Frühchen-Eltern sind in großer Sorge

Rotavirus am Klinikum

DORTMUND Samira und Silas sind drei Wochen alt. In seinem kurzen Leben hat das frühgeborene Zwillingspaar schon einiges erleben müssen. Denn beide sind an dem Rotavirus erkrankt.

von Von Laya Moghaddam

, 29.08.2009 / Lesedauer: 3 min
Frühchen-Eltern sind in großer Sorge

Tanja und Sascha König, die Eltern der Zwillinge, vor dem Eingang der Kinderklinik.

Der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Dr. Dominik Schneider, weist diese Vorwürfe jedoch weit von sich: „Wir haben sogar die Frühgeborenen-Station, auf der die Rotaviren vorkamen, komplett geschlossen und ausgeräuchert.“ Das sei die schärfste Maßnahme, die das Klinikum überhaupt ergreifen könne. „Eine Woche lang haben wir dort alles desinfiziert und geputzt.“ Für solche Fälle gebe es einen Standardplan, den sie rechtzeitig umgesetzt – und sogar erweitert hätten. „Ich kann die Kritik in der Sache ganz und gar nicht verstehen, aber die Betroffenheit der Eltern schon“, sagt Schneider. Zunächst erkrankte Samira am Rotavirus. Gemeinsam mit ihrem Bruder Silas wurde sie daraufhin auf eine andere Station verlegt. „Das kann ich nicht verstehen, kurz danach ist der Kleine dann auch erkrankt – und zwar schwer“, sagt Sascha König. Sieben Zentimeter Darm mussten die Ärzte entfernen. „Gefühlsmäßig ist das unbeschreiblich“, fügt Mutter Tanja hinzu. „Das hatte einen ganz einfachen Grund“, erklärt Dominik Schneider, Direktor der Kinderklinik. Auch Kinder ohne Symptome könnten den Virus in sich tragen. „Gerade Geschwisterkinder können wir nicht bei gesunden Säuglingen lassen, das wäre absolut verantwortungslos.“

Zudem seien alle Kinder, Mitarbeiter und Eltern getestet worden. „Die kranken Säuglinge sind natürlich von den gesunden strikt getrennt und von einem unterschiedlichen Pflegeteam betreut worden“, erklärt Schneider. Ein weiterer Streitpunkt ist der freie Zugang zur improvisierten Station für die Infizierten. „Da hatte jeder Zugang“, sagt König. Das Besuchsverbot für alle, außer den Eltern, sei nicht kontrolliert worden. „Das stimmt“, gibt Schneider zu, „da wir die normale Frühchen-Station geschlossen hatten, haben wir die kranken Säuglinge auf eine Jugendstation verlegen müssen.“ Dort gebe es keine Zugangssperre mit Code am Eingang. „Das war nicht optimal.“ Doch das Gröbste sei bald überstanden. Momentan sind noch drei Kinder leicht erkrankt. Auch den Zwillingen geht es langsam besser. „Das ist ein Lichtblick“, sagt der Vater, „aber die Angst hört nicht auf“. Das Rotavirus verursacht eine Magen-Darm-Infektion, die „die meisten Kinder ohnehin bekommen und die in der Regel völlig ungefährlich verläuft.“ Frühchen sind wegen einer fehlenden Darmflora besonders anfällig.

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