Großmarkthändler aus Dortmund: Coronavirus lässt Preise für Obst und Gemüse steigen

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Engpässe bei der Lebensmittelversorgung gibt es durch die Corona-Krise bisher nicht. Doch die Preise für Obst und Gemüse steigen an, wie ein Dortmunder Großmarkthändler bestätigt.

Dortmund

, 23.03.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehrfach betonte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in der vergangenen Woche, dass es nach gegenwärtigem Stand in Zukunft zu keinen Versorgungsengpässen bei Lebensmitteln kommen wird. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte in ihrer Rede am Mittwoch abermals, dass Hamsterkäufe in Zeiten der Corona-Krise unnötig seien.

Die Maßnahmen, die Deutschland und seine europäischen Nachbarn bisher allerdings im Kampf gegen die Ausbreitung des Erregers SARS-CoV-2 ergriffen haben, sorgen dafür, dass die Preise für frische Lebensmittel in den vergangenen Tagen merklich angestiegen sind.

Gökhan Aksoy von der Marlene Maya GmbH am Dortmunder Großmarkt, bestätigt den Preisanstieg bei Frischwaren und weiß um die Sorgen seiner Spediteure in der gegenwärtigen Situation.

Speditionen brauchen Fahrer

"Es lässt sich exemplarisch an italienischen Tomaten festmachen, wie schnell die Preise steigen. In der vergangenen Woche konnte ich das Kilo noch für 8,50 Euro anbieten, jetzt muss ich aufgrund gestiegener Kosten 11,50 Euro verlangen", sagt Aksoy.

Der drastische Preisanstieg habe nichts damit zu tun, dass das Gemüse weniger verfügbar sei. "Der Grund ist der, dass die Spediteure momentan einfach keine LKW-Fahrer finden, die die besonderen Strapazen der Touren auf sich nehmen wollen".

Denn die langen Staus vor den Ländergrenzen verlangten den Fahrern eine Menge ab. "Nachdem die einen Rückstau von 30 bis 40 Kilometern hinter sich gebracht haben, müssen sie sich an jedem Grenzübergang einem Corona-Schnelltest unterziehen und bis zu acht Stunden auf die Ergebnisse warten. So lange sind sie unter Quarantäne gestellt", erklärt Aksoy.

Besondere Strapazen

Dasselbe wie für die Ausreise gelte auch dann wieder für die Fahrer bei der Rückreise. Bei Touren, die zum Beispiel von Serbien aus starteten, wäre das Maß an Zeitverlusten und Stress für die Fahrer noch weitaus höher.

"Das alles schlägt sich letztlich in der Preisgestaltung nieder, die dann der Endverbraucher zu tragen hat", sagt der Großmarkthändler.

Das Coronavirus könnte laut Aksoy aber außerdem noch zum Problem für inländisch angebaute Lebensmittelernten werden. "Das gilt für alles, was in der Erde wächst. Mit den Ernten wird es ein Problem geben, wenn die Saisonarbeiter wegen Corona ausbleiben", warnt der Lebensmittelspezialist.

Spargelernte bedroht

Besonders bedroht sei zum Beispiel die Spargelernte, denn ohne genügend Hilfskräfte aus Osteuropa, käme man nicht aus. "Die Konsequenz wäre dann, dass ein Großteil der Ernten im Boden vergammelt.“

In den vergangenen Tagen hat man bei der Marlene Maya GmbH überdies ganz neue Möglichkeiten ausgelotet, mit dem Angebot die Nachfrage zu stillen, wie Aksoy beschreibt.

Neben frischem Obst und Gemüse und Feinkostwaren hat der Großhändler erstmals Toilettenpapier angeboten. "Das ist völlig verrückt, denn bisher haben wir sowas nie eingekauft. Aber als wir ein Angebot eines Spediteurs bekamen, haben wir zugeschlagen".

Wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln hätte sich das Toilettenpapier verkauft. So gut, dass man eine weitere große Menge geordert hätte.

Aber darauf warte man aktuell noch. Die Fuhre habe Verspätung aufgrund der Grenzproblematik in Zeiten, in denen das Coronavirus den Arbeitsalltag der Fahrer bestimme.

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