Für die meisten Dortmunder könnte das Straßengrün gepflegter sein

rnOnline-Umfrage

Früher spross das Unkraut am Straßenrand. Es gab Beschwerden über umwucherte Zebrastreifen. Seit 2019 ist die EDG allein für die Grünpflege zuständig. Doch nicht alle Bürger sind zufrieden.

Dortmund

, 11.08.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ist die Rede von städtischen Grünflächen, denkt man zuerst an den Westfalenpark oder den Rombergpark. Nicht weniger aufwendig zu pflegen sind aber die vielen kleinen grünen Flecken, Rasen-, Strauch- und Bodendeckerstreifen entlang der Straßen und zwischen den Fahrstreifen. 2017 hatten Politik und Bürger ihren Unmut über vielerorts ungepflegtes Straßengrün kundgetan.

Daraufhin hat die Stadttochter Entsorgung Dortmund GmbH (EDG) im April 2018 die Wildkrautbekämpfung vom Tiefbauamt übernommen und ist seit 2019 auch zuständig für die grünen Trennstreifen und Rosenbeete am Straßenrand. Doch nur knapp 45 Prozent der Dortmunder halten den Zustand der Beete und Grünstreifen entlang der Straßen für gut.

Das ist eines der Ergebnisse unser nicht repräsentativen Online-Umfrage zur Zufriedenheit der Dortmunder mit der Arbeit ihrer Stadtverwaltung. 2709 Dortmunder und Dortmunderinnen haben daran teilgenommen.

Negative Bewertungen für EDG nicht nachvollziehbar

Für fast 52 Prozent der Befragten trifft es eher nicht zu (34,61 Prozent) oder gar nicht zu (17,27 Prozent), dass die Beete und Grünstreifen in einem guten Zustand sind.

Dazu erklärt EDG-Kommunikationschef Matthias Kienitz: Als man die Pflege des Straßengrüns am 1. Januar 2019 übernommen habe, habe man sich mit Pflegerückständen aus den vergangenen Jahren konfrontiert gesehen, die es aufzuarbeiten galt. „Nach nunmehr fast eineinhalb Jahren der Zuständigkeit für die Pflege des Straßenbegleitgrüns vertreten wir die Meinung, dass es sich in einem guten Pflegezustand befindet und insofern die negativen Bewertungen aus unserer Sicht fachlich nicht nachvollziehbar sind“, so Kienitz. Dies unterliege aber sicherlich der subjektiven Definition, was der Einzelne unter einem guten Pflegezustand verstehe.

Die Pflege des Straßenbegleitgrüns bedeutet einen großen Aufwand für kleine Flächen, die in Dortmund insgesamt rund 4,3 Millionen Quadratmeter ausmachen. Ob es tatsächlich so viele sind, wie bei der Übernahme der Pflege durch die EDG zugrunde gelegt, soll ein digitales Grünflächeninformationssystem (Gris) klären.

Stadt gibt für die Straßengrün-Pflege 6,1 Millionen Euro aus

Eigentlich sollte es schon Ende letzten Jahres vorliegen und war dann für frühestens Mai, Juni 2020 angekündigt. Dabei bestand schon zum Stichtag 31. August 2018 zwischen Stadt und EDG Einigkeit über 92 Prozent der übergegangenen Flächen. Alle weiteren Flächen haben Einzelgrößen unterhalb von 1000 Quadratmetern – ein offenbar schwieriger Abstimmungsprozess, wer wo jätet, harkt und schneidet, was privates Grün ist und was öffentlich.

6,1 Millionen Euro im Jahr bekommt die EDG für die Straßengrün-Pflege von der Stadt überwiesen – exakt so viel Geld, wie die Stadt für diese Aufgabe aufgebracht hatte. Allerdings ist die EDG im Gegensatz zur Stadt mehrwertsteuerpflichtig, muss also 19 Prozent unter anderem durch Synergieeffekte und die Verzahnung mit der Straßenreinigung wettmachen. Gleichzeitig sollen sich aber Umfang und Qualität der Pflege verbessern.

Fuhrpark und Mitarbeiterzahl vergrößert

Zunächst hatte die EDG ihren variabel einsetzbaren Fuhrpark vergrößert, neue Maschinen sowie Geräte zum Mähen, Schneiden und Reinigen angeschafft und neue Mitarbeiter eingestellt. Wenn das digitale Grünflächeninformationssystem steht, soll es zeigen, welche Geräte und Fahrzeuge genau für den jeweiligen Arbeitsabschnitt einzusetzen sind.

Sollte die Pflege des Straßengrüns für bessere Ergebnisse teurer werden müssen als bisher, kann dafür nicht der Gebührenzahler zu Kasse gebeten werden. Für solche reinen Verschönerungsarbeiten muss am Ende der Stadthaushalt aufkommen. Doch ein höheres Grünpflege-Budget ist eine politische Entscheidung.

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DIE ARBEIT DER STADT IM UMFRAGE-CHECK

Bei der Kommunalwahl im September wird ein neuer Oberbürgermeister oder eine neue Oberbürgermeisterin gewählt - und damit ein neuer Kopf für die Dortmunder Stadtverwaltung. Der ebenfalls zu wählende Stadtrat ist der wichtigste Auftraggeber für die Verwaltung. Im Vorfeld der Wahl nehmen wir deshalb die bisherige Arbeit der Stadtverwaltung unter die Lupe: Was läuft gut? Was geht besser? In einer Online-Umfrage haben 2709 Dortmunder ihre Meinung zu zahlreichen Themenfeldern mitgeteilt, in denen die Verwaltung maßgeblichen Einfluss hat. Die Ergebnisse stellen wir Ihnen in dieser Serie vor.
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