Stadion, Strobelallee und Westfalenhallen - sie alle spielen eine wichtige Rolle bei den Planungen für die Fußball-Europameisterschaft 2024. © Hans Blossey
Aktuelle Pläne der Stadt

Fußball-EM 2024 auch in Dortmund – Umbau-Pläne rund ums Stadion

Nach der EM, ist vor der EM: Gerade erst ist die aktuelle Fußball-Europameisterschaft geendet – schon laufen in Dortmund die Vorbereitungen für die EURO2024. Das sind aktuell die Pläne der Stadt.

Ein wenig EM-Luft hat Sabine Müller schon schnuppern können. Beim Viertelfinale der aktuellen Fußball-Europameisterschaft. Am 2. Juli zwischen Belgien und Italien in München waren Vertreter der Gastgeber-Städte der EURO 2024 eingeladen, um sich ein Bild von der Organisation rund um ein EM-Spiel zu machen.

Sabine Müller, lange Jahre Vize-Chefin im Westfalenpark, ist Geschäftsführerin des EM-Büros, das die Stadt Dortmund im März eingerichtet hat. „Wir sind erst einmal bei der Feuerwehr untergebracht“, erklärt Müller.

Denn Sicherheit ist eines der zentralen Themen bei der Organisation der Fußball-Europameisterschaft 2024, die – nach der Tour durch ganz Europa beim aktuelle Turnier – dann in zehn deutschen Städten stattfindet. Dortmund ist, wie bei der Fußball-WM 2006, eine davon.

Und die WM 2006 ist in vielen Dingen auch Vorbild. Das „Sommermärchen“ mit vier stimmungsvollen Wochen ist vielen noch gut in Erinnerung. Auch die meisten Mitstreiter der schon 2018 eingerichteten Steuerungsgruppe in der Stadtverwaltung, die die EM vorbereitet, haben WM-Erfahrung.

Dazu kommen als Dortmunder EM-Botschafter Ex-BVB-Torhüter Roman Weidenfeller und Ex-Nationalspielerin Annike Krahn.

Die Vorgaben für die EM-Planung liefert neben deutschen Gesetzen der europäische Fußballverband Uefa. Und das Verhältnis ist nicht immer ganz konfliktfrei, wie aktuell auch der Streit um Regenbogen-Farben als Symbol für Vielfalt gezeigt hat. Wie schon bei der WM unter Regie des Fußball-Weltverbandes Fifa ist auch die Uefa besonders streng, wenn es um den Schutz von Sponsoren geht.

Die Ausrichterstädte rüsten sich dazu mit juristischer Expertise, um vorgelegte Vertragsentwürfe zu prüfen. Und es ist ein enges Miteinander der deutschen Gastgeberstädte vereinbart. „Das Ziel ist, dass alle Städte mit einer Zunge sprechen“, sagt André Knoche, der als städtische Sportdirektor Mitglied des Steuerungskreises ist.

Niederlage bei Bewerbung um Medienzentrum

Einen Wettstreit unter den Gastgeber-Städten hat Dortmund allerdings schon verloren. Bei der Auswahl des Sitzes für das International Broadcasting Center, also das Medienzentrum für die EM, hatte Leipzig die Nase vorn. Dortmund landete auf Platz 3, berichtet Stadtsprecher Michael Meinders.

Natürlich dürfte es aber zu den Spielen in Dortmund wieder ein lokales Medienzentrum geben. Immerhin macht sich die Stadt wie bei der WM 2006, als es zum Duell Deutschland gegen Italien kam, wieder Hoffnungen auf ein Halbfinale.

Schließlich ist der Signal Iduna Park nach Berlin und München zur EM das drittgrößte Stadion. Hier muss sich die Uefa allerdings mit dem BVB als Eigentümer abstimmen und entsprechende Verträge abschließen.

Italien-Fans feierten auch schon beim Halbfinale der WM 2006 in Dortmund. Damals gewann Italien gegen Deutschland und zog ins Finale ein. © RN-Archiv © RN-Archiv

Die Stadt kommt bei allen darüberhinausgehenden Fragen als weiterer Partner ins Boot. Wo wird der innere, wo der äußere Sicherheitsring gezogen? Wo hat die Stadt, wo die Uefa das sagen? Die Strobelallee vor dem Stadion, die dann zu einer Art Fan-Meile wird, dürfte dabei eine große Rolle spielen.

Baupläne rund ums Stadion

Sie soll nach den Plänen der Stadt in den nächsten Jahren zu einer „Sport- und Erlebnismeile“ umgestaltet werden. Bis 2024 lässt sich allerdings nur ein Teil davon verwirklichen. Auf dem Bauprogramm steht bis dahin die Umgestaltung der Straße „Im Rabenloh“ westlich des Stadions mit einem Kreisverkehr am Übergang zur Strobelallee.

Es sind nicht die einzigen Baupläne rund ums Stadion, die die EM 2024 als Zeitziel haben. Die Westfalenhallen wollen bis dahin südlich der Halle 4 in Richtung Strobelallee zwei neue Messehallen bauen – also vis a vis vom Stadion.

Sie könnten 2024 als Medien- und/oder VIP-Zentrum genutzt werden. Die Stadt will schließlich bis zur EM die Fußgänger- und Radfahrer-Brücke von der Lindemannstraße über die B1 komplett erneuern.

Runderneuert werden soll auch das Verkehrs- und Parkleitsystem für das Veranstaltungszentrum. Für rund 4,5 Millionen Euro soll bis zum Herbst 2023 ein digitales Verkehrsmanagement aufgebaut werden. Baustart soll im Sommer 2022 sein.

Das wäre dann ebenso wie der öffentliche Nahverkehr Teil des Mobilitätskonzeptes für die EM, das zurzeit wie viele andere Pläne in Arbeit ist. Dazu sind inzwischen mehrere Arbeitsgruppen von Mobilität über Sicherheit und Fanzone bis Nachhaltigkeit eingerichtet.

Für das EM-Büro sind aktuell mehrere Stellen ausgeschrieben. Es wird nach und nach wachsen und ab Mitte 2022 auch von Vertretern des DFB ergänzt.

Konzept soll Mitte 2022 stehen

Bis dahin sind noch viele Hausaufgaben zu erledigen. Bis Mitte 2022 muss das Hostcity-Konzept stehen, in dem alle Planungen der Stadt – abgestimmt auf Vorgaben und Wünsche der Uefa – zusammengefasst werden. „Das wird ein dicker Brocken“, ist Susanne Müller überzeugt.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die angekündigte Visite einer Uefa-Delegation, die Ende Januar 2022 für mehrere Tage angekündigt ist.

Bis dahin sollen viele Pläne stehen. „Wobei wir immer verschiedene Szenarien planen“, wie Susanne Müller erklärt. Denn die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie schnell vorbereitete Pläne über den Haufen geworfen werden können.

Fan-Treffen in der Innenstadt

Noch offen ist deshalb etwa, wie die EM im Stadtzentrum sichtbar wird. 2006 war der Friedensplatz vier Wochen lang mit Gästen aus aller Welt ein Epizentrum der Fußball-Begeisterung. Nicht nur angesichts von Corona-Erfahrungen und neuen Sicherheitsauflagen ist fraglich, ob sich ein solches Public-Viewing-Massen-Event wiederholen lässt.

Erinnerungen ans Sommermärchen: So sah es bei der WM 2006 an vielen Abend beim Pubilc-Viewing auf dem Friedensplatz aus. © RN-Archiv © RN-Archiv

Es wird wohl dezentraler werden, deutet Sabine Müller an. Gedacht ist von der Uefa an ein „Football-Village“ mit Unterhaltungsprogramm und Spielübertragungen über die gesamte EM-Zeit, das zeitweise durch größere Public-Viewings ergänzt werden kann. Dabei könnten die zentralen Plätze im Stadtzentrum bis hin zum Vorplatz des Fußballmuseums, aber auch Orte außerhalb der City eine Rolle spielen.

Der erste EM-Termin ist indes schon nahe. Am 5. Oktober wird das offizielle Logo der EURO2024 vorgestellt. Dabei gibt es für jede Gastgeber-Stadt auch eine eigene Version. Es könnte dann die nächste Fußball-Europameisterschaft auch stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken. „Wir wollen“, kündigt Sabine Müller an, „bei den Dortmunderinnen und Dortmundern Vorfreude schüren.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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