Ganztagsbetreuung an 41 Schulen: „Kommt es zur Ausschreibung, steigen wir aus“

rnAwo in der Offensive

Die Awo beschäftigt bisher 100 Honorarkräfte, die an weiterführenden Schulen in der Ganztagsbetreuung arbeiten. Die Neuausschreibung, die die Stadt plant, ist laut Awo „absolut überflüssig“.

Dortmund

, 28.03.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Geschäftsführer des Dortmunder Unterbezirks der Arbeiterwohlfahrt, Andreas Gora, übt harsche Kritik an der Entscheidung der Stadt, die Ganztagsbetreuung an 41 weiterführenden Schulen in der Stadt bis zu den Sommerferien neu ausschreiben zu wollen. Eine Neuausschreibung bezeichnete Gora als „absolut überflüssig“. Sollte es zu dieser Neuausschreibung kommen, werde die Awo sich daran nicht beteiligen. Die Awo beschäftigt im laufenden Schuljahr rund 100 Honorarkräfte, die an 8 der 41 Schulen bisher Ganztagsangebote anbieten.

Neuausschreibung soll bis zu den Sommerferien abgeschlossen sein

Wie berichtet, will die Stadt sehr kurzfristig die Ganztagsbetreuung an den 41 Schulen neu ausschreiben, bis zu den kommenden Sommerferien soll der Prozess abgeschlossen sein. Der Grund dafür laut Stadt: Die Ganztagsbetreuung an den weiterführenden Schulen muss nach der aktuellen Rechtslage europaweit ausgeschrieben werden. Tut die Stadt das nicht, könnte die zuständige Bezirksregierung Arnsberg Fördermittel zurückfordern. Denn das Geld, mit dem die Betreuungskräfte bezahlt werden, kommt vom Land und dann über die jeweiligen Bezirksregierungen zu den Schulträgern, also den Städten und Gemeinden.

Ein „hochkompliziertes System wird zerstört“

Für Awo-Geschäftsführer Gora wird mit der Ausschreibung, die am Donnerstag (28.3.) vom Rat der Stadt beschlossen werden muss, ein „hochkompliziertes System der Vermittlung von Mitarbeitern bei einem relativ kleinen Budget“ unnötigerweise zerstört. Denn laut Gora „stimmt es einfach nicht, dass die Ganztagsbetreuung ausgeschrieben werden muss“. Als Beleg dafür zitiert Gora aus einer Schrift der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) NRW, sie hat den Titel „Überörtliche Prüfung von Zuweisungen des Landes NRW im schulischen Bereich 2010 bis 2014“. Die Prüfer kamen damals zu dem Schluss, dass, „wenn der Betreuungsträger ein anerkannter Wohlfahrtsverband bzw. Kinder- und Jugendhilfeträger ist“, eine Vergabe ohne Ausschreibung zulässig sei.

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Diese Einschätzung der GPA hat aber einen Haken: Sie beschäftigt sich mit Zuwendungen für außerschulische Angebote im Primarbereich, also den Grundschulen und deren Offenen Ganztagsschulen (OGS). Deren Finanzierung speist sich aus Elternbeiträgen und einer finanziellen Beteiligung des Schulträgers, also den Städten und Gemeinden. Bei den Ganztagsschulen im Sekundarbereich 1, den weiterführenden Schulen, kommt das Geld vom Land. Knappe 1,65 Millionen Euro überwies die Bezirksregierung Arnsberg für die Ganztagsbetreuung an den weiterführenden Schulen für das Schuljahr 2018/2019 nach Dortmund.

„Ratsbeschluss brauchen sie, weil sie selber unsicher sind“

Gora weiß, dass die Finanzierung der Betreuungen an Grund- und weiterführenden Schulen verschieden aufgestellt ist, dennoch bleibt er dabei, dass die Ausschreibung unnötig sei. Den Ratsbeschluss, der am Donnerstag den Weg für die Neuausschreibung freimachen soll, brauche die Verwaltung nur, weil sie selber unsicher sei. Und so ihre eigene Unsicherheit weitergebe an die insgesamt 26 außerschulischen Träger, von denen die Awo der größte ist.

Sorge vor Koordinierungskosten

Sollte es zu einer Ausschreibung kommen, wird die Awo sich aus der Betreuung an den weiterführenden Schulen zurückziehen und keine 100 Honorarkräfte mehr einsetzen (Budget 270.000 Euro). Schon jetzt, sagt Gora, habe es große Mühen gekostet, die Menschen tariflich zu bezahlen. Der zusätzliche Aufwand, sich an einer Ausschreibung zu beteiligen, sei viel zu hoch und koste Geld, was wiederum später bei den Kräften fehlen würde. Das Argument ist nicht neu: Schon bei der Vorstellung der Neuausschreibung am 11. März durch den Fachbereich Schule stand die Befürchtung im Raum, dass die Betreuung schlechter werden wird, weil im Fall einer Neuausschreibung mehr Koordinierungskosten entstehen.

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