Giftraupe breitet sich im Dortmunder Stadtgebiet aus

rnEichenprozessionsspinner

Noch kriecht der Eichenprozessionsspinner vor allem auf den Bäumen in den nördlichen Stadtbezirken, ist aber weiter auf dem Vormarsch. Die Stadt wappnet sich bereits für die nächste Saison.

Dortmund

, 08.09.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Knapp 1000 Meldungen von alarmierten Bürgern sind im vergangenen Frühjahr und im Laufe des Sommers per E-Mail oder Telefon bei der Stadt eingegangen. Sie informierten über den Befall von Bäumen durch den Eichenprozessionsspinner. Nicht immer war es die Giftraupe, die die Bürger glaubten, gesehen zu haben. Dennoch kam es in der zweiten Saison mit einem milden Frühling und einem warmen trockenen Sommer erneut zu einem massenhaften Auftreten der Nachtfalter-Larven.

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Die Stadt hat jetzt für 2020 Bilanz gezogen. Insgesamt ist das Grünflächenamt 947 Meldungen über die Plagegeister nachgegangen. Als Folge wurden 12.500 Raupen-Nester von rund 2424 Bäumen gesaugt – von Stadtpersonal und einer Fremdfirma. Die vorläufigen Kosten für die Bekämpfung der Raupen mit den gefährlichen Brennhaaren belaufen sich derzeit auf rund 384.000 Euro.

Keine großflächigen Sperrungen

„Die Problemlage für dieses Jahr gilt als bewältigt“, sagt der zuständige Baudezernent Arnulf Rybicki, man habe bei der Bekämpfung in diesem Jahr große Routine gewonnen. Obwohl der Eichenprozessionsspinner wiederholt in Massen aufgetreten sei, habe die Stadt in diesem Jahr großflächige Sperrungen wie etwa im Fredenbaumpark vermeiden können. Auch Kitas oder Schulen mussten in diesem Jahr wegen der Giftraupe nicht geschlossen werden; denn die Stadt konnte die Nester innerhalb von höchstens zwei Tagen entfernen.

Unter den 947 Meldungen war keine einzige mit der Nachricht, dass jemand durch den Eichenprozessionsspinner verletzt wurde. Auch die Aufgeregtheit der Bevölkerung, möglicherweise überlagert durch Corona, habe sich gelegt, bemerkte Rybicki.

Wie schon im vergangenen Jahr kroch die Raupe vor allem in den nördlichen Stadtbezirken mit hohem Wald- und Baumanteil. Doch sie breite sich Zug um Zug von Norden nach Süden im Stadtgebiet aus, erklärte Rybicki.

Fallen waren kein Erfolg

Das Absaugen der Raupen von den Bäumen sei bei der Bekämpfung das Maß aller Dinge, so der Baudezernent. Fallen hätten sich weniger bewährt: „Damit haben wir nicht wirklich viele Raupen eingesammelt.“ Den Versuch mit Klebefallen habe man sogar abgebrochen, weil sich darin auch andere Nutzinsekten verfingen. Lediglich drei bis vier der sogenannten Pheromonfallen werde man weiter als Indikator für den Saisonstart verwenden.

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Auch die Meisen haben noch nicht so recht Geschmack an dem Raupenfraß gefunden. An den Meisen-Nistkästen werde das Grünflächenamt aber weiter festhalten. Deren Wirkung lasse sich zwar wissenschaftlich nicht belegen, sagte Rybicki, sie erzeugten aber Aufmerksamkeit und sensibilisierten für das Thema, besonders in Einrichtungen für Kinder.

Weiter Verzicht auf Pestizide

Tabu bleibt selbst bei der Bekämpfung der Giftraupe der Einsatz von Pestiziden oder Bioziden. Der Baudezernent: „Wir waren von Anfang an überzeugt, dass wir nicht die vielen anderen Insekten schädigen wollen.“

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Wie stark der Eichenprozessionsspinner im nächsten Jahr auftritt, hängt nicht zuletzt vom Wetter im Frühjahr ab. Zur Bekämpfung will die Stadt nach Analyse der Erfahrungswerte aus den letzten beiden Saisons neben dem eigenen Personal vermehrt externe Dienstleister beauftragen.

Für nächstes Jahr prüft das Grünflächenamt weiter den Einsatz neuer Technologien, um die Beseitigung des Eichenprozessionsspinners weiter zu verbessern.

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