Geliebte niedergestochen: „Bleib ruhig – gleich ist alles vorbei"

rnSchwurgericht Dortmund

Ein Handwerker sticht seine heimliche Geliebte nieder, damit seine Frau nichts von der Affäre erfährt. Die 27-Jährige überlebt schwer verletzt. Vor Gericht brechen beide in Tränen aus.

Dortmund

, 28.05.2019, 17:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es müssen unfassbar dramatische Szenen gewesen sein: Vor knapp fünf Monaten hat ein selbstständiger Handwerker aus Dortmund seine heimliche Geliebte niedergestochen. Seit Dienstag steht der 45-Jährige vor Gericht. Die Anklage: Mordversuch.

Es war der 11. Januar, um kurz nach acht. Der Angeklagte hatte die 27-Jährige auf einen Parkplatz an der Hohensyburg gelotst. Dann ging alles ganz schnell. Als seine Geliebte gerade aussteigen wollte, stach er zu. In die Brust, in den Arm, in die Hand. Dann soll er diesen Satz gesagt haben: „Bleib einfach ruhig – gleich ist alles vorbei.“

Die 27-Jährige hatte das Messer gar nicht gesehen. Nur, dass ihre Bluse immer dunkler wurde.

Polizisten zufällig in der Nähe

Glück für die Frau: Zufällig waren auch zwei Polizisten auf dem Parkplatz. Sie hatten die verzweifelten Schreie gehört und eingegriffen.

Das Paar hatte sich drei Jahre lang heimlich getroffen. Sie arbeitete als Tischlerin in seiner Firma, beide waren oft zusammen auf Montage. Seine Avancen hatte sie anfangs immer abgelehnt. Weil sie seine Familie (Frau und zwei Kinder) nicht zerstören wollte. „Er hat mir aber immer gesagt: Man kann nichts kaputt machen, was schon kaputt ist."

"Ich wollte das Kind nicht"

2018 wurde die 27-Jährige schwanger. Im Oktober wurde ihr gemeinsamer Sohn geboren. Der Angeklagte hatte eigentlich auf eine Abtreibung bestanden. Doch sie hatte den Termin angeblich in letzter Sekunde wieder abgesagt. „Ich wollte das Kind nicht", sagte der 45-Jährige den Richtern. „Ich habe ihr gesagt, dass ich nicht für das Kind da sein werde. Dass wir keine Zukunft haben."

Und dann schmiss er sie aus der Firma. Die Kündigung kam nur wenige Wochen vor der Entbindung. Ob seine Ehefrau zu diesem Zeitpunkt schon Verdacht geschöpft hat, ist nicht ganz klar.

Eine Kündigung in der Schwangerschaft: Das wollte die 27-Jährige auf keinen Fall akzeptieren. Sie nahm sich einen Anwalt, reichte Klage ein. Der Prozess wäre am 11. Januar gewesen – dem Tattag.

Eigentlich nur den Reifen platt stechen

„Ich wollte auf keinen Fall, dass sie ins Gericht fährt", sagte der Angeklagte am Dienstag. Denn dort wäre sie auf seine Ehefrau getroffen, der eigentlichen Inhaberin der Firma. Und dann wäre möglicherweise alles ans Licht gekommen.

Eigentlich habe er nur auf Zeit spielen wollen. „Ich wollte einen ihrer Reifen platt stechen. Dann wäre sie nicht ins Gericht gekommen." Das sei aber nicht gelungen. „Das einzige, was ich am Ende hatte, war ein verbogenes Messer."

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