Gift-Fund in Hombruch: Das sagt ein Toxikologe zur Gesundheitsgefahr

rnBoden-Kontamination

Wie gefährlich ist die in Hombruch gefundene Substanz für Anwohner, Arbeiter und Passanten? Der Dortmunder Toxikologe Prof. Jan Hengstler gibt dazu eine Einschätzung.

Hombruch

, 24.07.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

An zwei benachbarten Baustellen in Hombruch fanden Arbeiter beim Verlegen neuer Stromleitungen unbekannte Rohre und Einbauten, die auf einen Tank hinweisen. Eine Untersuchung ergab eine Kontamination mit Naphthalin, einem Nebenprodukt aus der Koks-Produktion.

Prof. Jan Hengstler ist leitender Toxikologe am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund IfaDo.

Professor Jan Hengstler ist leitender Toxikologe am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund IfADo. © Falk Foundation e. V.

Professor Jan Hengstler, Leiter des Forschungsbereichs Toxikologie am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund IfADo, erklärt, wie bedenklich der Fund für die Gesundheit des Menschen ist.

Wie gefährlich ist Naphthalin grundsätzlich für den Menschen?

Nach Hautkontakt kann es zu Hautreizungen kommen. Naphthalin kann über die Haut aufgenommen werden und zur Schädigung der roten Blutkörperchen (hämolytische Anämie) führen. Beim Einatmen werden die Schleimhäute gereizt. Wenn man Naphthalin in größeren Konzentrationen als Staub oder Dampf abbekommt , kann es zu Schäden der Linse und der Hornhaut des Auges kommen.

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Ist Naphthalin krebserzeugend?

Naphthalin ist als Kanzerogen der Kategorie 2 („Kann vermutlich Krebs erzeugen“) eingestuft. Im Tierversuch kam es zu Tumoren der Lunge und Nase. Für Menschen liegen keine aussagekräftigen Daten vor.

Das Naphthalin wurde bei Erdarbeiten an Rohren in kristalliner Form und als Flüssigkeitsansammlung neben einem vermuteten Tank gefunden. Müssen sich die Arbeiter, die vor Ort waren, Sorgen machen? Welche Auswirkungen sind bei direktem Kontakt zu befürchten?

Die Arbeiter sollten Hautkontakt vermeiden. Weiterhin kann es vorkommen, dass Naphthalin als leicht flüchtiger polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoff (PAK) inhalativ aufgenommen. Hier muss vermieden werden, dass Grenzwerte überschritten werden.

Was ist mit Passanten und Anwohnern an der Fundstelle. Ist die Nähe zu dem kontaminierten Boden bedenklich?

Anwohner sollten es vermeiden, die Fundstelle zu betreten. In etwas Abstand zur Fundstelle besteht keine Gefahr. Im Zweifel können Messungen der Naphthalinkonzentration in der Luft durchgeführt werden. Es ist jedoch sehr unwahrscheinlich, dass die Luftkonzentrationen bei einem Abstand von mehr als 50 Metern zur Fundstelle erhöht sind.

Müssten jetzt im Umfeld besondere Maßnahmen ergriffen werden – von der fachgerechten Entsorgung des Bodenaushubs und der alten Rohre plus Tank abgesehen?

Das Gelände mit der Kontamination sollte mit angemessenem Abstand gesperrt werden. Hautkontakt und das Einatmen von Naphthalin in zu hoher Konzentration sollten vermieden werden. Wie Sie schon schreiben, sollte eine fachgerechte Sanierung durchgeführt werden.

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