Der zwölfjährige Milo aus Dortmund im „Dialyse-Raum“ in seiner Wohnung. Dort muss er sich sechsmal in der Woche einer mehrstündigen Blutwäsche unterziehen. © Oliver Schaper
Therapie

Gute Nachricht für schwer kranken Milo (12): „Chance auf ein neues Leben“

Der zwölfjährige Milo kämpft um sein Leben. Jetzt hat er eine neue Chance – denn die Familie vermeldet eine gute Nachricht. Sie schafft allerdings ein neues Problem.

Der Dortmunder Milo Kontny (12) und seine Mutter Magdalena haben die Nachricht erhalten, auf die sie rund sieben Wochen jeden Tag gewartet haben. Ihre Krankenkasse KKH hat mitgeteilt, dass sie die Kosten für eine Behandlung unternimmt, die Milo nur in den USA durchführen kann.

„Wir sind sehr froh darüber“, sagt Magdalena Kontny im Gespräch mit dieser Redaktion. Für Milo sei die Behandlung „die Chance auf ein neues Leben“. Die Mutter sagt: „Er wird nie kerngesund sein. Aber es wären dann zwei große Baustellen weg.“

Nur eine Klinik kann die Behandlung durchführen, die Milo braucht

Der Junge aus dem Dortmunder Stadtteil Wickede leidet seit unter einem Herzfehler und zusätzlich unter dem seltenen Gendefekt Schimke Immuno-ossäre Dysplasie, der weitere Erkrankungen zur Folge hat. Unter anderem muss eine tägliche Dialyse (Blutwäsche) durchführen, was den jungen Körper extrem belastet.

Milo benötigt deshalb eine Spenderniere. Ein Spender ist bereits gefunden. Doch eine schon vorbereitete Nierentransplantation war im Sommer abgesagt worden, weil zu wenige Thrombozyten in Milos Blut festgestellt worden sind. Diese machen die Stammzellenspende notwendig, bei der Milo eine Chemotherapie erhalten wird.

Die einzige Klinik, die eine solche Kombination aus Stammzellen- und Organtransplantation durchführt, ist das Lucile Packard Children’s Hospital in Stanford im US-Bundesstaat Kalifornien. Nun weiß die Familie: Sie darf für die Behandlung in die USA fliegen.

Familie muss zwischen beiden Operationen 100 Tage in den USA bleiben

„Das muss jetzt geplant werden“, sagt Magdalena Kontny. Sie steht vor einer gigantischen Aufgabe. Denn der Ablauf ist komplex. Milo, seine Mutter und der Spender müssen nach Kalifornien, dort wird die Stammzellen-Therapie beginnen. Der Spender darf nach kurzer Zeit wieder zurück – Milo muss aber für 100 Tage vor Ort bleiben.

Nach dieser Zeit kehrt der Spender für die Nierentransplantation zurück. Erst, wenn das erfolgreich ist, kann Milo wieder zurück nach Deutschland. Der Aufenthalt in den USA könnte sich also nahezu ein halbes Jahr ausdehnen.

Die Krankenkasse übernimmt nach Auskunft der Familie alle medizinischen Kosten. Für Unterkunft, Verpflegung und Flüge müssen die Kontnys aber selbst aufkommen. Am Dienstag (26.10.) ist deshalb über den Verein Lächelwerk, der Milo seit mehreren Jahren unterstützt, eine Spendenaktion über das Portal www.betterplace.org gestartet.

Spendenaktion für Flüge, Unterkunft und Verpflegung ist gestartet

Dort sind zunächst zwei Spendenziele aufgeführt: 9999 Euro für Flüge und Transfer und noch einmal die gleiche Summe für die Unterkunft von Milos Großeltern. Für Magdalena Kontny wäre diese Unterstützung nach eigener Aussage wichtig. Die 36-Jährige ist alleinerziehend, vor knapp zwei Jahren wurde bei ihr Multiple Sklerose diagnostiziert.

Die Spendenbereitschaft aus der „Community“, die Milo und seine Mutter durch regelmäßige Einblicke in ihren Alltag bei Instagram und Facebook aufgebaut haben, ist beachtlich. Das Spendenziel für die Flugtickets war am 27. Oktober (Mittwoch) bereits nahezu erreicht.

„Vielen, vielen lieben Dank an euch. Wir sind überwältigt“, sagt Milo in einer Instagram-Story zum Spendenaufruf.

Welche Summe die Familie genau benötigt, hängt laut Magdalena Kontny noch von mehreren Faktoren ab, etwa davon, wann sie genau fliegen können und wie die Unterkunft geregelt ist, die sich möglicherweise über die Klinik organisieren lässt.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth