Gesicht zerfetzt, Beine abgetrennt: Dortmunds Gärten als Igel-Alptraum

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Früher waren Autos der Todfeind - doch mittlerweile lauern in Dortmunds Gärten viel größere Gefahren für Igel. Tierschützer warnen und geben Tipps, worauf man achten sollte.

Dortmund

, 16.05.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor nicht allzu langer Zeit war das Auto noch der größte Feind des Igels: Auf den Dortmunder Straßen fanden viele Tiere den Tod oder wurden schwer verletzt. Obwohl auf dem Asphalt noch immer zahlreiche Gefahren auf den stacheligen Säuger lauern, haben andere Maschinen den Pkw als Todfeind Nummer eins abgelöst: Gartengeräte.

„Die Zahl der dadurch verletzten Tiere ist enorm gestiegen“, sagt Rosemarie Adam, die seit über 30 Jahren im Dortmunder Igelschutz aktiv ist.

Ein junger Igel, der von einem Gartengerät verletzt wurde. Vielfach sind die Wunden sogar noch schlimmer und führen zum Tod der Tiere.

Ein junger Igel, der von einem Gartengerät verletzt wurde. Vielfach sind die Wunden sogar noch schlimmer und führen zum Tod der Tiere. © Igelschutz Dortmund

Wo früher noch per Hand Unkraut beseitigt oder das Gras gekürzt wurde, kommen heute motorbetriebene Kantenschneider, Rasentrimmer oder neuerdings auch Mähroboter zum Einsatz. Vor allem die Kantenschneider mit ihren reißfesten Nylonschnüren sorgen bei Igeln für schlimme, oftmals tödliche Verletzungen.

Fatale Folgen für Igel

Nicht zuletzt aufgrund der Kontaktsperre in Coronazeiten haben sich viele Bürger in diesem Jahr besonders ihrem Garten gewidmet. „Für viele Igel hat diese Geschäftigkeit fatale Folgen“, sagt Adam. Denn weil es sich nicht um Fluchttiere handele, verharrten Igel an den Gefahrenorten ohne einen Laut von sich zu geben. Und dieses Verhalten führe oftmals zu Fleischwunden oder gar zum Tod.

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„Schon im März, als die Saison begann, haben wir die ersten verletzten Tiere bekommen“, erzählt die 70-Jährige. „Teilweise waren es sehr tiefe Fleischwunden, in manchen Fällen waren auch Teile der Gesichter oder der Hinterbeine abgetrennt.“

Um verwundete Igel, die glücklicherweise gefunden werden, kümmern sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe Igelschutz. So lange die Verletzungen heilbar sind, sorgen Adam und ihre knapp 20 Mitstreiter für die Versorgung. „Das ist oft sehr aufwendig“, sagt die ehemalige Krankenschwester.

Rosemarie Adam mit einem Schlafhaus für Igel, in dem allerdings ein Plüschexemplar Platz genommen hat.

Rosemarie Adam mit einem Schlafhaus für Igel, in dem allerdings ein Plüschexemplar Platz genommen hat. © Oliver Schaper (Archivbild)

„Aber es gibt auch Tiere, denen man nicht mehr helfen kann“, fährt sie fort. „Entweder werden sie sofort getötet, was dann noch gnädig ist. Aber meist tragen sie schwerste Verletzungen davon, die ein qualvolles Leiden und Sterben zur Folge haben.“ Wenn zu erkennen sei, dass dem Igel nicht mehr geholfen werden kann, lasse man ihn beim Tierarzt einschläfern.

Um das zu verhindern, rät Adam allen Gartenbesitzern, vor Arbeitsbeginn unbedingt in Hecken, hohem Gras oder Bodendeckern nach Igeln zu schauen. Zudem sollte Astschnitt, Totholz und Laub im Garten bleiben, weil die Tiere darunter ihre Schlaf- und Winternester bauen und ihre Jungen aufziehen.

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Aber es gibt noch weitere Ursachen, die den Igeln das Leben schwer machen. So finden sie aufgrund der Versiegelung vieler Gärten, des Einsatzes von Pestiziden und der Klimaerwärmung weniger Nahrung und leiden zudem Durst, der im schlimmsten Falle zur Austrocknung führt.

Die Klimaerwärmung sorgt dafür, dass es für Igel immer schwerer wird, Wasserquellen zu finden. Eine Vogeltränke im Garten kann Abhilfe schaffen.

Die Klimaerwärmung sorgt dafür, dass es für Igel immer schwerer wird, Wasserquellen zu finden. Eine Vogeltränke im Garten kann Abhilfe schaffen. © Igelschutz Dortmund

Deshalb empfiehlt die Tierschützerin, Vogeltränken aufzustellen und zur Nahrungsüberbrückung außerdem Katzen-Trockenfutter anzubieten. „Die Igel danken es durch ihre Mitarbeit in der Schneckenbekämpfung“, so die Expertin, „und Vögel danken es mit ihrem Gesang.“

Die Tiere sterben früher

Denn die schlechteren Lebensbedingungen der jüngeren Vergangenheit hätten bereits negative Auswirkungen mit sich gebracht: „Früher wurden die Tiere häufig älter als heute. Mittlerweile ist ein drei- bis fünfjähriger Igel schon ein Methusalem.“

Um dem entgegenzuwirken appelliert die Tierschützerin an alle Gartenbesitzer: „Habt Mut, den Garten etwas wilder zu belassen. Und verzichtet auf Pestizide!“

Tipps zum Schutz der Igel

  • Auf der Homepage des Igelschutzes Dortmund sind zahlreiche Tipps zu finden, wie Igel besser geschützt werden können und wie man sich verhält, wenn man ein verletztes oder abgemagertes Tier findet: www.igelschutz-do.de
  • Außerdem gibt die Arbeitsgruppe dort unter anderem auch Ratschläge für einen Garten, der den Ansprüchen der Igel gerecht wird.
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