Grippe sorgte in Dortmund schon für 100 Mal mehr Krankheitsfälle als Coronavirus

rnInfektionskrankheit

Alle reden vom Coronavirus – doch die Grippewelle der aktuellen Saison hat in Dortmund für hunderte Infektionen gesorgt. Dabei trifft es nicht nur ältere, geschwächte Menschen.

Dortmund

, 08.03.2020, 05:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Während es auch in Dortmund die ersten vier nachgewiesenen Fälle von Coronavirus-Erkrankungen gibt (Stand: 7.3., 17.30 Uhr), entspannt sich zumindest die Lage an einer anderen Viren-Front.

Bei der aktuellen Grippewelle, die in Deutschland in der zweiten Kalenderwoche 2020 begonnen hat, scheint der Höhepunkt laut Robert-Koch-Institut (RKI) überstanden zu sein, auch wenn die Zahlen in der vergangenen Woche bundesweit wieder leicht gestiegen sind und Atemwegserkrankungen gegenüber der Vorwoche wieder zugenommen haben.

415 Grippefälle bisher in Dortmund

In Dortmund sind seit dem offiziellen Beginn der alljährlichen Grippesaison Anfang Oktober 415 Menschen an echter Grippe – nicht zu verwechseln mit einem grippalen Infekt – erkrankt, teilt das Gesundheitsamt auf Nachfrage mit. In der zurückliegenden Saison (2018/2019) waren es im selben Zeitraum 522 Infektionen. Das sind allerdings nur die gemeldeten Fälle, die tatsächliche Zahl könnte höher sein.

Dem gegenüber sind die Dortmunder Coronavirus-Fälle verschwindend wenig. Dortmunder Zahlen über mögliche Todesfälle durch Grippe gibt es nicht bei der Stadt.

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In Deutschland sind in der Saison 2019/2020 nachweislich mehr als 200 Menschen gestorben. Die große Mehrheit (87 Prozent) der gestorbenen Patienten war in der Altersgruppe ab 60 Jahren. Das geht aus den jüngsten Daten der Arbeitsgemeinschaft Influenza am RKI hervor.

Seit Oktober wurden demnach insgesamt fast 120.000 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle an das RKI übermittelt. Rund ein Sechstel (17 Prozent) dieser Erkrankungen verlief so schwer, dass Patienten ins Krankenhaus kamen.

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Im Dortmunder Klinikum wurden nach Angaben einer Kliniksprecherin seit Oktober 200 Grippe-Erkrankungen behandelt. Im Knappschaftskrankenhaus in Brackel werden ein bis zwei Grippepatienten pro Woche stationär aufgenommen, teils mit Influenza A, teils mit Influenza B, sagt Dr. Thomas Barchfeld, Leitender Arzt der Klinik für Pneumologie.

Es handle sich um einen normalen Grippewinter, so Barchfeld, die Erkrankungswelle habe etwas später als sonst eingesetzt. Am schwersten betroffen seien ältere Patienten, aber es gebe auch immer mal wieder Jüngere, die sich mit dem Virus infiziert haben.

Ältere Patienten sind öfter geimpft

Das bestätigt auch der Dortmunder Ärztesprecher und Internist Dr. Prosper Rodewyk. Er hat in der vorletzten Woche drei Fälle behandelt, „durch die Bank junge Leute zwischen 17 und 30 Jahren“. Dass in seiner Hörder Praxis zuletzt so wenig ältere Menschen unter den Grippe-Patienten waren, führt Rodewyk darauf zurück, dass Ältere sich öfter impfen lassen. In Deutschland lässt sich unterm Strich nur gut jeder Dritte impfen.

Typische Grippe-Symptome sind Fieber, Husten, Halsschmerzen, Schnupfen sowie Glieder- und Kopfschmerzen. Die Patienten bräuchten in der Regel zehn bis 14 Tage, um die Grippe auszukurieren, erläutert Rodewyk. In diesem Jahr habe er in seiner Praxis nur harmlosere Verläufe gehabt, „keine schweren Fälle mit Herzmuskelentzündung oder Lungenentzündung.“

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Noch ist die Grippewelle nicht vorbei. Die sogenannte Influenza-Positivenrate in Deutschland lag in der neunten Kalenderwoche bei 38 Prozent (Vorwoche: 41 Prozent). Die Positivenrate ist ein Maß für die Wahrscheinlichkeit, dass ein Patient mit grippeähnlichen Beschwerden tatsächlich mit Influenza infiziert ist. Nach Schätzungen des RKI werden im Verlauf von Grippewellen bis zu 20 Prozent der Bevölkerung angesteckt.

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