"Gut, dass sie den Kerl erwischt haben"

Sexualstraftäter gefasst

Die Jagd auf den flüchtigen Sexualstraftäter Klaus-Gerd B. ist beendet. Am Donnerstagmorgen wurde der Verbrecher auf einer Parkbank in Lünen am Rathaus festgenommen. Lesen Sie hier eine Chronologie der Ereignisse.

DORTMUND/LÜNEN

von Von Peter Bandermann, Torsten Storks, Peter Fiedle

, 17.10.2013, 15:25 Uhr / Lesedauer: 3 min

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Seit dem Vormittag befindet sich der mutmaßliche Täter in Gewahrsam im Dortmunder Polizeipräsidium. Von hier aus wird er in Untersuchungshaft kommen. 2008 hatte B. eine Bekannte vergewaltigt, 2009 war er dafür verurteilt worden. Die Strafe saß er dann, das ist ungewöhnlich, bis zum 20. September komplett ab. 

Auch in Kirchderne im Dortmunder Norden bewegt das Thema wie kaum ein anderes die Menschen. Das Stimmungsbild ist hier, in der Nähe des Vergewaltigungsortes, ziemlich eindeutig: "Wegsperren", "mehr Polizeipräsenz" lauten die Forderungen. Auch werden Zweifel an den Gutachtern geäußert. "Die Psychologen, die so etwas verantworten, sind doch selber ein Fall für die Psychologen". Zitieren lassen möchten sich die Passanten mit solchen Aussagen allerdings nicht.

Die Festnahme des gesuchten Sexualstraftäters ist in Lünen Stadtgespräch.  Auch im Rathaus. „Hauptsache, sie haben ihn“, sagte Claudia Schneider, die im Bürgerbüro arbeitet. Aus ihrem Büro im Erdgeschoss des Rathauses kann sie auf die kleine Grünanlage blicken, in der der Gesuchte auf einer Bank saß, als er von der Polizei festgenommen wurde. Claudia Schneider bekam davon aber nichts mit. „Ich sah nur, dass am Rathaus ein Streifenwagen stand. Andere Kollegen haben beobachtet, wie ein anderer Streifenwagen mit Blaulicht über den Marktplatz fuhr.“ 

Bei der Polizei gehen immer noch sehr viele Hinweise ein. Das Vergewaltigungsopfer wird aktuell betreut. In Lünen ist die Erleichterung groß. Zunächst hatte es Gerüchte gegeben, denen zufolge der gesuchte Sexualstraftäter in einem Café in der Innenstadt festgenommen worden sei. Die bestätigten sich nicht.

"Gott sei Dank nicht", hieß es bei den überwiegend weiblichen Mitarbeitern der Frühschicht. Die Festnahme sei "das Thema" unter den Frühstücksgästen gewesen, hieß es: "Nur gut, dass sie den Kerl erwischt habe."  

Inzwischen werden weitere Details zur Festnahme bekannt. Eine Zeugin, die im Bus unterwegs war, erkannte B.. Er war zu Fuß unterwegs. Die Zeugin stieg aus dem Bus aus und folgte B. unauffällig, der in den Stadtpark ging. Dort setzte er sich auf eine Bank. Die Zeugin rief die Polizei an, B. wurde festgenommen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde B. um 8.35 Uhr festgenommen. Zunächst wurde er zur Wache in Lünen gebracht, mittlerweile befindet er sich im Gewahrsam des Dortmunder Polizeipräsidiums.

 2008 hatte B. in Dortmund eine Frau vergewaltigt. 2009 war er dafür verurteilt und Ende September 2013 aus der Haft entlassen worden. Die NRW-Justiz betreute B. mit einem "Konzept zum Umgang mit rückfallgefährdeten Sexualstraftätern" (KURS). In diesem Programm gibt es für die Einschätzung der Gefährlichkeit der Täter drei Kategorien: A, B und C. A steht für sehr gefährlich, C für nicht gefährlich. Beckmann wurde unter der Kategorie B geführt. Offenbar eine eklatante Fehleinschätzung der Behörden. 

B. steht unter dem dringenden Tatverdacht, am 10. Oktober eine 22-jährige Frau in einem Gebüsch in Kirchderne vergewaltigt zu haben. Aussagen des brutal vergewaltigten Opfers, Zeugenhinweise und DNA-Spuren überführten ihn. Ab Mittwochnachmittag fahndete die Polizei öffentlich mit einem Foto nach ihm.  „Wir haben nicht nur einen Hinweis bekommen“, sagte Polizeisprecher Kim Ben Freigang am Donnerstagmorgen. Ungewöhnlich viele Anrufe seien auf der Leitstelle und bei der Kriminalpolizei eingegangen. Ab Mittwochnachmittag und in der Nacht zu Donnerstag fahndete die Polizei mit Hochdruck nach dem 29-Jährigen, der schon 2009 wegen einer Vergewaltigung verurteilt worden ist.  „Fahndung mit Hochdruck“ – das ist keine Floskel. Wegen der Gefährlichkeit des Mannes musste die Polizei jedem Hinweis in kurzer Zeit nachkommen. Streifenwagen und Zivilfahnder waren im Einsatz.

B. sei am Donnerstagmorgen in der Lüner Innenstadt erkannt worden, bestätigte Oberstaatsanwältin Dr. Barbara Vogelsang unserer Redaktion. Eine Passantin habe sofort die Polizei verständigt. "Sie hat sich genau richtig verhalten", lobte die Oberstaatsanwältin das besonnene Handeln der Frau. Eilig überprüfte die Polizei diesen entscheidenden Hinweis. Bei der Festnahme leistete Klaus-Gerd B. keinen Widerstand.  

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