Früher Arzt in Syrien, heute Goldschmied-Azubi in Dortmund - die Karriere von Ammar (49)

rnAusbildung

Dass Ammar Refai den OP-Tisch irgendwann mal gegen eine Werkbank tauscht, hätte er wohl nie gedacht: Ein Blick auf seine außergewöhnliche Ausbildung im neuen Lebensabschnitt.

von Alexander Stahl

Dortmund

, 13.08.2019, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Er ist immer der Schönste hier“, ruft Anne Felderhoff dazwischen. Die angestellte Goldschmiedemeisterin findet nämlich, dass Ammar immer am schicksten angezogen ist. Und das ist auch nachzuvollziehen. Denn statt Schürze trägt er Hemd, stets akkurat in die Hose gesteckt. Man mag es kaum glauben: Ammar ist Auszubildender. Er ist 49 Jahre alt und hat in seiner Heimat Syrien nach dem Abitur und Medizinstudium zunächst als Anästhesist gearbeitet. Später machte er sich mit einem Unternehmen für medizinische Geräte selbstständig. Der Krieg trieb ihn nach Deutschland, wo er nun in Dortmund bei der Goldschmiede Willeke seit Oktober 2017 Auszubildender ist. Voraussichtlich im Februar 2020 darf er sich dann endlich Goldschmiedegeselle nennen. Und vielleicht ist danach noch nicht Schluss, denn auch der Meisterbrief reizt ihn. Aber was genau sind die Aufgaben eines Goldschmieds?

Fakten zum Beruf und zur Ausbildung:

Der Goldschmied ist ein handwerklicher Beruf. Hier wird vor allem mit den Edelmetallen Palladium, Silber, Gold und Platin gearbeitet. Daraus werden dann zum Beispiel Trauringe gefertigt, aber auch Ketten oder Modeschmuck. Ein bestimmter Schulabschluss wird nicht immer vorausgesetzt. Deshalb gibt es Azubis mit Hauptschulabschluss, aber auch mit Abitur. Die reguläre Ausbildungszeit beträgt dreieinhalb Jahre. Im ersten Lehrjahr verdient ein Lehrling rund 240 Euro, im zweiten 280 Euro, im dritten 310 Euro und im letzten Halbjahr 325 Euro brutto. Dies sind die Lohnempfehlungen des Landesinnungsverbands der Gold- und Silberschmiede in Nordrhein-Westfalen. Nach der Ausbildung erhält ein Geselle dann durchschnittlich 1000 bis 1500 Euro, ein angestellter Meister zwischen 2000 und 2500 Euro brutto.

Das sagt Ammar über seine Berufswahl:

Was gefällt dir an dem Beruf des Goldschmieds besonders gut?

Ammar: „In meinem alten Beruf kamen die Leute immer mit Schmerzen zu mir. Hier kommen die Kunden mit einem Lächeln auf dem Gesicht und wollen Schmuck für ihre Hochzeit oder ihren Geburtstag kaufen. Sie sind einfach besser gelaunt. Die Atmosphäre auf der Arbeit ist toll und mein Chef ist sehr hilfsbereit und nett.“

Was gefällt dir an dem Beruf nicht?

Ammar: Bei dieser Frage muss Ammar sehr lange überlegen, bis er dann sagt: „Das Schwierige ist eigentlich das Schulsystem. Ich muss bis zu dreimal pro Woche in die Berufsschule. Dabei besuche ich zwei Berufsschulklassen gleichzeitig, um die Ausbildungszeit zu verkürzen. Für mich ist die Sprache noch schwierig. Meine Lehrer unterstützen mich allerdings sehr gut.“

Wo hättest du in der Schule besser aufpassen sollen?

Ammar: „In der Berufsschule haben wir Politik. Ich verstehe allerdings viele aktuelle Themen nicht, wie zum Beispiel die Europawahl. Das liegt an der Sprache und vielen unbekannten Wörtern. Was ich auch nicht verstehe: Wieso gibt es ein Fach wie Politik, aber nicht Englisch? Ich kann nämlich gut Englisch sprechen, aber das ist leider kein Schulfach.“

Früher Arzt in Syrien, heute Goldschmied-Azubi in Dortmund - die Karriere von Ammar (49)

Ammar an seinem Arbeitsplatz in der Goldschmiede Willeke in Dortmund-Wambel. © Alexander Stahl

Infos zu Ausbildungsplätzen

Wen die Lust an diesem handwerklichen Beruf gepackt hat, der sollte sich rechtzeitig um eine Bewerbung kümmern: Ausbildungen zum Goldschmied sind sehr beliebt. In diesem Jahr sind unseren Recherchen zufolge kurzfristig keine Ausbildungsplätze in Dortmund mehr frei. Wer Informationen rund um die Ausbildung zum Goldschmied sucht, wird unter www.ausbildung.de oder www.azubiyo.de mit dem Stichwort „Goldschmied“ fündig. Auch die Website der Dortmunder Goldschmiedeinnung unter www.goldschmiedeinnung-dortmund.de liefert wertvolle Hinweise über eine Lehre. Weitere Informationen zum Beruf gibt es auch auf der Jobbörse der Agentur für Arbeit unter www.jobboerse.arbeitsagentur.de sowie vor Ort im Dortmunder Jugendberufshaus, Steinstraße 39, www.jugendberufhshaus-dortmund.de.

Lesen Sie jetzt