Gezerre um G8 und G9

Unterrichtsausfall-Check

Wie viel Unterricht fällt an Dortmunds Schulen aus? Die Ruhr Nachrichten wollen das gemeinsam mit dem Recherchezentrum Correctiv herausfinden und starten das Projekt: www.unterrichtsausfall-check.de. Wir begleiten die Aktion mit Berichten zu aktuellen Schulthemen. Diesmal geht es um das Volksbegehren zu G9.

DORTMUND

, 11.02.2017, 01:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Meinungen zu G8 und G9 gehen auch in Dortmund weit auseinander.

Die Meinungen zu G8 und G9 gehen auch in Dortmund weit auseinander.

Seit dem 2. Februar liegen die Unterschriftenlisten „G9 jetzt in NRW“ bei den Bürgerdiensten aus. Nach Auskunft der Stadt haben sich bis gestern, 11.45 Uhr, 461 Bürger dort eingetragen. 1,1 Millionen müssen es landesweit innerhalb eines Jahres werden, soll das Begehren Erfolg haben. „G9 jetzt“ will die Rückkehr zu einer Regelschulzeit mit Abitur nach 13 Jahren erreichen. Dafür musste die Initiative einen Gesetzentwurf formulieren, über den der Landtag dann entscheidet. Der Wortlaut ist im Laufe des Verfahrens nicht veränderbar.

Warnung vor Unterrichtskürzung

An diesem Entwurf scheiden sich die Geister. Sogar so sehr, dass sich bereits eine Gegeninitiative „G9 so nicht“ gebildet hat. Die Landeselternschaft der integrierten Schulen in NRW (Leis) und viele Stadtschulpflegschaften warnen vor einer „erheblichen Unterrichtskürzung von fast 5 % an Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen“. Rainer Dahlhaus von Leis zum Inhalt des Volksbegehrens: „Die Initiative will mit dieser Unterrichtskürzung die Wiedereinführung eines neunjährigen Bildungsgangs finanzieren.“ Vertreter von „G9-jetzt“ weisen das zurück: „Von einer Benachteiligung von Gesamtschulen und anderen gebundenen Ganztagsschulen kann keine Rede sein“, erklärt Marcus Hohenstein, Initiator des Volksbegehrens. Ziel sei „die Rücknahme der Änderungen in der Unterrichtszeit, die im Jahr 2005 durch G8 den Schulen aufgezwungen wurden“.

Nein, aber

Die Dortmunder Stadteltern positionieren sich gemeinsam mit den Stadtschulpflegschaften Bonn, Duisburg und Köln deutlich gegen das Volksbegehren. „Wir sind nicht gegen G9, aber: Kein Zurück zu G9 auf Kosten anderer Schulformen“, fasst Vorsitzender Werner Volmer zusammen und nimmt Bezug auf den Gesetzentwurf: „Eine Reduzierung der Wochenstunden von 188 auf 180 aller Schulformen zugunsten einer ,kostenneutralen‘ Einführung von G9 raubt Bildungschancen.“ Seine Stellvertreterin Anke Staar sagt: „Wir stehen hinter G9, wir wollen aber ein modernes G9, das die Schulrealität abbildet.“ Dazu gehören für sie flexible Stufen, die ein Überspringen von Klassen möglich machen. „So, wie es das eigentlich immer schon gegeben hat.“ Auch ein Nebeneinander von achtjährigem und neunjährigem Abitur könnten sich die Stadteltern gut vorstellen.

Schülervertreter unterstützen die Forderung nach G9, lehnen aber die vorgesehene Abschaffung des gebundenen Ganztags ab. Auch die Lehrergewerkschaft GEW hält das Volksbegehren für „nicht geeignet, eine sinnvolle Alternative zu G8 zu entwickeln“, so Vorsitzender Volker Maibaum. Es werde nicht an einer gemeinsamen Lösung gearbeitet, sondern ein Alles- oder-Nichts eingefordert. „Gleichzeitig werden bestehende Ganztagskonzepte massiv in Frage gestellt. Dies ist für eine Bildungsstadt, wie Dortmund (...) nicht zu unterstützen.“ 

Die wichtigsten Infos zum Projekt:

  • Der „Unterrichtsausfall-Check“ ist ein Projekt der Ruhr Nachrichten mit dem gemeinnützigen Recherchezentrum Correctiv. Jeder kann sich nach einer einmaligen Anmeldung an der Datensammlung beteiligen. 
  • Erfassungszeitraum ist der 1. bis 31. März. Öffentlicher Auftakt  ist am 23. Februar (Donnerstag), 19 Uhr im Lensing-Carrée Conference Center, Silberstraße 21. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht nötig. Dort wird genau erklärt, wie die Erfassung funktioniert. 
  • Wir begleiten das Projekt mit einer fortlaufenden Berichterstattung zu aktuellen Schul-Themen und Zwischenberichten zur Datensammlung. Auch der von vornherein nicht eingeplante Unterricht wird Thema. Anmeldung für den Newsletter und ab 23.2. für die Datenbank unter www.unterrichtsausfall-check.de

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