Dortmunder Grundschule informiert erst spät über Coronatest – ist das richtig?

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Eine Lehrerin einer Dortmunder Grundschule wird auf Corona getestet und ist in Quarantäne. Die Eltern erfahren erst Tage später davon. Ist das richtig? Eine Familie findet: Nein.

Benninghofen

, 03.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Tanja Hanke ist sauer: Ihr achtjähriger Sohn besucht die dritte Klasse. Seine Klassenlehrerin wird aktuell auf Covid 19 getestet. Doch die Eltern erfahren das erst Tage später - von ihren eigenen Kindern.

Sie fragen sich, warum sie keine Info bekommen haben. „Der Schulleiter hat meinem Mann am Telefon gesagt, er sei zu dieser Information nicht verpflichtet“, sagt die 39-Jährige, die ihren richtigen Namen nicht nennen möchte. Sie fürchtet, ihr Sohn könne geärgert werden. „Wir wollen aber erfahren, ob eine Lehrerin auf Corona getestet wird.“

Risiko für die Omas ist „zu hoch“

Zumal im Haushalt der Hankes Risikopatientinnen leben, um die sich die Familie kümmert. Beide Omas sind weit über achtzig Jahre alt. „Vor einigen Tagen haben wir mit den Omas im Auto gesessen, ohne Maske. Hätten wir das mit dem Verdacht gewusst, hätten wir das natürlich nicht gemacht“, sagt die Mutter.

Nach dem Telefonat, Tage nach dem Bekanntwerden der Quarantäne, habe der Schulleiter eine Infomail an die Eltern geschickt. Das ist zu spät, findet die Mutter.

Schulleiter bestätigt den Test

Christoph Dieker, Schulleiter der Beninghofer Grundschule, bestätigt auf Anfrage unserer Redaktion, dass eine Kollegin aktuell auf Corona getestet werde. Eine ihrer Kontaktpersonen sei an Covid 19 erkrankt. Er erzählt auch, dass er bewusst nicht sofort allen Eltern Bescheid gesagt habe.

„Wir haben die Pflicht, Eltern zu informieren, sobald jemand - Schüler oder Lehrer - positiv getestet wurde.“ Aber wenn ein Test laufe und das Ergebnis noch gar nicht feststehe, sei die Information Abwägungssache. Schließlich würden in allen Schulen öfter Kinder, Lehrer oder Eltern getestet.

„Keine unnötige Unruhe erzeugen“

„Wir wollen keine unnötige Unruhe erzeugen“, sagt der Schulleiter. Der laufende Test der Kollegin sei „eine reine Vorsichtsmaßnahme“. Eine Rundmail an alle Eltern könne da eher Verwirrung stiften. „Und auch aus Datenschutzgründen ist das bei einem Verdacht schwierig.“

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Das sieht Familie Hanke anders. „Ich finde, dass Eltern das Recht auf Information haben sollten, auch wenn es nur einen Verdacht auf eine Infektion gibt“, sagt die Mutter. „Das Risiko ist ja auf jeden Fall da.“

Ist eine Befreiung möglich?

Eigentlich hatte die Familie auch gehofft, ihren Sohn für einige Zeit von zu Hause aus unterrichten zu können. Nach den Sommerferien hatte das mit einem Attest zwei Wochen lang gut funktioniert - Anlass für die Befreiung war die hohe Zahl an infizierten Reiserückkehrern. „Unser Sohn ist ein guter Schüler, und seine Lehrerin hatte ein Lernpaket für ihn zusammengestellt“, erzählt Tanja Hanke.

Auch zum Ende der Herbstferien hatte sie beim Schulministerium angerufen. „Der Mitarbeiter sagte jedoch, eine Befreiung sei nicht möglich. Dann hat er das Gespräch beendet“, erzählt die Dortmunderin empört.

Schulministerium: Ausnahmefälle sind möglich“

Auf der Homepage des Schulministeriums NRW gibt es aber ein Faktenblatt, auf dem erklärt ist, wie man zu Hause lebende Risikopatienten schützen kann. Die Nichtteilnahme am Präsenzunterricht, steht dort, könne „nur in eng begrenzten Ausnahmefällen und nur vorübergehend“ in Betracht kommen. Ein ärztliches Attest der Angehörigen sei Voraussetzung.

Eine Entbindung vom Präsenzunterricht käme in Betracht, wenn sich die oder der Angehörige „aufgrund des individuellen Verlaufs ihrer oder seiner Vorerkrankung vorübergehend in einem Zustand erhöhter Vulnerabilität [Verletzlichkeit, Anmerkung d. R.] befindet.“

„Ich kann die Besorgnis nachvollziehen.“

Schulleiter Christoph Dieker weiß, dass es mit dem Hoomeschooling des Achtjährigen beim letzten Mal gut geklappt habe. Er könne die Besorgnis der Familie nachvollziehen. „Wir entscheiden immer von Fall zu Fall. Wichtig ist, dass die Eltern gut mitarbeiten.“ Er sei gerne bereit, mit der Familie über eine vorübergehende Befreiung zu sprechen.

Eine gute Nachricht für Familie Hanke. „Wir werden uns mit Herrn Dieker in Verbindung setzen“, sagt die Mutter. Vielleicht kann der Drittklässler dann vorübergehend zu Hause bleiben - um seine Oma und seine Uroma vor einer Infektion zu schützen.

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