Die Corona-Infektionsfälle in Dortmund nehmen zu und die Grippe-Saison ist im Anmarsch. © picture alliance/dpa (Symbolbild)
Fragen und Antworten

Grippe-Impfung und Corona-Booster: Alles, was Sie wissen müssen

Der Winter naht und die Grippe-Saison ist im Anflug. Gleichzeitig nehmen die Corona-Infektionen zu - Impfungen sind ein großes Thema. Ein Dortmunder Arzt gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Draußen wird es kälter, so langsam nähert sich der Winter. Mit der kalten Jahreszeit kommt auch die Grippe-Saison zurück. Deshalb häufen sich die Nachfragen nach einer entsprechenden Impfung.

Dazu kommen die Corona-Impfungen, mittlerweile auch als auffrischende Booster für bereits vollständig Geimpfte. Wir haben die wichtigsten Fragen mit einem Arzt geklärt.

Wer sollte sich gegen die Grippe impfen lassen?

Dr. Prosper Rodewyk, Hausarzt aus Hörde und Bezirkssprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), empfiehlt die Impfung gegen das Influenzavirus zunächst pauschal für alle Menschen über 60 Jahren.

Zudem empfiehlt Rodewyk die Grippe-Impfung für Menschen mit einem schwachen Immunsystem oder Vorerkrankungen wie zum Beispiel Asthma, COPD oder Diabetes. „Wer hohen Kontakt mit vielen Menschen hat, sollte sich auch impfen lassen, egal ob man 21 und gesund ist“, so der Hausarzt. Also Busfahrer, Kassierer, Lehrer oder medizinisches Personal.

Aber auch Dortmunderinnen und Dortmunder, die viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, sollten über eine Impfung nachdenken, da dort das Infektionsrisiko groß sei, so Rodewyk.

Komme ich überhaupt noch an eine Grippe-Impfung ran?

In der vergangenen Grippe-Saison gab es einen großen Ansturm auf das Influenzavakzin. Nachschub kam erst spät.

Das soll in diesem Jahr anders sein: „Ich habe noch nicht gehört, dass es irgendwo Schwierigkeiten gibt, was den Impfstoff betrifft“, sagt KVWL-Sprecher Dr. Rodewyk. Die Arztpraxen hätten bereits im April das Vakzin bestellt, im Bezirk Westfalen-Lippe sei auch alles geliefert worden. Im Bezirk Nordrhein sei das anders, da dort auch mehr in Apotheken geimpft wird.

Bei den Apotheken-Impfungen handelt es sich um ein Modellprojekt. Auch in Dortmund machen aktuell 16 Apotheken mit. Gegen Grippe impfen lassen können sich allerdings nur Versicherte der AOK. Eine Übersicht vom Apothekerverband gibt es unter https://bit.ly/3biiTcu.

Welchen Grippe-Schutz bekomme ich?

Laut Dr. Prosper Rodewyk gibt es in dieser Grippe-Saison einen neuen, stärkeren Impfstoff – „Efluelda“ heißt der. Der ist speziell für Menschen ab 60 Jahren gedacht, weil der Schutz besser sein, und länger andauern soll. Diese verbesserte Version sei auch von vielen Ärzten in Dortmund bestellt worden.

Rodewyk merkt aber auch an, dass Efluelda auf Hühnereiweiß basiere. Dagegen seien nicht wenige Menschen allergisch.

Alle anderen, gerade jüngere Menschen, bekommen die übliche Grippeschutzimpfung. Sollte jemand Bedenken wegen des neuen Efluelda-Impfstoffes haben, könne natürlich die „alte“ Variante auch an Menschen über 60 geimpft werden.

Wann brauche ich einen Corona-Booster?

Dortmunderinnen und Dortmunder über 70 Jahren sollten sich um eine Auffrischung ihrer Corona-Schutzimpfung kümmern, so Dr. Prosper Rodewyk. Das empfiehlt auch die Stiko (Ständige Impfkommission), bei einer mRNA-Impfung frühestens nach sechs Monaten.

Unter 70-Jährige können auch einen Corona-Booster bekommen, „das kommt auf den Einzelfall an“, erklärt Rodewyk. Das wäre zum Beispiel medizinisches Personal oder Menschen mit Vorerkrankungen.

Astrazeneca bleibt stehen, Comirnaty von Biontech wird immer gerne genommen – das hat Folgen für die Arztpraxen.
Astrazeneca bleibt stehen, Comirnaty von Biontech wird immer gerne genommen – das hat Folgen für die Arztpraxen, prophezeit Dr. Prosper Rodewyk, Hausarzt und Bezirkssprecher der KVWL © Björn Althoff © Björn Althoff

Ein Sonderfall sind laut dem Mediziner alle Dortmunderinnen und Dortmunder, die einen Vektor-Impfstoff bekommen haben: „Bei Johnson & Johnson sollte schon eine Booster-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff nach vier Wochen erfolgen“. Bei einer doppelten AstraZeneca-Impfung sechs Monate nach der zweiten Dosis.

Für diejenigen, die nach einer ersten AstraZeneca-Impfung einen mRNA-Impfstoff verabreicht bekommen haben, sei eine Booster-Impfung nicht ganz so akut – „die sind gut versorgt“, versichert Rodewyk.

Grippe-Schutz und Corona-Booster – geht das auch zusammen?

Die Stiko empfiehlt eine parallele Corona- und Grippe-Impfung. Für den Schutz gegen Influenza solle aber ein Totimpfstoff (mit abgetötet Krankheitserregern) verabreicht werden. Das ist bei den in Deutschland zugelassenen Impfstoffen der Fall.

Dr. Prosper Rodewyk: „Ich tue mich schwer damit. Ich mache es nicht.“ Der Mediziner will aus mehreren Gründen nicht parallel impfen. Einer der Gründe ist der neue Efluelda-Impfstoff: „Wir haben noch keine Erfahrungen gemacht, wie der wirkt und welche Nebenwirkungen es gibt.“

Nebenwirkungen seien generell ein Problem für Rodewyk. Schüttelfrost und Fieber können nach einer Corona-Impfung auftreten, genauso wie bei einer Grippeschutzimpfung. „Das potenziert sich dann“, befürchtet der Hausarzt.

„Wenn aber auf eigenen Wunsch darauf bestanden wird, beides zusammen zu impfen, mache ich das natürlich“ – er empfiehlt den Patientinnen und Patienten seiner Hörder Praxis jedoch zwischen den Impfungen zu warten.

Ich bin noch nicht gegen Corona geimpft – ist das schlimm?

„Ich finde es immer noch faszinierend, dass es sehr viele gibt, die sich nicht haben impfen lassen“, sagt Rodewyk. Seinem Eindruck nach gebe es noch viele Menschen, die sich Sorgen über die Langzeitfolgen der Corona-Schutzimpfung machen, „was in fünf Jahren ist“. Sein Argument: „In fünf Jahren könnten die aber schon längt wegen Corona gestorben sein.“

Die Sorgen seien unbegründet. Es gebe ja schon Kinder, die von geimpften Müttern geboren wurden – und die seien gesund. Er müsse in seiner Praxis noch viel wegen der Impfung aufklären.

Dr. Rodewyk bietet weiter Impfungen an, denn „jetzt ist die Winterzeit“. Er warnt: „Wer jetzt noch nicht geimpft ist, wird ein Riesenproblem kriegen.“

Über den Autor
Reporter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
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Robin Albers