause im Frühjahr sind die Friseure diesmal nicht betroffen. Sie dürfen unter Einhaltung der Corona-Schutzverordnung nahtlos weiter arbeiten. Die Erleichterung darüber ist riesig. Doch unbeschwert sind die Salon-Inhaber deshalb nicht, wie eine Umfrage unserer Redaktion im Dortmunder Westen zeigt.

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Svea Reetz vom Salon „Der Friseur“ an der Frohlinder Straße in Kirchlinde ist in Sachen Lockdown gleichzeitig „ziemlich erleichtert und skeptisch“: „Viele meiner Kollegen glauben nicht daran und befürchten, dass da noch was nachkommt“, sagt die 28-Jährige im Gespräch mit dieser Redaktion. Ihr ginge es da ganz ähnlich.

Svea Reetz ist ziemlich erleichtert, dass für sie die November-Zwangspause nicht gilt. Aber so ganz traut sie dem berühmten „Braten“ nicht.

Svea Reetz ist ziemlich erleichtert, dass für sie die November-Zwangspause nicht gilt. Aber so ganz traut sie dem berühmten „Braten“ nicht. © privat

Warum sie so beunruhigt ist? „Beim ersten Lockdown waren wir auch die letzten, die schließen mussten.“ Ihre Kundschaft hätte Sorge, dass in absehbarer Zukunft keine Friseurbesuche mehr möglich sind. „Die Nachfrage nach Terminen hat wieder zugenommen“, berichtet Svea Reetz.

Kunden müssen wieder länger auf einen Termin warten

Mittlerweile müssten Kunden wieder zwei bis zweieinhalb Wochen auf einen Termin bei ihr warten. „Vor dem Lockdown hatte sich alles wieder gut eingespielt, da reichte es, eine Woche vorher anzurufen.“

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Bei Ulrike Wernicke, Inhaberin des Salons „Abschnitt 34“ in Oespel, ist die Gefühlslage ähnlich wie bei ihrer Kirchlinder Kollegin. „Die Angst ist immer da, dass wir wieder schließen müssen.“ Momentan sei sie einfach sehr dankbar dafür, dass sie weiterarbeiten darf.

Ulrike Wernicke (r., mit einem Teil ihres Teams) bedauert, dass viele Branchen trotz Einhaltung der Hygienevorschriften vom Lockdown betroffen sind.

Ulrike Wernicke (r., mit einem Teil ihres Teams) bedauert, dass viele Branchen trotz Einhaltung der Hygienevorschriften vom Lockdown betroffen sind. © Abschnitt 34

Politische Entscheidung ist nicht nachvollziehbar

Dass andere Branchen die Entscheidung der Bundes- und Landesregierung anzweifeln, könne sie gut nachvollziehen. „Wenn man ehrlich ist, hat beispielsweise eine Nageldesignerin einen größeren Abstand zum Kunden als ein Friseur“, so Ulrike Wernicke.

Überhaupt hätten alle Branchen, die jetzt vom Lockdown betroffen sind, vorbildlich die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten und darüber hinaus sogar einiges investiert, um die Corana-Krise zu überleben.

Friseurmeisterin Ariane Vasiliou, Chefin im Salon Mekelburg in Mengede, freut sich vor allem für ihre Mitarbeiterin, dass sie ihr Geschäft nicht schließen muss. „So muss ich meine Jasmina nicht in Kurzarbeit schicken.“

„Ich bin ein positiv denkender Mensch“

Angst, dass das berühmte „dicke Ende“ noch kommen wird und auch die Friseure in die Zwangspause geschickt werden, habe sie nicht. „Ich bin ein positiv denkender Mensch, irgendwie geht es doch immer weiter.“

Dennoch hoffe sie wie ihre Kolleginnen, dass ihre Branche weiterhin verschont bleibt. „Wir spüren doch noch immer die Einbußen der sechswöchigen Schließung im Frühjahr.“ Zwar habe sie dank der NRW-Soforthilfe noch Rücklagen, aber zum jetzigen Zeitpunkt wisse sie ja nicht, wie viel Geld sie von der staatlichen Unterstützung zurückzahlen muss.

Kunden fürchten sich vor einer Ansteckung

Angst hingegen spüre sie bei ihren Kunden: nicht vor einer möglichen Schließung, sondern wegen der stark steigenden Infektionszahlen. „Der letzte Monat lief noch super, doch so langsam spürt man, dass weniger Kunden kommen, weil sie sich vor einer Ansteckung fürchten.“

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