Gerüchte um tödliche Schläge im Unionviertel - Ermittler dementieren

rnAngriff auf 41-Jährigen

In der Nacht zu Samstag starb Ibrahim D. an der Adlerstraße im Unionviertel. Nun kursieren Gerüchte im Internet, der Angriff auf ihn sei rassistisch motiviert. Die Ermittler sind überrascht.

Dortmund

, 19.05.2020, 17:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein 41-jähriger Dortmunder ist am Samstag (16.5.) bei einem brutalen Angriff im Unionviertel ums Leben gekommen. Verschiedene Medien verbreiten jetzt unbestätigte Vermutungen über den Tatverdächtigen. In mehreren Beiträgen ist von einem rassistischen Hintergrund die Rede.

Ausgangspunkt der verschiedenen Beiträge ist ein türkischsprachiger Text, in dem ein Name des mutmaßlichen Täters genannt wird - so eine identifizierende Berichterstattung widerspricht eindeutig dem deutschen Pressekodex. Die Staatsanwaltschaft äußert sich auf Anfrage unserer Redaktion nicht, ob der Verdächtige tatsächlich so heißt.

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Der angegebene Name passt zu einem Facebook-Profil eines Mannes, der dort angibt, in Dortmund zu wohnen und auf einem im Dezember 2019 hochgeladenen Foto den sogenannten Wolfsgruß zeigt. Außerdem sind Bilder von türkischen Flaggen und Soldaten zu sehen.

Die Handhaltung des Wolfsgrußes ist ein Erkennungszeichen der sogenannten Grauen Wölfe - so wird die rechtsextremistische türkische „Ülkücü“-Bewegung umgangssprachlich genannt. Sie wird vom Verfassungsschutz unter dem Stichwort „Sicherheitsgefährdende und extremistische Bestrebungen von Ausländern“ gelistet.

Staatsanwältin: „keinerlei Ansätze für ein rassistisches Motiv“

Das Opfer des Angriffs aus der Nacht zu Samstag war Kurde - in dem Online-Artikel sind Vermutungen eines rassistischen Motives zu lesen. Nach Informationen unserer Redaktion geht die Familie des Toten aber selbst von einem privaten Streit ohne politischen Hintergrund aus. Wenngleich der Bruder den Verdächtigen durchaus als „radikal rassistisch“ bezeichnet hat.

Staatsanwältin Sandra Lücke sagt dazu: „Wir ermitteln wie immer in alle Richtungen. Aber wir haben aktuell keinerlei Ansätze, an ein rassistisches Motiv zu denken.“ Sie höre durch die Anfrage unserer Redaktion zum ersten Mal von diesem Verdacht.

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In Dortmund ist der Verdacht des rassistischen Hintergrunds am Dienstag von Gruppen aus der Antifa-Szene übers Internet verbreitetet worden. Unter anderem ist dort zu lesen: „Dortmund hat eine lange Vorgeschichte mit rechten Morden, und die werden nicht immer von deutschen Neonazis verübt.“

Das Medium, bei dem der ursprüngliche Artikel auf türkischer Sprache erschienen ist, steht laut Verfassungsschutz der in Deutschland verbotenen kurdischen Partei PKK nahe. Als Firmensitz ist eine Adresse in Deutschland angegeben. Die Vorgängerzeitung ist vor 15 Jahren vom Bundesinnenministerium verboten worden.

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