Fünf Bandidos überfallen Rocker – Polizei setzt verdeckten Ermittler ein

rnProzess am Landgericht

Im Prozess gegen fünf Bandidos aus Dortmund, Herne und Essen ist bekannt geworden, dass die Polizei nach der Tat einen V-Mann eingeschaltet hatte. Richter und Verteidiger wussten von nichts.

Dortmund/ Bochum

, 07.10.2019, 13:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das sollte offenbar geheim bleiben: Nach einem brutalen Überfall im Rocker-Milieu hatte die Polizei einen V-Mann eingeschaltet. Wie es heißt, soll der Beamte mit Drohungen versucht haben, unter den fünf nun angeklagten Bandidos – darunter ein Rocker aus Dortmund – Nervosität zu verbreiten. Auch von Erpressung ist die Rede.

„Ich weiß, was ihr gemacht habt.“ So oder so ähnlich soll sich der verdeckte Ermittler telefonisch bei einem der Angeklagten gemeldet haben. Auch von Schweigegeld war angeblich die Rede. Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, soll der Anrufer auch noch gedroht haben: „Wir wissen, wo deine Schwester arbeitet.“

Auch die Richter wussten von nichts

Das Einschalten eines verdeckten Ermittlers war durch Zufall bekannt geworden. Auch die Richter am Bochumer Landgericht waren ahnungslos. Nur die Staatsanwaltschaft wusste Bescheid.

Durch die Polizei-Aktion sollte offenbar erreicht werden, dass die nun angeklagten Mitglieder des Motorradclubs Bandidos, die bereits abgehört wurden, mehr miteinander telefonieren.

Einige der Verteidiger haben bereits beantragt, dass sie den verdeckten Ermittler auf jeden Fall als Zeugen befragen wollen. Das wird allerdings nicht einfach. Dafür müsste das Ministerium zustimmen. Die Richter wollen die entsprechenden Schritte nun in die Wege leiten.

Für das Opfer gibt es dagegen kaum noch Hoffnung. Es gibt nur ein paar wenige Momente, in denen der 54-jährige Rocker aus Wuppertal seine nahen Verwandten scheinbar noch erkennen kann. Dann reagiert er mit den Augen, reden kann er nicht. Seit er vor einem Jahr brutal zusammengeschlagen worden ist, ist er ein Pflegefall.

Ohne OP noch in der Nacht verstorben

Ein Neurochirurg sprach im Prozess am Bochumer Landgericht am Montag von akuter Lebensgefahr. „Das Gehirn war durch den Druck schon seitlich verschoben.“

„Wenn man nichts getan hätte, wäre der Patient mit hoher Wahrscheinlichkeit noch in der Nacht verstorben“, so der Arzt vor Gericht. „Wenn der Eingriff später erfolgt wäre, vermutlich auch.“

Später kam es noch zu einer Reihe von Schlaganfällen. Seitdem ist der 54-Jährige ein Pflegefall. Er kann nichts mehr. Nur noch atmen. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil. Angeblich hat sich der Zustand sogar verschlechtert.

Der Rocker war laut Anklage zusammengeschlagen worden, weil er mit Motorrad und Kutte der „The Living Dead MC Nomads“ durch Herne, und damit durch Bandidos-Gebiet gefahren war. So sollen es die fünf Angeklagten jedenfalls gesehen haben.

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