Gefährliche Irrfahrt im Flixbus versetzte Fahrgäste in Angst

Aggressiver Fahrer, defekte Beleuchtung

Die Toilette verstopft, der Kaffeeautomat kaputt, eine nervige Verspätung – solche Geschichten von Fahrten im Fernbus können viele Reisende erzählen. Sie sind aber nichts im Vergleich zu der gefährlichen Irrfahrt im Halbdunkeln, die jetzt ein Bochumer im "Flixbus" miterlebte. Hendrik Goldschmidt aus Bochum und seine Freundin fuhren mit - und riefen aus Angst die Polizei.

DORTMUND

, 15.02.2017, 16:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine gefährliche Fahrt erlebten die Fahrgäste im Flixbus von Dortmund nach Frankfurt.

Eine gefährliche Fahrt erlebten die Fahrgäste im Flixbus von Dortmund nach Frankfurt.

Los ging's mit einer satten Verspätung in Dortmund. Der Bochumer Hendrik Goldschmidt (31) und seine Freundin hatten für vergangenen Freitag (10. Februar) eine Fahrt im Flixbus von Dortmund nach Frankfurt gebucht. Um 17.55 Uhr sollte es losgehen, bei 0 Grad warteten rund 20 Leute am Nordausgang des Dortmunder Hauptbahnhofes auf den Bus. 

Es passierte, was bei Fernbusfahrten eben manchmal so passiert: gar nichts. Der Bus kam nicht, ebenso wenig eine - bei Flixbus übliche - Kurzmitteilung aufs Handy, dass der Bus Verspätung hat. Goldschmidt rief um 18.25 Uhr seinerseits bei Flixbus an, um vom Band die Ansage zu hören: "Ihr Bus fährt planmäßig um 17.55 Uhr in Dortmund ab." Erst ein Mitarbeiter, zu dem Goldschmidt durchgestellt wurde, teilte in gebrochenem Deutsch mit, was längst alle wussten: "Bus kommt später." 

Der Flixbus kam mehr als eine Stunde zu spät

Gegen 19 Uhr kam der Bus tatsächlich, und hier könnte die Geschichte mit leicht verärgerten und genervten Fahrgästen enden. Dass sie weitergeht, liegt am technischen Zustand des Busses - und am Busfahrer, dem Hendrik Goldschmidt für die Geschichte den (erfundenen) Namen Werner gegeben hat. Werner, so schildert es Goldschmidt, und so spiegeln es später laut Flixbus weitere Beschwerden von Fahrgästen wider, hat sich - gelinde gesagt - danebenbenommen. Es mag Zufall sein, allerdings gab es 2016 einen Fernbus-Test der Stiftung Warentest, in dem nur jeder zweite Flixbus-Fahrer als freundlich eingestuft wurde. 

Zurück zu Werner. Nach Aussagen Goldschmidts soll er unwirsch auf die Frage nach dem Grund der Verspätung reagiert und Fahrgäste angeschrien haben. In harschem Ton soll der Busfahrer auch direkt klar gestellt haben, dass auf dem Platz hinter ihm seine Privatsachen liegen - und, dass die Toilette geschlossen bleibt. "Der war aggressiv und ausfallend", sagt Goldschmidt. 

Er und seine Freundin hatten das zweifelhafte Vergnügen, im Sitz ganz vorne rechts Platz zu nehmen. Weshalb die beiden Bochumer auch recht schnell mitbekamen, dass Werner auf der Autobahn 

  • den Blinker beim Überholen nicht nutzte, 
  • dadurch für Staus hinter sich sorgte, 
  • einige gefährliche Vollbremsungen absolvierte und
  • nicht das richtige Fahrtlicht eingeschaltet hatte.

"In der Tat haben uns weitere Fahrgäste dieser Fahrt ebenfalls Rückmeldungen zukommen lassen, die die Schilderungen von Herrn Goldschmidt bestätigen", bestätigte eine Sprecherin von Flixbus die Schilderungen.

"Teils fuhren wir ohne Licht. Oder durchgehend mit Fernlicht"

Flixbus kooperiert nach eigenen Angaben in Deutschland und Österreich mit rund 150 mittelständischen Partnerunternehmen und ist Marktführer mit einem Marktanteil von 80 Prozent, es kaufte 2015 den Konkurrenten Meinfernbus, 2016 Megabus und Postbus. Die Fahrt, von der hier die Rede ist, hat Flixbus zufolge das Unternehmen Primo Regio übernommen.

Dessen Bus war es also, mit dem Hendrik Goldschmidt und die weiteren Insassen über die Autobahn rollten. Im Halbdunkeln, wie Goldschmidt schildert, und wie es ein kurzes Video vom ihm zeigt. "Teils fuhren wir ohne Licht, manchmal mit sehr, sehr schwachem Licht. Oder durchgehend mit Fernlicht." Auf die fehlende oder falsche Beleuchtung wiesen laut dem Bochumer andere Verkehrsteilnehmer per Hupe und Lichthupe hin. 

Hier ist das Video, das Goldschmidt im Bus drehte:

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