Grünes Licht für grünes Bürohaus an der B1

Gegenüber den Westfalenhallen

Grün über grün: Holländische Architekten und Investoren hatten sich mit ihrem Entwurf für ein zukunftsorientiertes Bürohaus an der B 1 ursprünglich um den Zuschlag für die Sparkassen-Akademie beworben. Daraus wurde nichts. Doch der Entwurf wird trotzdem umgesetzt - obwohl er in acht Punkten gegen die Bauordnung verstößt.

DORTMUND

, 20.07.2016, 14:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Bezirksvertretung Innenstadt-West hat am Mittwoch in einer Sondersitzung grünes Licht gegeben. Der Bürobau mit Tiefgarage, Tagesgastronomie und Einzelhandel soll direkt gegenüber der Westfalenhalle entstehen, zwischen der alten Sozialakademie und dem Officepark-Rheinlanddamm-Bürohaus.

Der Entwurf für die rund 30-Millionen-Euro-Investition verstößt zwar  gegen den geltenden Bebauungsplan von 2001, und das gleich in acht Punkten, aber er überzeugte unter anderem mit seinem ökologischen Konzept die Stadtverwaltung, den Gestaltungsbeirat und schließlich die Politik vor Ort. Die Bezirksvertretung hat bei Abweichungen vom Bebauungsplan das letzte Wort.

Baustart im nächsten Jahr 

Weil in der letzten regulären Sitzung des Gremiums vor den Sommerferien die Verwaltung die notwendigen Unterlagen nicht fristgerecht vorlegen konnte und um das Projekt wegen zeitlicher Verzögerungen nicht zu gefährden, war die Sondersitzung notwendig. Es ging um den Vorbescheid. Im nächsten Jahr soll es mit dem Bau losgehen, so Silke Betten, Projekt-Managerin bei der Delta-Projektentwicklung und Management GmbH als Bauherrin.

Unter anderem überschreitet der Entwurf Baugrenzen, hält in Teilen die Zahl der zulässigen Geschosse und die Geschossfläche sowie Baulinien nicht ein. Auch die Fläche für die Gemeinschaftstiefgarage ist größer als laut Bebauungsplan erlaubt. Allerdings sind diese Abweichungen in den Augen der Stadtplaner aus städtebaulicher und planungsrechtlicher Sicht vertretbar, zumal unter anderem die Vorzüge des nachhaltig geplanten Gebäudes dieses Manko wieder wettmachen.

Mit Windenergie und Geothermie

Das bis zu sechsgeschossige Haus mit Staffel-Geschossen an der Nordseite, mit vertikaler Begrünung an der Fassade und einem teilweise mit Glas überdachten Atrium, nutzt Windenergie und Geothermie sowie Regenwasser-Rückhaltung, bekommt neben begrünten Wänden auch begrünte Flachdächer.

Das Gebäude soll nach dem Leitgedanken der Ganzheitlichkeit so gebaut werden, dass die Bauteile wieder zerlegbar sind und die Baustoffe weiter verwertet werden können. Die Arbeitsplätze in dem Gebäude sollen sehr flexibel nutzbar sein. 

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Der Entwurf gründet sich auf den Ansatz der Cradle-to-Cradle-Denkweise (Von der Wiege zur Wiege), die von dem amerikanischen Architekten William McDonough zusammen mit dem deutschen Chemiker Michael Braungart entwickelt und im Jahr 2002 erstmals formuliert wurde.

Bedenken wegen Lärmschutz

Mitglieder der  Bezirksvertretung hatten zunächst Bedenken beim Lärmschutz, da - wie schon zuvor bei einem anderen Gebäude in der Reihe entlang der B 1 - ein Verbindungsriegel zum Nebengebäude aus optischen Gründen wegfallen wird. Ein Lärmschutz-Gutachter machte noch einmal deutlich, dass die Werte auch ohne Riegel  unter den erlaubten Werten für ein Mischgebiet lägen und mit dem Gebäude der Lärmschutz für die dahinter liegende Wohnbebauung besser sei als ohne. Für Sichtschutz soll der vorhandene Baumbestand sorgen sowie ein geplanter Erdwall.

System wässert und grünt Fassade vollautomatisch

In der Bezirksvertretung grassierte auch die Sorge, dass das Grün, das sozusagen aus den Wänden herauswächst, welk werden könnte. Silke Betten konnte da beruhigen. Ein vollautomatisiertes System wird das Grün wässern und düngen. "Der Hausmeister muss keinen grünen Daumen haben." Man habe bereits seit zehn Jahren gute Erfahrungen mit ähnlichen Gebäuden in den Niederlanden.

Ankermieter gebe es noch keine für das Bürogebäude, erklärte die Projekt-Managerin auf die Frage von Astrid Cramer (Grüne), doch man sei in Verhandlungen. Wegen des nachhaltigen Konzepts gehe sie aber von einer großen Nachfrage aus. 

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