Gesundheitsamt völlig überlaufen: Abstriche auf Coronavirus nur noch bei Kranken

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Die Diagnostikstelle des Dortmunder Gesundheitsamtes war am Montag (16.3.) völlig überlaufen. Es hagelte Beschwerden von Hilfesuchenden. Jetzt gibt es eine zweite Teststelle.

Dortmund

, 16.03.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Matthieu Helfrich ist vor zwei Wochen aus dem Ski-Urlaub in Tirol zurückgekehrt und entwickelte nach drei Tagen grippeähnliche Symptome, die bis Montag (16.3.) anhielten. Helfrich ist daraufhin sofort der Arbeit ferngeblieben und hat zwei Hausärzte angerufen, um abzuklären, was zu tun sei. Trotz Hinweises auf die Symptome und die Rückkehr aus dem Urlaub, wurde er beide Male gebeten, einfach in die Praxis zu kommen, was er jeweils getan hat.

Beim ersten Mal wartete er im vollen Wartezimmer, um dann zu erfahren, dass sein Reiseziel zum damaligen Zeitpunkt noch nicht zu den Risikogebieten zählte. Helfrich wurde für fünf Tage krank geschrieben. Weil die Symptome nicht besser wurden, suchte er nach Rücksprache am Telefon den zweiten Hausarzt auf.

Doch auch der zweite Hausarzt hielt einen Test auf das Virus nicht für erforderlich und schrieb ihn erneut bis Ende der Woche krank. Da das Fieber schubweise immer wieder zurückkehrte, rief Helfrich am Freitag (13.3.) erneut bei dem Hausarzt an und erfuhr, dass er sich an das Gesundheitsamt wenden müsse. „Dies hätte mir man auch durchaus früher mitteilen können“, so Helfrich.

Offiziell Verdachtsfall

Also rief er am Freitag um 8 Uhr bei der Servicehotline zum Coronavirus der Stadt Dortmund an. Dort habe es geheißen, dass sich das Gesundheitsamt im Laufe des Tages telefonisch bei ihm melde, um einen Test-Termin zu vereinbaren.

Doch trotz nochmaligen Anrufs bei der Servicehotline erhielt Helfrich bis Samstag, 14.3., 14 Uhr, keine Rückmeldung des Gesundheitsamtes. Mittlerweile wurde Tirol als Risikogebiet eingestuft. Somit wurde Helfrich jetzt auch offiziell zu einem Verdachtsfall.

Neben den Hausärzten, die die Lage unterschätzt hätten, so Helfrich, kritisiert er die Abläufe bei der Stadt Dortmund – und steht nicht allein da. Mehrere Dortmunder meldeten sich bei dieser Redaktion und beschwerten sich über mangelnde Kommunikation, zu wenige Testkapazitäten und fehlende Abstimmung zwischen Servicehotline und Gesundheitsamt.

Geänderte Abstrich-Diagnostik

Die Stadt räumte am Montag (16.3.) die Überlastung des völlig überlaufenen Gesundheitsamtes ein. Die Warteschlange sei zeitweise länger als 100 Meter gewesen. Es müsse Änderungen in der Abstrich-Diagnostik geben, kündigt die Stadt an.

„Sehr viele verunsicherte Bürgerinnen und Bürger wollten Abstriche machen lassen, weil sie aus Urlaubsregionen zurückgekommen waren, die nun vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet definiert sind. Auch der Wunsch nach Bescheinigungen zur häuslichen Quarantäne wurde vielfach geäußert“, so das Gesundheitsamt in einer Mitteilung von Montagabend.

Doch das Gesundheitsamt weist darauf hin, dass Abstriche nur noch bei erkrankten Personen durchgeführt werden, bei denen eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu vermuten ist. „Die Untersuchungsmaterialien sind nur beschränkt verfügbar, deshalb kann die Diagnostik von Gesunden in Dortmund grundsätzlich nicht mehr durchgeführt werden. Ausnahmen regelt das Gesundheitsamt nur für Bereiche, die zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung erforderlich sind“, erläutert der Gesundheitsamt-Chef.

Weitere Teststelle

Um für die erkrankten Menschen gleichzeitig eine einfachere Diagnostik zu ermöglichen, werden zusätzlich zu der Diagnostikstelle im Gesundheitsamt dienstags und donnerstags von 14.30 bis 17 Uhr durch Dr. Prosper Rodewyk in seinen Praxisräumen Testungen angeboten – auch dort ausschließlich für Erkrankte nach vorheriger telefonischer Anmeldung. Die Praxis ist in Hörde, Alte Benninghofer Straße. 10, Telefon 0231 411141. Über die Diagnostikmöglichkeiten im weiteren Verlauf der Woche wird informiert.

In diesem Zusammenhang gibt die Stadtverwaltung folgenden dringenden Hinweis: Die Corona-Hotline ist mit zum Teil rund 10.000 Anrufen pro Stunde absolut überlastet - trotz der Verstärkung des Teams durch weitere Fachkräfte aus den Bereichen Gesundheit und Rettungsdienst. Dortmunder werden gebeten, sich vor einem Anruf auf der Homepage der Stadt unter www.dortmund.de über alle Fragen rund um das Coronavirus zu informieren.
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