Gemeinde in Dortmund gewährt Flüchtling Kirchenasyl

Junger Mann aus Myanmar

Eine evangelische Gemeinde in Dortmund gewährt einem Flüchtling Kirchenasyl. Die Gemeinde sieht eine besondere Gefährdung ihres Schützlings. Wo er sich aufhält, verrät der Kirchenkreis nicht - aus Angst vor Neonazis.

DORTMUND

31.08.2015, 12:51 Uhr / Lesedauer: 1 min
Am Sonntagmorgen bleiben viele Kirchenbänke leer.

Am Sonntagmorgen bleiben viele Kirchenbänke leer.

Ein von der Abschiebung bedrohter Flüchtling aus Myanmar hat Zuflucht in einer evangelischen Kirchengemeinde in Dortmund gefunden. Laut Mitteilung des evangelischen Kirchenkreises gehört der jüngere Mann der in Myanmar verfolgten Minderheit der Rohingya an. Mehrere Familienangehörige seien bei Übergriffen in den vergangenen Jahren und auf der Flucht durch verschiedene Länder ums Leben gekommen.

Die deutschen Behörden, heißt es in der Mitteilung, wollen ihn nach Frankreich abschieben, wo sein Asylantrag jedoch bereits abgelehnt worden sei. Daher drohe ihm die Abschiebung in sein Heimatland. Der Anwalt des Mannes habe erfolglos vor dem Verwaltungsgericht geklagt.

Kirche sieht "besondere Gefährdungslage"

„Die Kirchengemeinde und der Kirchenkreis sind in diesem Fall davon überzeugt, dass die besondere Gefährdungslage des Flüchtlings von den Behörden nicht angemessen gewürdigt wurde. Wir bitten das Bundesamt um erneute Überprüfung“, erklärt Superintendent Ulf Schlüter.

Wie der Kirchenkreis mitteilt, wurden Ausländerbehörde und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge vorab über das Kirchenasyl informiert. Nach Auffassung der evangelischen Kirche sei ein Kirchenasyl "kein Verstecken von Flüchtlingen und beansprucht keinen rechtsfreien Raum". Vielmehr solle ein zeitlich befristetes Moratorium Gelegenheit schaffen, den Einzelfall zu überprüfen.

Neonazis machten Online-Hetzjagd auf Flüchtlinge

Bereits im Frühjahr hatte eine Dortmunder Gemeinde einer Familie Kirchenasyl gewährt. Damals bewerteten die Behörden den Fall neu. Genauere Angaben zum jetzigen Kirchenasyl macht der Kirchenkreis aus Sicherheitsgründen nicht. Im Frühjahr hatten Neonazis eine Online-Hetzjagd gestartet, um herauszufinden, in welcher Gemeinde sich die Betroffenen aufhielten.

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