Giraffen abschießen für 2200 Euro: Wie Anbieter ihre umstrittenen Jagd-Reisen verteidigen

rnMesse „Jagd & Hund“

Auch dieses Jahr werden auf der Jagd & Hund wieder Jagdreisen angeboten – und auch dieses Jahr wird das von Tierschützern scharf kritisiert. Was sagen die Anbieter? Wir haben zwei gesprochen.

von Anna Maria Stock

Dortmund

, 29.01.2020, 17:53 Uhr / Lesedauer: 3 min

7900 Euro für vier Tage Braunbärjagd in Rumänien. Oder 2200 Euro für eine afrikanische Giraffen-Trophäe in Namibia. In Halle 7 der „Jagd & Hund“ reiht sich Stand an Stand, an dem Jagdreisen in alle Teile der Welt angeboten werden. Besonders beliebt sind afrikanische Länder.

Tierschutzorganisationen wie zum Beispiel Peta kritisieren das Angebot solcher Reisen scharf. Erst kürzlich haben zwölf solcher Organisationen einen offenen Brief an die Stadt Dortmund geschrieben, in denen sie das Verbot der Stände fordern, die für Jagdreisen werben.

Die Anbieter der Jagdreisen auf der Messe mit dieser Kritik zu konfrontieren, ist nicht so einfach, da viele aus Angst vor Bedrohungen anonym bleiben wollen. Felix Marnewecke und Hagen Denker sind hingegen bereit, offen zu sprechen. Die beiden Namibier bieten auf ihren Farmen Jagdreisen an. Hagen Denker wirbt auf seiner Webseite etwa mit Jagden auf Oryx-Antilopen oder Bergzebras. Was sagen er und Felix Marnewecke zu der Kritik von Peta?

Der Vorwurf: „Auf Jagdreisen werden bedrohte Tierarten wie Löwen und Elefanten getötet“, sagt Nadja Michler von Peta.

Das sagen die Reiseanbieter: „Die Jagd erhält Arten, sie ist eine nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen“, sagt Hagen Denker, der mit seinem Vater eine 21000 Hektar große Wildfarm in Namibia betreibt. Gemeinsam mit umliegenden Farmen hat er ein privates Naturschutzgebiet ausgerufen, auf dem sich die Wildtiere frei bewegen können und sie vor Wilderei geschützt sind.

In Namibia würden nur ausgewählte Tiere zum Abschuss freigegeben. Etwa alte Tiere, die sich bereits fortgepflanzt haben. Um das zu kontrollieren, seien die Jagden immer geführt. Außerdem gehe es nicht nur um die Trophäe, sondern das ganze Tier wird verwendet, das Fleisch verkauft.

Giraffen abschießen für 2200 Euro: Wie Anbieter ihre umstrittenen Jagd-Reisen verteidigen

Die Trophäe einer Oryx-Antilope, wie es sie in Namibia gibt. © Anna Maria Stock

Der Peta-Vorwurf: Nicht die Wilderei, sondern die Jagd sorge für Artensterben. Dabei bezieht sich die Tierschutzorganisation auf eine Studie über Löwenjagd in Tansania aus dem Jahr 2011.

Die Jagdreiseanbieter kontern: In Tansania sei vor einigen Jahren der Fehler gemacht worden, dass dort zu viele Löwen geschossen wurden, so Felix Marnewecke. Das habe man korrigiert, heute gebe es dort wieder genügend Löwen, die sich – ähnlich wie Hauskatzen – schnell vermehren würden.

Zudem seien viele Tierarten nicht überall bedroht, sondern oft nur punktuell. Während eine Giraffenart in Kenia oder Tschad bedroht sei, gebe es etwa in Namibia zu viele. „Das Problem ist, dass wir uns auf einzelne Tiere konzentrieren. Dabei geht es eigentlich um den Lebensraum“, sagt Denker.

Noch ein Peta-Vorwurf: „Artenschutz ist Augenwischerei. Wenn man Tiere schützen will, könnte man die Gelder auch direkt in Nationalparks investieren“, so Michler.

Dazu sagen die Jagdreiseanbieter: Viele Nationalparks seien nicht gut besucht, finanziert werden müssten sie trotzdem, so Felix Marnewecke. Spenden direkt an die Parks gebe es nicht viele. Indem man für die Jagd auf ein Tier Geld verlange, gebe man dem Lebensraum der Tiere einen Wert. Das Geld der Jagdreisen komme den Farmen und Naturschutzgebieten zugute.

In Namibia dürften beispielsweise fünf Spitzmaulnashörner pro Jahr geschossen werden. Trotzdem werde nur alle zwei bis drei Jahre eines zum Abschuss freigegeben. Und das letzte sei für 450.000 US-Dollar verkauft worden. „Das Geld geht komplett in einen Fonds zum Schutz der Nashörner“, sagt Denker.

Ein weiterer Peta-Vorwurf lautet: Nur drei Prozent der Einnahmen durch Jagdreisen komme bei den Einheimischen an, besage eine Studie aus dem Jahr 2013.

Die Jagdreiseanbieter dazu: Marnewecke sagt, dass das schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht funktionieren würde: „Dafür würde das niemand machen“. Weiter sagt er: „Das ganze Land lebt von der Jagd.“ Auf seiner Farm versorgten die 13 Angestellten 97 Leute mit, die meisten davon Familienmitglieder.

Peta fordert, die Trophäenjagd und Jagdreisen zu verbieten.

Die Jagdreiseanbieter äußern sich dazu wie folgt: „Wenn man diese Jagd verbietet, dann braucht es eine Alternative“, sagt Felix Marnewecke. Denn die Einheimischen müssten von dem Land leben, fügt Denker hinzu. Die Trophäenjagd sei eine lukrative Einnahmequelle und die Einnahmen machten es möglich, die Naturschutzgebiete und somit die Kontrolle über die Bestände zu finanzieren. Marnewecke lädt Tierschützer ausdrücklich ein, sich die Situation vor Ort einmal anzuschauen. „Im Grunde wollen wir alle das gleiche: die Natur und die Tiere schützen.“

Peta behauptet: Jäger handeln nur aus Spaß am Töten.

Die Jagdreiseanbieter nehmen dazu wie folgt Stellung: Felix Marnewecke sagt: „Ich selber mag das nicht, wenn ein Elefant umfällt. Mir tut das weh.“ Das Schießen sei nur ein sehr kleiner Teil der Jagd. Hagen Denker sagt: „Ich bin Jäger, weil ich dadurch an der Natur teilnehme.“ Für ihn ist die Natur ein Kreislauf aus Leben und Tod. Und dazu gehöre eben auch das Erlegen von Tieren.

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