Geflügelte Nashörner werden häufig attackiert

Maskottchen in Gefahr

Die geflügelten Nashörner von Dortmund haben ihren Ursprung im Konzerthaus, spätestens mit der Fußball-WM 2006 wurden sie zu einem Wahrzeichen der Stadt. Doch sie sind schwer bedroht, statistisch gesehen musste schon jede Skulptur mehr als einmal zur Reparatur. Es gibt besonders gefährdete Standorte.

DORTMUND

, 05.03.2015, 03:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der häufigste Schaden: Ein umgeworfenes Nashorn. Im Sauerland schubsen sie nur Kühe.

Der häufigste Schaden: Ein umgeworfenes Nashorn. Im Sauerland schubsen sie nur Kühe.

„Zugekiffte oder sonstwie bedröhnte Jugendliche“, sagt Helga Schepp, seien die Hauptfeinde der geflügelten Nashörner. Hauptjagdzeit sei die Nacht von Freitag auf Samstag. Was den Zorn der Täter auf das Nashorn lenkt, weiß Schepp auch nicht so genau. Gemeinsam mit Ehemann Manfred Schepp betreibt sie die Firma Bellluci, hier kann man die geflügelten Skulpturen erstehen.

2,50 Meter lang, 120 Kilogramm schwer, dazu noch die Betonplatte mit einem Gewicht von 300 Kilogramm. 2360 Euro kostet das Tier aus glasfaserverstärktem Kunststoff in Weiß, 300 Euro für die Betonplatte.

200 Reparatur-Versuche bisher

Wenn eins kaputt geht, ist das ein Fall für Carsten Hückert. Hückert ist eigentlich Designer und gestaltete viele der Nashörner. Als dann die ersten attackiert wurden, brauchte es auch jemanden, der sie reparierte. Das war Hückert. Er geht davon aus, bisher gut 200 Mal versucht zu haben, ein geflügeltes Nashorn zu reparieren.

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Das sind die Schäden an Dortmunds Nashorn-Skulpturen

Rund 150 geflügelte Nashörner stehen im Stadtgebiet. Repariert werden musste – rein statistisch – jedes schon mehr als einmal. Wir zeigen die Schäden an den Wappentieren des Dortmunder Konzerthauses.
04.03.2015
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Das diese Skulptur demoliert wurde, sieht man erst auf den zweiten Blick: Eigentlich müsste sie fest verankert auf der Betonplatte stehen. Das tut sie aber nicht mehr.© Foto: Carsten Hückert
Hier ein offensichtlicherer Schaden, ein gebrochener Flügel.© Foto: Carsten Hückert
Ab und gibt es auch was auf die Ohren.© Foto: Carsten Hückert
Der häufigste Schaden: Ein umgeworfenes Nashorn. Im Sauerland schubsen sie nur Kühe.© Foto: Carsten Hückert
Wenn ein Nashorn mit seinen 120 Kilo umfällt, bricht in der Regel ein Flügel.© Foto: Carsten Hückert
Was passieren muss, damit ein Horn bricht, wissen wir nicht. Dafür können wir noch kurz erläutern, was eigentlich die Idee dieser Skulptur ist.© Foto: Carsten Hückert
Obwohl das Nashorn ein recht bodenständiges Tier ist, hat es doch ein sehr feines Gehör und ist deshalb ein ideales Konzerthaus-Wappentier. Das geflügelte Nashorn soll, ähnlich dem Pegasus, zu geistigen Höhenflügen anregen.© Foto: Carsten Hückert
Naja, mit gebrochenen Flügeln wird es dann schwer mit Höhenflügen.© Foto: Carsten Hückert
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Rund 200 Nashörner haben die Schepps bisher verkauft, allerdings nicht alle in Dortmund, teilweise lieferten sie bis nach Italien. 150 stehen im Dortmunder Stadtgebiet, schätzen die Schepps, allerdings haben die Tiere quasi Schutzzonen aufsuchen müssen.

Der Auszug aus dem öffentlichen Raum begann

Zur Hochphase der Skulpturen während der Fußball-WM standen 110 im Innenstadtbereich innerhalb des Wall-Bereichs. Heute sind es noch rund 20, das hat einen Grund: Zunächst war das Aufstellen der Tiere eine Kunstaktion, Sponsoren konnten eine Skulptur erwerben, sie von einem Künstler gestalten und im Stadtgebiet aufstellen lassen. Für eventuelle Schäden kam das Citymarketing der Stadt Dortmund auf. Laut Manfred Schepp blieb damals verborgen, wie oft die Skulpturen repariert werden mussten.

Als die offizielle Aktion vorbei war, konnten sich die Sponsoren überlegen, ob sie die Tiere woanders hinstellen oder im Stadtgebiet stehen lassen wollten. Verblieben die Skulpturen im öffentlichen Raum, musste der Besitzer für eventuelle Beschädigungen zahlen; der Auszug der Tiere aus dem öffentlichen Raum begann.

„Irgendetwas passiert ständig“, sagt Hückert. Er hat neben mutwilliger Zerstörungslust noch einen anderen Nashornfeind ausgemacht: Lieferverkehr in der Innenstadt. LKW oder Transporter schrammen an den Tieren vorbei. Dass man die Skulpturen nicht hundertprozentig schützen kann, weiß auch Hückert. Es gebe Besitzer, die die Nashörner nachts reinholen würden.

Nashorn von Bahnbrücke geschmissen

Ein geflügeltes Nashorn am Clarenberg sei mal von einer Brücke auf Eisenbahngleise geworfen worden. Und auch eine Entführung wurde schon bekannt. So hatte der ADAC ein geflügeltes Nashorn, das ein kleineres Nashorn abschleppte. Das kleine war irgendwann weg und tauchte nie wieder auf. „Wahrscheinlich steht es jetzt in irgendeinem Keller“, vermutet Hückert. Der kleine Nachfolger, der jetzt beim ADAC steht, ist mit Sand gefüllt und wiegt jetzt mehr als sein großer Bruder.

Prinzipiell gebe es Standorte, die deutlich gefährlicher seien als andere. Die Nähe zu Diskotheken sei generell schlecht, außerdem alles, was in Richtung Bahnhof gehe. Auch ein SPD-Nashorn am Rathaus sei quasi monatlich attackiert worden, mittlerweile steht es dort nicht mehr.

Berliner Bären machen weniger Probleme

Hückert sagt, er habe mal in Berlin angerufen, dort haben sie ähnliche Skulpturen, sie stellen den Berliner Bären dar. Einer davon sei mal in die Spree geflogen, ansonsten hätten die Berliner keine Probleme mit ihren Bären. Anders ist das in Dortmund: Die Stadt ist ein gefährliches Pflaster für das Nashorn.

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