Gebrauchtwagen-Käufer abgezockt – Betrüger sollen über ein Online-Portal verkauft haben

rnBMV, Audi, Mercesdes und VW

Falsche Papiere, Tacho-Manipulatio bis zu 400.000 Kilometer: Nach einer Serie von betrügerischen Autoverkäufen stehen drei mutmaßliche „Tacho-Betrüger“ vor Gericht. Das Vorgehen war dreist.

Bochum/Dortmund

, 13.11.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Falsche Papiere, flinke Finger, fette Gewinne: Vor dem Bochumer Landgericht hat ein Prozess gegen drei mutmaßliche Mitglieder einer professionellen Tacho-Betrügerbande begonnen, die im Raum Dortmund zahlreiche Gebrauchtwagen-Käufer geprellt haben soll. Der angebliche Betrugsschaden liegt im hohen sechsstelligen Euro-Bereich.

Gebrauchtwagen-Käufer abgezockt – Betrüger sollen über ein Online-Portal verkauft haben

Die drei Angeklagten kurz vor Prozessbeginn an der Seite von Dolmetschern und Verteidigern. Ganz rechts: Rechtsanwalt Axel v. Irmer (Dortmund). © Werner von Braunschweig

In dem Prozess vor der 2. Wirtschaftsstrafkammer geht es um 43 betrügerische An- und Verkäufe von Pkw der Marken Audi, BMW, VW und Mercedes. Die Tatorte lagen laut Staatsanwaltschaft vor allem in Dortmund, Witten, Bottrop und Gelsenkirchen.

Im Februar 2017 sollen die Täter erstmals auch einen Gebrauchtwagen-Käufer aus Dortmund gelinkt haben. Der Mann soll von den Tätern einen Audi A6 mit einem angeblichen Tachostand von 134.000 Kilometern für 13.100 Euro gekauft haben. In Wirklichkeit soll das Fahrzeug aber bereits rund 330.000 Kilometer unterwegs gewesen sein - und daher nur noch rund 5.000 Euro wert gewesen sein.

Öl in den Kühlerkreislauf gespritzt

Zwischen 2016 und 2019 sollen die drei Angeklagten in Serie die Kilometerstände kurz zuvor angekaufter Gebrauchtwagen um bis zu 400.000 Kilometer nach unten „gedreht“ haben, um sie danach teurer verkaufen zu können.

Fast alle Käufer erhielten laut Anklage am Ende komplett gefälschte Servicehefte überreicht, versehen mit ebenso gefälschten Stempelaufdrucken von Niederlassungen der jeweiligen Auto-Marke.

Um den Preis für die weiterzuverkaufenden Gebraucht-Pkw schon beim Ankauf drücken zu können, soll die „Tacho-Bande“ regelmäßig auch schon vorher dreist getrickst haben.

In einem unbeobachteten Moment sollen Bandenmitglieder so nicht nur einmal blitzschnell etwas Öl in den Kühlkreislauf eingespritzt haben, um einen Mangel zu simulieren. „Den jeweiligen Käufern entstand durch den Ankauf der manipulierten Fahrzeuge ein nicht unerheblicher Schaden“, heißt es in der Anklageschrift wörtlich.

Verkäufe über „mobile.de“

Die Bochumer Staatsanwaltschaft stuft die drei Angeklagten als führende Köpfe einer „hierarchisch strukturierten, überörtlich agierenden Tätergruppierung“ ein. Als Verkaufsplattform diente laut Anklage unter anderem das Internetportal „mobile.de“. Dem 22-jährigen Verdächtigen schreibt die Staatsanwaltschaft mindestens zwei, dem 28-Jährigen sogar drei Alias-Namen zu.

Zum Prozessauftakt hat sich noch keiner der Männer geäußert. Alle drei Angeklagte sitzen seit Ende Mai in Untersuchungs-Haft. Die Anklage lautet auf bandenmäßigen Betrug, Urkundenfälschung und Steuerhinterziehung. Für den Prozess sind noch zehn weitere Verhandlungstage bis zum Januar 2020 anberaumt.

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