Für Dortmunder Kirchen gibt es keine Brandschutzvorschriften – trotz vieler Kunstschätze

rnNotre-Dame

Schweißarbeiten haben wohl den Brand der Pariser Kathedrale Notre-Dame ausgelöst. Auch die Dortmunder City-Kirchen beherbergen Kunstschätze. Aber es gibt einen großen Unterschied.

Dortmund

, 17.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Der verheerende Brand in Paris, die Flammen, die Notre-Dame zerstörten, sind auch vielen Menschen in Dortmund nahe gegangen. Und so wie Notre-Dame nicht nur eine Kirche, sondern ein Wahrzeichen ist, sind auch die vier historischen Dortmunder Stadtkirchen mehr als nur Gebäude. Hier wacht seit Jahrhunderten Dortmunds Stadtpatron, hier wird Dortmunds Geschichte gehütet. Die Fragen drängen sich auf: Kann sich ein solches Unglück wie in Paris auch in Dortmund ereignen? Wie sieht es mit dem Brandschutz in den evangelischen Kirchen St. Reinoldi, der Petrikirche und der Marienkirche aus, wie in der katholischen Propsteikirche?

Brandschutz in Kirchen nicht gesetzlich geregelt

„Brandschutzvorschriften für Kirchen gibt es nicht“, erklärt Andreas Pisarski, Sprecher der Dortmunder Feuerwehr. „Alle Brandschutzmaßnahmen in den Kirchen finden auf freiwilliger Basis statt“. Rechtliche Vorgaben, wie sie für andere Gebäude existieren, gebe es bei diesen historischen Bauten nicht. Auch groß angelegte Übungen fänden nicht regelmäßig statt. Allerdings gebe es in einer Kirche im Alarmfall wenig Schwierigkeiten, Menschen zu evakuieren – selbst dann nicht, wenn die Kirche voll sein sollte. Pisarski: „Es gibt mehrere Zugänge, keine Treppen“.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Kunstschätze in den großen Dortmunder City-Kirchen

St. Reinoldi, St. Petri, St. Marien und die Probsteikirche St. Johannes Baptist beherbergen viele unschätzbare Kunstschätze.
17.04.2019
/
Die Skulptur des heiligen Reinoldus bewacht seit Jahrhunderten die Reinoldikirche. Ihr Entstehungsdatum ist unbekannt. Überlebensgroß und über Kopfhöhe steht die Figur an der Schwelle zum Chor. © Stephan Schuetze
12.07.2017 Dortmund City - Petrikirche goldenes Wunder Altar St Petri am Westenhellweg - Foto Stephan Schuetze© Stephan Schuetze
Der Berswordtaltar der Marienkirche gehört zu den größten Schätzen Dortmunds. Er stammt aus dem Jahr 1385. © Stephan Schütze
Das Adlerpult aus St. Reinoldi. Es symbolisiert den Evangelisten Johannes und stammt wohl auch aus dem 15. Jahrhundert. © Stephan Schütze
Das Retabel auf dem Hochaltar in St. Reinoldi stammt aus Brüssel oder Brügge und wurde 1420 gefertigt. Es ist eines der kostbarsten Objekte der Kirche. © Stephan Schütze
Die goldene Mutter Gottes ist eine der beiden wertvollen Marienfiguren in St. Marien. © Dieter Menne
Goldene Muttergottes in Ev. Stadtkirche St. Marien / Statue / Statue der Goldenen Muttergottes kehrt aus der Restaurierungswerkstatt in die Ev. Stadtkirche St. Marien
[Foto: Dieter Menne
Datum: 08.03.2015]© Dieter Menne Dortmund
Die Probsteikirche© Knut Vahlensiek
Der kostbare Hochaltar (zusammengeklappt) von Derick Baegert (1470 - 80) schmückt die Probsteikirche. © Knut Vahlensiek

Brandwachen bei Schweißarbeiten

Doch was ist mit den Gebäuden, den Kunstschätzen? „Ein Unglück durch Schweißarbeiten, wie es in Notre-Dame mutmaßlich der Fall war, kann sich bei uns so nicht ereignen,“, beruhigt Uwe Bitzel vom evangelischen Kirchenkreis. „Bei Schweißarbeiten gibt es bei uns grundsätzlich eine Brandwache, auch über die Arbeiten hinaus“, so Bitzel.

Die Marienkirche und die Reinoldikirche verfügten über trockene Steigleitungen – eine Art Sprinkleranlage, die von außen durch die Polizei Feuerwehr mit Wasser gespeist werden kann. Feuerlöscher gibt es laut Bitzel überall, der goldene Altar in der Petrikirche ist durch feuerfestes Glas geschützt. „Außerdem führen wir regelmäßig Begehungen durch“, sagt Bitzel.

Leichtsinnige Besucher sind ein Risiko in der Stadtkirche

Brandwachen bei Sanierungsarbeiten setzt auch die katholische Kirche ein, bestätigt Propst Andreas Coersmeier. Doch in seiner Stadtkirche St. Johannes Baptist, der Propsteikirche, gibt es ein anderes Problem: Unvorsichtige, leichtfertige Besucher.

„Wir haben eine offene Kirche und das ist uns auch wichtig“, betont der Propst. Doch manche Menschen gingen leichtfertig mit den Opferkerzen um. „Weihnachten erst hat jemand eine Kerze in die Krippe gestellt“, erzählt der Propst. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die Kerze unbeobachtet heruntergebrannt wäre.

Jetzt lesen

Schwelbrand in der Stadtkirche

Vor einigen Jahren gab es bereits einen Schwelbrand in der Stadtkirche, weil jemand gleich 20 Friedhofslichter unter der Mutter Gottes angezündet hatte. „Damals musste die Kirche ein halbes Jahr für Sanierungsarbeiten geschlossen werden“, erinnert sich Coersmeier.

Einen weiteren, sehr dramatischen Kirchenbrand erlebte Dortmund im Jahr 1996. Damals schlug ein Blitz in die evangelische Kirche in Dorstfeld ein. Der Turm stürzte ein, die Feuerwehr kämpfte mit einem ausgedehnten Brand. In einer dramatischen Aktion gelang es damals, die wertvolle Sauerorgel zu retten.

Damit in der Stadtkirche mit Opferlichtern kein Unglück passiert, appelliert der Propst an die Dortmunder. „Alle Besucher der Kirche sollten achtsam sein und bitte Augen und Ohren offen halten“. Denn Wachen oder ehrenamtliche Ordnungskräfte wie in den großen Kathedralen gibt es in Dortmund nicht.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Historische Fotos von der evangelischen Kirche Dorstfeld

Spektakuläre Fotos entstanden, als 1996 die evangelische Kirche nacgh einem Blitzschlag in Brand geriet. Hier eine Auswahl und - ebenfalls in Schwarzweiß einige Fotos, die zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts entstanden sind.
11.10.2013
/
Das Feuer in der Turmhaube und der starke Wind während des Gewitters sorgten für eine riesige schwarze Wolke, die Richtung Innenstadt zog© Foto: Stephan Schütze
Wegen der großen Hitze konnte die Feuerwehr nicht mehr in den Turm und musste von außen löschen.© Foto: Stephan Schütze
Die Turmhaube stürzte während des Brandes in das Kirchenschiff.© Foto: Stephan Schütze
In einer dramatischen Aktion gelang es der Feuerwehr trotzdem, den Altar und die wertvolle Sauerorgel zu schützen.© Foto: Stephan Schütze
Am Tag nach dem Brand erinnerte diese Foto viele Dortmunder an den Zweiten Weltkrieg.© Foto: Stephan Schütze
Nach nur einem Jahr schwebte die neue Turmhaube ein.© Foto: Stephan Schütze
Die Kirche von innen kurz nach ihrer Fertigstellung.© Repro: Stephan Schütze
Der ganze Stolz der Gemeinde: die wertvolle Sauerorgel.© Foto: Stephan Schütze
Ein Foto vom Bau der Kirche.© Foto: Stephan Schütze
Ein Foto vom Bau der Kirche.© Foto: Stephan Schütze
Schlagworte Dorstfeld

Die besondere Geschichte der vier historischen City-Kirchen - letzte Zeugen der mittelalterlichen Stadtgeschichte innerhalb des Wallrings - erklärt Oliver Volmerich in diesem Video:

Video
So war das - die Geschichte der historischen Citykirchen

Die bedeutendsten Kunstschätze der City-Kirchen

  • St. Reinoldi: Altaraufsatz, Adlerpult, Reinoldus-Skulptur, Chorgestühl.
  • Marienkirche: Berswordt-Altar, Marienaltar, Gotische Sandstein-Madonna, Goldene Mutter Gottes.
  • Petrikirche: Spätgotischer Flügelaltar „Das goldene Wunder von Westfalen“.
  • Probsteikirche: Spätgotischer Hochaltar von Derick Baegert, Flügel des Rosenaltars, Marienleuchter, Gekrönte Mutter Gottes mit Kind.
Lesen Sie jetzt