Frust in der Dortmunder Gastronomie: „Wir haben schon den Lockdown“

rnCorona-Krise

Müssen Restaurants und Kneipen wieder komplett schließen? Die Gastronomie ist von neuen, einschneidenden Maßnahmen in der Corona-Pandemie bedroht. So reagieren Dortmunder Gastronomen.

Dortmund

, 27.10.2020, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als wenn die Corona-Pandemie die Gastronomen nicht schon vor genügend Herausforderungen gestellt hätte, spitzt sich die Lage nun innerhalb der Krise nochmals heftig zu. Die Bundeskanzlerin plant nach übereinstimmenden Medienberichten einen zweiten Lockdown für die Gastronomie.

„Das bedeutet für uns eine Katastrophe“, sagt Catalin Cioroianu vom Restaurant Pfefferkorn am Hohen Wall. Über den Sommer habe sich das Geschäft gerade wieder erholt und die Umsätze seien gut geworden. „Seit ein paar Tagen aber ist das eingebrochen. Es gibt Stornos am laufenden Band und viele Gäste bleiben weg. Wenn wir nun ganz schließen müssen, das wäre einfach schlimm“, so Cioroianu.

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Dass die Menschen zuhause bleiben, seit in Dortmund der Inzidenzwert auf über 100 gestiegen ist und die Stadt damit als Hochrisikogebiet gilt, merkt auch Detlef Lotte in seinem Restaurant Dieckmann‘s in Syburg und dem Bistro Schönes Leben im Kreuzviertel. „Wir haben praktisch schon einen Lockdown“, sagt er.

Restaurant-Besucher kommen nicht mehr

Ob Angela Merkel erneut die Gastonomie komplett schließen lässt oder nicht, ist für Detlef Lotte gar nicht mehr so entscheidend. „Wir können aufgrund des Abstandsgebots ohnehin nur ein paar Tische bewirten, haben die Sperrstunde und den Psychoterror in den täglichen Nachrichtensendungen, der die Menschen verängstigt. Das heißt, die Gäste kommen nicht mehr. Damit ist das Weihnachtsgeschäft im Eimer, das ist absolut dramatisch“, sagt Detlef Lotte.

Gastronom Detlef Lotte aus Dortmund

Gastronom Detlef Lotte erlebt - wie seine Kolleginnen und Kollegen in Dortmund auch - bereits seit einigen Tagen, dass viele Gäste nicht mehr ins Restaurant kommen. „Wir haben praktisch schon einen Lockdown“, sagt er. © Dan Laryea (Archiv)

Wie er, verweist auch Dominique Quenter-Kalliske von Hövels Hausbrauerei am Hohen Wall auf die umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen, die man zum Infektionsschutz getroffen habe.

„Wir haben den Ein- und Ausgang getrennt, Abstand, Trennwände, Desinfektionsmittel und die Registrierung aller Gäste. Wir sind einfach voller Hoffnung, dass wir weitermachen dürfen“, sagt die Betriebsleiterin. Dominique Quenter-Kalliske mag nicht glauben, dass Betriebe mit nachweislich funktionierenden Hygienekonzepten und Gästeregistrierung schließen müssen.

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Dehoga: Gastronomie ist kein Treiber der Pandemie

In diesem Zusammenhang führt Thorsten Hellwig, Pressesprecher des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in NRW, die Quintessenz aus einer jetzt öffentlich bekannt gewordenen Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) an. Danach sei nur ein ganz geringer Prozentsatz der nachverfolgten Infektionen dem Gastgewerbe zuzuordnen. „Ausnahmen bestätigen die Regel, aber ansonsten findet bei uns kein Infektionsgeschehen statt“, sagt Thorsten Hellwig.

Aus seinen Gastronomiebetrieben in Dortmund kann Detlef Lotte das bestätigen. „Wir hatten keinen Infektionsfall“, sagt er und meint: „Es werden die bestraft, die sich an alle Regeln halten.“ Und diese Betriebe müssen um ihre Existenz fürchten. „Viele“, sagt Detlef Lotte, „können es faktisch nicht überleben.“

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