Rückbau der Riesen-Tanne: Das sagen Dortmunds Händler und Schausteller

rnNach Weihnachtsmarkt-Aus

Dieses Jahr wird es keinen Riesen-Weihnachtsbaum in Dortmunds City geben. Die Stadt hat den Rückbau des halbfertigen Wahrzeichens beschlossen. Wir haben erste Reaktionen eingeholt.

Dortmund

, 03.11.2020, 14:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Vorweihnachtszeit ist traditionell die umsatzstärkste Saison für den Einzelhandel in Dortmunds City – und daran hat der Weihnachtsmarkt mit seinen über zwei Millionen Besuchern mit dem Riesen-Weihnachtsbaum als Wahrzeichen einen nicht unwesentlichen Anteil.

Entsprechend deutlich reagierte die Interessenvertretung der Dortmunder City-Händler, der Cityring, auf die Nachricht, dass nach nach dem vergangene Woche verkündeten Aus für den Weihnachtsmarkt nun auch der bereits halbfertige 45-Meter-Baum, der eigentlich aus rund 1800 Fichten besteht, wieder abgebaut wird.

Diese Entscheidung gab Dortmunds neuer Oberbürgermeister Thomas Westphal am Dienstagmittag bekannt.

„Für den Handel ist das eine Vollkatastrophe“, sagt Tobias Heitmann, der neue Vorsitzende des Cityrings. Bis zuletzt hatte die Kaufmannschaft auf den weiteren Aufbau des größten Weihnachtsbaums der Welt gehofft.

„Stadt, Menschen und Handel hätten den Weihnachtsbaum gebraucht“

„Die Entscheidung bedeutet, dass auch nun auch der Dezember weniger Kundenfrequenz in den Geschäften bringen wird“, sagt Heitmann. „Wir hätten uns gewünscht, dass man seitens der Stadt vielleicht noch zwei Wochen mit der Entscheidung gewartet hätte, um zu schauen, wie die Infektionszahlen dann aussehen.“

Er fügt hinzu: „Gerade weil es den Weihnachtsmarkt nicht gibt, hätten die Menschen, die Stadt und der Handel ihren Weihnachtsbaum gebraucht.“

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Bei allem Bedauern äußert Tobias Heitmann aber auch Verständnis für die Entscheidung: „Man will die Kontakte beschränken und entsprechend nicht zulassen, dass der Weihnachtsbaum zu einem Treffpunkt wird. Das ist nachvollziehbar. Trotzdem wird der Baum fehlen.“

„Lange Reihe von Enttäuschungen“ für Schausteller

Dortmunds Schausteller-Chef Patrick Arens wusste bereits am Montagabend von der Entscheidung – schließlich war er es, der den Aufbau-Auftrag bei der zuständigen Gerüstbau-Firma Weise absagen musste. „Dass ich traurig bin, muss ich Ihnen wohl nicht erklären“, sagte er in einer ersten Reaktion gegenüber unserer Redaktion.

Fast zur Hälfte war der Riesen-Weihnachtsbaum in Dortmunds City bereits fertig, als die Entscheidung über seinen Rückbau fiel.

Fast zur Hälfte war der Riesen-Weihnachtsbaum in Dortmunds City bereits fertig, als die Entscheidung über seinen Rückbau fiel. © Thomas Thiel

Das Verschwinden des Riesen-Weihnachtsbaums reihe sich ein in eine lange Reihe von Enttäuschungen, die die Schausteller im Corona-Jahr erlebt haben, so Arens. „Aber ich kann die Entscheidung Stadt vollkommen verstehen. Das entspricht der Logik des Jahres 2020.“

Es gelte jetzt, Menschenansammlungen zu vermeiden. Ein strahlender Riesen-Weihnachtsbaum mitten in der City wäre hingegen ein potenzieller Anziehungspunkt für die Dortmunder gewesen.

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Arens geht davon aus, dass der Abbau des 45 Meter hohen Gerüsts etwa zehn Werktage dauern werde. Zu dem Zeitpunkt, an dem der Weihnachtsmarkt 2020 eigentlich eröffnet worden wäre (dem 19. November) wird also aller Voraussicht nach nichts Weihnachtliches mehr auf dem Hansaplatz zu sehen sein.

IHK-Chef kompensiert Verlust in eigener Wohnung

Das Fehlen des Riesen-Weihnachtsbaums in der City findet IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber auch ganz persönlich „schade“.

Er wird versuchen, die deswegen fehlende Weihnachtsstimmung im Privaten zu kompensieren: „Wir haben im Familienrat am Frühstückstisch beschlossen, dass wir unsere Wohnung noch früher und intensiver weihnachtlich schmücken als in den Vorjahren. Unsere Weihnachtsgeschenke werden wir wie in jedem Jahr in den Geschäften in der City und in den Vororten kaufen.“

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