„Fühlte sich als überlegener Künstler“: Wer war der Hörder Maler Karl Bärenfänger?

rnDortmund historisch

Ein Zeugnis der Hörder Industrie hängt im Heimatmuseum: ein Gemälde von Karl Bärenfänger, das die Hochöfen zeigt. Die Geschichte dahinter ist aber noch nicht komplett entschlüsselt.

Hörde

, 17.01.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es könnte alles so einfach sein. Man bekommt ein Bild geschenkt, hängt es an die Wand und freut sich. Beim Hörder Heimatverein lief das anders ab.

Der Verein bekam ein Gemälde des Hörder Künstlers Karl Bärenfänger geschenkt – die Mitglieder freuten sich zwar, machten sich dann aber so richtig an die Arbeit.

Das Gemälde heißt „Hörder Hochöfen im Winter“, entstanden ist es 1929 mit Ölfarben auf Leinwand.

Ein klares Original: „.K. Bärenfänger, Wellinghofen“ steht auf der Rückseite des Holzrahmens.

Ein klares Original: „.K. Bärenfänger, Wellinghofen“ steht auf der Rückseite des Holzrahmens. © Michael Nickel

Karl Bärenfänger heißt der Mann, der es gemalt hat. Er ist 1888 in Krefeld geboren, hat als Künstler und Lehrer in Hörde gearbeitet. Zwischendurch war er in München, Düsseldorf, Bonn und Karlsruhe. Eine seiner wichtigsten Auslandsreisen führte ihn nach Paris.

Das Gemälde war ein Geschenk an den Verein

Das sind einige der Erkenntnisse, die Willi Garth und Heribert Wölk vom Hörder Heimatverein über Bärenfänger herausgefunden haben. Als der Hörder Glasermeister Werner Knauer sein Geschäft auflöste, hat er das Original-Gemälde dem Heimatverein geschenkt.

Es dauerte eine Zeit, ehe die Mitglieder im Museum in der Hörder Burg einen Platz dafür finden konnten. Seit November 2018 hängt es nun hier.

Und mindestens genauso lange forschen vor allem Garth und Wölk zur Geschichte Bärenfängers. „Er hat in erster Linie Hörde-untypische Landschaften oder Blumen gemalt“, sagt Garth.

Jetzt lesen

Alleine aus diesem Grund ist das Motiv mit den verschneiten Hochöfen von Phoenix-West „außergewöhnlich“.

"Hörder Hochöfen im Winter" heißt dieses Gemälde von 1929, Öl auf Leinwand.

"Hörder Hochöfen im Winter" heißt dieses Gemälde von 1929, Öl auf Leinwand. © Michael Nickel

Wer war dieser Karl Bärenfänger? „Es gibt in Hörde sicher etliche Leute, die einen Bärenfänger bei sich hängen haben“, sagt Heribert Wölk. Er und Garth haben herausgefunden, dass seine Bilder zu Lebzeiten in der Bücherei an der Alfred-Trappen-Straße zum Verkauf angeboten wurden.

Jetzt lesen

Die beiden haben während ihrer Forschung vor allem auf schriftliche Quellen gesetzt, auf ein Heimatbuch von 1928, auf Jahrbücher der Schulen, an denen Bärenfänger unterrichtet hat.

Ist Bärenfänger 1947 oder 1950 gestorben?

Und da geht’s schon los: Während einige Quellen behaupten, dass Bärenfänger 1947 gestorben sei, ist er auf einem Foto von 1950 zu sehen.

Über Adressbücher konnten Garth und Wölk nachzeichnen, wo Bärenfänger gelebt hat. Unter anderem hat er in einem Jugendstilhaus an der Brücherhofstraße gewohnt, mit großem Fenster und großem Garten – durchaus untypisch damals.

Gruppenbild mit Bärenfänger: Der Maler auf einem Bild mit Lehrerkollegen im Jahr 1914 (obere Reihe, 2.v.r.)

Gruppenbild mit Bärenfänger: Der Maler auf einem Bild mit Lehrerkollegen im Jahr 1914 (obere Reihe, 2.v.r.) © Archiv Hörder Heimatverein

Aus Erinnerungen und Telefonaten sowie Mails mit Schülern Bärenfängers hat sich herauskristallisiert, dass sich „dort wohl eine Künstlerszene gefunden“ hat, wie Wölk sagt.

Jetzt lesen

Über den Charakter Bärenfängers ist auch ein bisschen bekannt. So schreibt einer seiner Schüler, der später Illustrator war: „Er unterrichtete Kunsterziehung, fühlte sich aber so sehr als überlegener Künstler, dass wir Schüler durchweg die Note ausreichend für unsere Leistungen erhielten.“

RECHERCHE

AUF DER SUCHE NACH WEITEREM MATERIAL

  • Wer hat noch weitere Infos zu Karl Bärenfänger?
  • Schicken Sie eine Mail an do-sued@ruhrnachrichten.de oder an WGarth@web.de
  • Der Hörder Heimatverein hat im vergangenen Jahr seinen 30. Geburtstag gefeiert. Das Heimatmuseum hat jeden ersten Donnerstag im Monat von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Lesen Sie jetzt