Gehaltsverhandlungen für DSW21-Fahrer: Kommt ein „historisches Ergebnis“?

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Eigentlich ist der Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst beendet. Doch im Werkssaal von DSW21 wird für den ÖPNV weiterverhandelt – der Job des Bus- und Bahnfahrers muss dringend attraktiver werden.

Dortmund

, 06.11.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kommunale Verkehrsbetriebe wie etwa die Dortmunder Stadtwerke (DSW21) haben zunehmend Probleme, geeignete Bewerber für den Fahrdienst in Bussen und Bahnen zu finden. Die Qualität der Interessenten habe sich verschlechtert, heißt es. Dazu passt, dass viele die Fahrprüfung nicht bestehen oder den Job hinschmeißen.

Das soll sich ändern: Das Fahrpersonal der kommunalen Verkehrsunternehmen in NRW darf auf mehr Geld hoffen - und auf bessere Arbeitsbedingungen. Allein bei DSW21 sitzen rund 950 Mitarbeiter am Steuer von Bussen und Bahnen.

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Ihr Job soll attraktiver werden. Deshalb hatte die Gewerkschaft Verdi im Sommer parallel zu den Verhandlungen für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst eine weitere Tarifrunde angestoßen. Sie gilt speziell den Bus- und Bahnfahrern im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Während die von Streiks begleiteten Gehaltsrunden abgeschlossen sind, gehen die Verhandlungen um bessere Arbeitsbedingungen für das Fahrpersonal im nordhrein-westfälischen ÖPNV jetzt in die letzte Runde – in Dortmund.

"Historisches Ergebnis" soll den Job am Steuer attraktiver machen

Im Stadtwerke-Saal in der Von-den-Berken-Straße treffen sich am Freitag (6.11.) und Samstag (7.11.) die Verhandlungspartner unter Corona-Bedingungen zum Schlussakkord im Ringen um einen Rahmen-Tarifvertag für NRW.

DSW21-Arbeitsdirektor Harald Krauss, der auf Seiten der Arbeitgeber sitzt, zeigt sich zuversichtlich: „Ich glaube, dass wir zu einem gemeinsamen Abschluss kommen werden“, schätzt Krauss die Lage auf Anfrage ein. Man bereitet sich auf „ein historisches Ergebnis“ vor, das den Job am Steuer attraktiver machen soll.

DSW21-Arbeitsdirektor Hrald Krauss geht bei den Verhandlungen von einer Einigung aus.

DSW21-Arbeitsdirektor Hrald Krauss geht bei den Verhandlungen von einer Einigung aus. © RN

Verdi möchte mit einem Rahmentarifvertrag für den Nahverkehr in NRW bessere Arbeitsbedingungen herausholen. Dazu gehören unter anderem 30 Urlaubstage und zusätzliche, individuelle Entlastungstage, neue Überstundenregelungen sowie Weihnachtsgeld und die Neuberechnung von Zulagen.

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Alles in allem ein durchaus dickes Paket, das die Personalkosten im Fahrdienst nach überschlägiger Rechnung von DSW21 insgesamt um bis zu 27 Prozent erhöhen könnte. Falls sich die Arbeitnehmerseite mit allen Forderungen durchsetzt.

Neues Fahrpersonal muss Abstriche beim Entgelt hinnehmen

Was Verdi dabei vor allem anstrebt: Teile des Fahrpersonals sollen künftig besser eingruppiert werden. Wie? Indem die höchst ungeliebte Entgeltgruppe "5a" ersatzlos gestrichen wird. Dabei handelt es sich um eine Art "Sondertarif", der schlicht und ergreifend für eine schlechtere Bezahlung steht. Rund 400 der insgesamt 950 Fahrerinnen und Fahrer sind in "5a" eingruppiert.

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Verdi hatte der Einführung der Entgeltgruppe vor Jahren im Zuge der Diskussionen um die Ausschreibung von Verkehrsleistungen zähneknirschend zugestimmt. Und im Gegenzug damals die Zusage für die Sicherung der Arbeitsplätze bekommen.

Fahrer kommt nach 20 Jahren am Steuer auf 2836,09 Euro

Hintergrund: DSW21 wollte die Kosten senken, um auf dem Markt mit Konkurrenten wettbewerbsfähig zu bleiben. Inzwischen hat die Stadt ihren Verkehrsbetrieben den begehrten Auftrag erteilt – die Stadtwerke können Dortmunds Bus- und Stadtbahnverkehr auf viele Jahre hinaus organisieren. Eine Ausschreibung, bei der Private zum Zuge kommen könnten, müssen sie nicht mehr fürchten.

Damit kann aus Sicht von Verdi der ungeliebte "Sonder-Tarif" wieder verschwinden. Ein neu eingestellter Fahrer startet dort laut Tabelle mit monatlich 2522,41 Euro (plus Zulagen). Nach 20 Berufsjahren hätte er seine höchste Gehaltsstufe erreicht: 2836,09 Euro.

Zum Vergleich: In der sonst üblichen Entgeltgruppe 5 würde er mit 2549,39 Euro anfangen und am Ende der Skala bei 3215,72 Euro landen.

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