Die Evangelische Kirchengemeinde Dortmund-Südwest verbannt das mitgebrachte Butterbrot vom Mittagstisch. Anlass sind Hygiene-Vorschriften. Die wurden aber missverstanden, lautet die Kritik.

Dortmund

, 27.06.2018, 17:33 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nicht allen Eltern in den drei Kindergärten der Evangelischen Kirchengemeinde Dortmund-Südwest dürfte geschmeckt haben, was ihnen die Kindergarten-Leitung aufs Butterbrot schmierte: Vom nächsten Kindergartenjahr an ist es nicht mehr erlaubt, kaltes Essen aus der Brotdose von zu Hause mitzubringen. Die Hygiene-, Kontroll- und Dokumentations-Vorschriften seien schuld, dass man das mitgebrachte Butterbrot vom Speiseplan streichen müsse. Die Anforderungen seien zu hoch.

Das neue Vorgehen sei eine Konsequenz aus der letzten Schulung zur Lebensmittelhygiene, heißt es weiter in einem Schreiben an die Eltern. Auch die bisherigen „Kaltesser“ müssen deshalb ab dem 1. August die Vollverpflegung für 60 Euro mit einem warmen Mittagessen nutzen. Das Frühstück wird ohnehin immer für alle gemeinsam im Kindergarten zubereitet.

Zu viel Aufwand?

Unter anderem eine Mutter, zwar Mitglied im Elternbeirat, aber bei der letzten Sitzung nicht dabei, ist mit dem Butterbrot-Verbot nicht einverstanden. Ihr Sohn müsste nun demnächst mittags im Kindergarten und abends zu Hause warm essen. Ihre Vermutung: „Der Kindergarten-Leitung ist das unterschiedliche Essen zu viel Aufwand.“ Was sie auch ärgert: „Das hätte man nicht erst so kurz vor dem neuen Kindergartenjahr kommunizieren müssen.“

Über das Vorgehen der Gemeinde Süd-West, zu der die Kindergärten Hombruch, Barop und Eichlinghofen gehören, wundert sich auch Andrea Blumenschein, zuständige Bereichsleiterin beim Evangelischen Kirchenkreis Dortmund. „Das Verbot ist vollkommen unnötig.“

Sie hat die Schulung gehalten und die Inhalte zuvor mit dem Veterinäramt abgestimmt. „Da muss jemand etwas gründlich missverstanden haben“, sagt sie, „aus meiner Fortbildung kann das nicht kommen“.

Geburtstagskuchen auf eigene Gefahr

Ein Missverständnis könne möglicherweise von einem Beispiel herrühren, das sie angeführt habe, sagt Andrea Blumenschein. Was nicht gehe, sei, dass alle Eltern etwas für ein Frühstücksbüffet von zu Hause mitbringen, das dann im Kindergarten von allen verzehrt wird. Es sei in dem Fall nicht sichergestellt, dass die Kühlkette von allen eingehalten werde. Bei angeliefertem Essen liege die Verantwortung für das Produkt beim Caterer. Sei das Essen erst mal im Kindergarten, sei dieser für die Kühlung verantwortlich.

Eine andere Geschichte seien Kindergeburtstage, zu dem Eltern Kuchen mitbringen. Gehe eigentlich auch nicht, sei aber Praxis, so Andrea Blumenschein. „In dem Fall essen die Kinder den Kuchen auf eigene Gefahr.“ Nach wie vor könne ein Kind bei den geltenden Hygienevorschriften aber sein Butterbrot zum Eigenverzehr mitbringen.

Entscheidung der Gemeinde

Die Kirchengemeinde Süd-West ist aber die letzte, die ihre Kindergärten in eigener Trägerschaft betreibt und nicht wie 56 andere Einrichtungen zum Trägerverbund des Kirchenkreises gehört. „Deshalb kann sie selbst über das Mittagessen entscheiden“, sagt Andrea Blumenschein: „Doch es wäre schön gewesen, wenn die Pfarrerin erst bei uns nachgefragt hätte, bevor diese Entscheidung getroffen wurde.“

Pfarrerin Britta Hülsewig verteidigt die Entscheidung, das mitgebrachte Butterbrot zu verbieten. Nach ihrer Auffassung ist es Aufgabe des Kindergartenträgers dafür zu sorgen, dass mitgebrachte Brote separat vom übrigen Essen gekühlt werden. Das Veterinäramt habe bei der letzten Begehung nach der Kühlung gefragt - und das für Essen, das maximal 250 Meter über die Straße getragen worden sei.

Pädagogisches Konzept

Außerdem: Die Hygienevorschriften seien der eine Grund, auf dem gemeinsamen warmen Mittagessen zu bestehen, so Hülsewig („Sie ahnen nicht, was das für ein Aufwand ist, einen Kindergarten zu betreiben“), das pädagogische Konzept ein weiterer.

Alle Eltern seien von der neuen Praxis in Kenntnis gesetzt worden und bis auf eine Ausnahme hätten alle zugestimmt, versichert die Pfarrerin. „Es ist zumindest nicht mit uns so diskutiert worden.“ Für den Fall, dass sich jemand das warme Mittagessen für sein Kind nicht leisten könne, habe die Gemeinde Möglichkeiten, das Essen „ein bisschen zu fördern. Vor dem Hintergrund der Hygiene-Vorschriften ist das für uns die praktikabelste Lösung.“

Bei Fabido genau umgekehrt

Bei den Kindertageseinrichtungen des städtischen Betreibers Fabido lief es vor drei Jahren genau umgekehrt. Dort wurde das von den Kitas bereitgestellte Frühstücksbüffet gestrichen - mit Hinweis auf die aufwendige Dokumentationspflicht. Stattdessen wurden die Eltern gebeten, ihren Kindern für das zweite Frühstück wieder ein Butterbrot mitzugeben.

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