Erst seit Montagmittag weisen Zusatzschilder darauf hin, dass der Weg zwischen den Messehallen zum BVB-Spiel geöffnet ist. © Schaper
Westfalenhallen

Gesperrter Weg: Lösung für BVB-Spiel gefunden – aber der Streit geht weiter

Die kurzfristige Sperrung des Verbindungswegs zum Stadion an den Westfalenhallen sorgt für Ärger. Zumindest in einem für BVB-Fans wichtigen Punkt rudern die Westfalenhallen nun zurück.

Das „DKM Forum hybrid“ ist das bedeutendste Branchentreffen der Versicherungswirtschaft in Deutschland. Nach Corona-Zwangspause findet es am Mittwoch und Donnerstag (27./28.10.) erstmals wieder in Präsenz in der Messe der Westfalenhallen statt – mit digitalen Vorträgen, aber auch 160 Ausstellern und bis zu 3500 Fachbesuchern pro Tag vor Ort.

Für die Westfalenhallen ist Auf- und Abbau der Messe offenbar die willkommene Gelegenheit, Nägel mit Köpfen zu machen: Erstmals ist der Durchgang an den Messehallen 3 und 4 zwischen Kreuzviertel und Strobelallee mit den Stadien und der Bolmke für den Fuß- und Radverkehr für mindestens sechs Tage gesperrt worden, um den Lieferverkehr ungestört abwickeln zu können. So, wie es sich die Westfalenhallen dauerhaft wünschen.

Von einem „Testballon“ sprach Hallensprecher Robin Uhlenbruch am Montag – nachdem es am Sonntag am gesperrten Durchgang schon zu erhitzten Diskussionen und Passanten gekommen war. Auch Fußball-Fans auf dem Weg zum Spiel der BVB-Amateure im Stadion Rote Erde mussten Umwege rund um den Hallenkomplex in Kauf nehmen.

Ähnliches drohte augenscheinlich für die Besucher des DFB-Pokalspiels zwischen den Profis des BVB und Ingolstadt am Dienstagabend (26.10.). Denn auf Hinweisschildern an den Hallen ist bislang vermerkt, dass der Weg vom 24. (Samstag) bis einschließlich 29.10. (Freitag) „aus Sicherheitsgründen für den Durchgangsverkehr gesperrt“ sei. Von einer Ausnahme ist nicht die Rede.

Vor allem bei BVB-Spielen ist der Weg zwischen den Messehallen eine wichtige Fußgänger-Verbindung. © Schaper © Schaper

Dabei sollte eine Sperrung des Weges bei Spielen des BVB im Signal-Iduna-Park ausdrücklich ausgeschlossen sein. So steht es im Kompromissvorschlag der städtischen Planungsverwaltung für den Umgang mit dem Verbindungsweg über das Hallengelände.

Doch jetzt lenkt die Westfalenhallen GmbH ein: „Der derzeit gesperrte Verbindungsweg zwischen dem Dortmunder Kreuzviertel und dem Signal-Iduna-Park wird beim DFB-Pokalspiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Ingolstadt wie geplant geöffnet“, teilte das Unternehmen am Montagnachmittag mit. „Fußballfans können also am morgigen Dienstag ab 16.30 Uhr den Verbindungsweg zwischen dem bei Fans beliebten Stadtteil und dem Stadion zur Anreise nutzen.“

Neue Beschilderung

Dass die für Messe-Aufbauarbeiten notwendige Sperrung für das BVB-Heimspiel aufgehoben werde, habe man bereits im Vorfeld angekündigt, behauptet das Unternehmen. „Es hat sich jedoch gezeigt, dass die geplante Öffnung während des Pokalspiels noch nicht zu 100 Prozent bei allen Dortmunderinnen und Dortmundern sowie von außerhalb anreisenden Fans angekommen ist“, sagt Westfalenhallen-Pressesprecher Robin Uhlenbruch. Jetzt soll eine zusätzliche Beschilderung für mehr Klarheit sorgen und über die Öffnung zum DFB-Pokal-Heimspiel des BVB gegen Ingolstadt informieren.

Die Bezirksvertretung Innenstadt-West hat indes in einer Dringlichkeitsentscheidung die Westfalenhallen aufgefordert, den Weg sofort wieder zu öffnen. Man prüfe das Anliegen und tausche sich dazu über die entsprechenden Kanäle mit der Stadt aus, erklärte Uhlenbruch auf Anfrage. Generell habe man sich auch über die temporäre Sperrung „auf fachlicher Ebene“ mit der Stadt ausgetauscht.

Der Grundsatzstreit um den Weg zwischen den Messehallen geht indes weiter. Er ist nach dem Erbbaurechtsvertrag der Westfalenhallen mit der Stadt zwar Teil des Betriebsgeländes. Zugleich ist aber festgelegt, dass die Westfalenhallen GmbH, „die weitere, entschädigungslose Nutzung dieser Wegeverbindung für den öffentlichen Fuß- und Radverkehr zu dulden hat“.

Streit um Kompromiss

Um zugleich den Sicherheitsbedenken der Westfalenhallen beim Auf- und Abbau von Messen Rechnung zu tragen, hat die Verwaltung einen Kompromissvorschlag vorgelegt. Danach soll die Wegeverbindung zwischen den Hallen 3 und 4 grundsätzlich offen bleiben, aber „notwendige temporäre Schließungen anlässlich größerer Messen/Veranstaltungen“ möglich sein. Prognostiziert wird, dass dies an „bis zu 30 Tagen im Jahr der Fall“ sein dürfte.

Grundsätzlich sei aber „eine Nutzung der Wegeverbindung anlässlich von Spielen des BVB im Signal-Iduna-Park zu gewährleisten“. Außerdem soll für den nötigen Umweg um den Hallenkomplex eine weitere Fuß- und Radwege-Rampe westlich des Eissportzentrums zu den Rosenterrassen gebaut werden.

Politisch entschieden ist über den Kompromissvorschlag noch nicht. Der Rat will erst mögliche Haftungsfragen für die Politik geklärt wissen, zu denen es allerdings höchst unterschiedliche Auffassungen gibt. Auch die Drohung einer dauerhaften Sperrung steht wieder im Raum.

Einen Vorgeschmack darauf liefert die aktuelle Maßnahme der Westfalenhallen GmbH, die ohne längere Ankündigung am Wochenende mit Schildern verkündet wurde. Der Unmut ist groß. Von einer illegalen Aktion spricht Olaf Greve als Vorsitzender der Naturfreunde Kreuzviertel, die die Initiative für den Erhalt des Weges vertritt und dazu auch eine Online-Petition gestartet hat.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich