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Gewalt gegen Lehrer: So schlimm ist der Alltag an Schulen

rnSchüler wollten Lehrer ermorden

Drei Schüler wollten in Dortmund einen Lehrer töten. Der Fall ist spektakulär. Doch an Gewalt haben sich die Schulen in NRW längst gewöhnen müssen. Eine Lehrer-Gewerkschaft nennt Zahlen.

Dortmund

, 16.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Aus Frust wollte ein 16-jähriger Gesamtschüler mit zwei Komplizen einen Lehrer seiner Schule töten. Der Plan scheiterte. Die beiden jugendlichen Tatverdächtigen und ein Heranwachsender sind zwar vorübergehend festgenommen worden, befinden sich aber wieder auf freiem Fuß und müssen sehr wahrscheinlich auch nicht mit einer Anklage rechnen. Weil sie, juristisch betrachtet, den „Rücktritt vom Versuch“ unternommen haben.

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Dennoch: Die Verabredung zu diesem Verbrechen und das planvolle Vorgehen wühlt die Martin-Luther-King-Gesamtschule in Dorstfeld auf. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Dortmund sagt, dass dieser Fall hervorsteche, doch neu sei die gegen Lehrerinnen und Lehrer gerichtete Gewalt an den Schulen in Nordrhein-Westfalen nicht. NRW falle auch im Bundesvergleich auf: „Jede dritte Schulleitung in NRW berichtet von körperlicher Gewalt gegen Lehrkräfte – fast zehn Prozentpunkte mehr als der Bundesdurchschnitt.“

Uneinsichtige Schüler, schwierige Eltern, fehlende Unterstützung

Diese Zahlen nannte der VBE bereits im Mai 2018. Berechnet hatte sie das Meinungsforschungsinstitut Forsa. Die größten „Hindernisse“ im Schulalltag seien:

  • uneinsichtige Schüler (63 Prozent)
  • nicht kooperationswillige Eltern (59 Prozent)
  • fehlende Unterstützung des Ministeriums (33 Prozent)

Der VBE-Landesvorsitzende Stefan Behlau aus Dortmund forderte das Schulministerium damals auf, vorbeugende Arbeit zu ermöglichen und „bei Gewalt ausnahmslos klare Kante“ zu zeigen. Lehrermangel und fehlende Schulsozialarbeit verhinderten „an vielen Standorten die nötige Gewaltprävention“, sagte Stefan Behlau. Der Staat dürfe nicht nur bei Gewalt gegen Rettungskräfte und Polizisten Härte zeigen, sondern auch bei Gewalt gegen Lehrkräfte. Ihnen fehle häufig „die nötige Rückendeckung“.

Schule als Ort der Geborgenheit

Der VBE und die Landesschülervertretung hatten Pädagogen, Schüler und Eltern aufgefordert, „Schule als einen Ort des Lernens und der Geborgenheit zu gestalten. Eine weitere Forderung lautet: „Klare Haltung gegen jeder Form von Gewalt.“ VBE-Sprecher Alexander Spelsberg: „Für Gewalt darf es nie eine Toleranz geben, egal, in welcher Form sie ausgeübt wird.“

Präventionsarbeit an Schulen sei jeden Cent wert, denn sie wirke nicht nur in den Schulen selbst, sondern nachhaltig auch außerhalb.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer hatte im Oktober 2018 ein Projekt für Gewaltprävention angekündigt. Dem VBE reichte das damals nicht. 54 zusätzliche Stellen für rund 5500 Schulen seien „nicht ausreichend“. Der VBE fordert weiter einen „spürbaren Ausbau der Schulsozialarbeit“.

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Am Freitag (17. 5.) stellt das NRW-Schulministerium einen Aktionsplan gegen Gewalt und Diskriminierung an Schulen vor.
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