Große Betroffenheit auch bei den Dortmunder Besuchern

Loveparade-Katastrophe

DORTMUND Bei der Loveparade in Duisburg waren auch viele Dortmunder mit dabei. Welche Katastrophe sich dort abgespielt hat, ist vielen erst im Rückblick bewusst geworden. Manche waren auch mitten im Grauen.

von Von Bettina Kiwitt

, 25.07.2010, 17:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich war genau mittendrin“, berichtet unser Kolumnist Didi Stahlschmidt. Der 33-Jährige wollte früher gehen, um nicht mit hunderttausenden von Menschen gleichzeitig zum Ausgang zu strömen. Er erlebte gegen 17 Uhr, wie an der Rampe zum Tunnel Menschen aus der Masse hochgezogen wurden. „Ich dachte, das wären Betrunkene.“ Den Ernst der Lage habe er da noch nicht erkannt und offenbar viele andere auch nicht. „Wenn mehr Leute realisiert hätten, was da abgeht, wäre noch mehr passiert“, ist er überzeugt. Gabi Banfield war am Sonntag noch völlig schockiert. Die Dortmunderin hatte mit ihrer Ruhrstadt-Agentur Com4 den Ruhrstadt-Compilation-Float organisiert. Der Wagen stand außerhalb des eigentlichen Veranstaltungsgeländes und fuhr nicht in der Parade mit. „Es hat mich schon im Vorfeld schwer gewundert, dass diese Masse von Menschen durch einen Tunnel geführt werden sollte.“ Sie habe deswegen auch beim Duisburger Ordnungsamt nachgefragt. Dort sei ihr gesagt worden, die Einsatzkräfte würden das schon steuern.

Die Nachrichten über die Tragödie seien nur langsam und spät durchgesickert. „Die Polizei hat uns gebeten weiterzuspielen. Das haben wir auch getan und das war das Sinnvollste. Wir waren so eine Art Sicherheitspuffer.“ Hätten die Discjockeys abrupt aufgehört, wäre die nächste Panik programmiert gewesen, ist die 43-Jährige überzeugt. Sie fragt sich, warum sich die Duisburger Verantwortlichen nicht an den Dortmunder Konzepten orientiert haben.

„Wir waren gerade durch den Tunnel hindurch, als die Katastrophe passiert sein muss“, erinnert sich auch Wolfgang Strausdat, der in Dortmund das Festival Juicy Beats mitorganisiert. Im Tunnel sei es durch den Schall total laut gewesen, „das war kaum auszuhalten“. Eigentlich wollte er schon genervt von den Menschenmassen umkehren, aber seine Freundin hielt ihn davon ab. „Zum Glück“, sagt er im Rückblick. Denn auch ihm wurde erst viel später bewusst, welches Drama rund um ihn herum tobte.

Damals in Dortmund sei alles viel besser organisiert gewesen, „alle konnten ausweichen, das war total klasse!“ Ganz anders in Duisburg. „Auf den Wegen waren riesige Schottersteine. Da konnte man schon leicht stolpern. Durch die Zäune kam man sich vor wie bei einem Viehtrieb.“

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