Halbzeit bei Faßstraßen-Baustelle: Chance oder Verlustgeschäft?

rnFaßstraße

Händler, Anwohner, Fußgänger – fast alle in Hörde sind genervt von der Baustelle an der Faßstraße. Die Hälfte der Bauzeit ist nun um. Eine Halbzeit-Bilanz aus unterschiedlichen Perspektiven.

von Alexandra Wachelau

Hörde

, 11.08.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Umbau der Faßstraße begann im Oktober 2019. Laut Informationen der Stadt Dortmund soll der Bau rund anderthalb Jahre dauern – momentan ist also Halbzeit.

Jetzt lesen

Für viele Hörder ist das kein Grund zur Freude: Die Baustelle ist in aller Munde, und das meistens negativ. Händler haben weniger Kunden, Fußgänger kommen nicht mehr gut durch die City und Autofahrer umfahren die Straße nach Möglichkeit großräumig.

Wenige Verbindungsmöglichkeiten

Ein Besuch vor Ort zeigt: Die Fußgängerampel zwischen der Kumpstraße und dem Wallrabenhof wurde abgebaut. Die Faßstraße kann fußläufig nur noch an der Willem-van-Vloten-Straße und an der Hermannstraße überquert werden.

Die Hauptverkehrsader fließt langsam und trennt Phoenix-See und City. Fahrradfahrer und Fußgänger bewegen sich häufig im Slalom über Schutt und zwischen Bauzäune.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Faßstraßen-Baustelle: Die Hälfte ist geschafft

Die Faßstraßen-Baustelle ist in aller Munde – und noch sehr präsent für die Bewohner in Hörde. Vor Ort gibt es noch einige Hindernisse zu überwinden. Auf der einen Seite verzögern Baustellenampeln den Verkehr, auf der anderen Seite fehlen sie komplett. Ein Halbzeit-Update.
10.08.2020
/
Die Benninghofer Straße ist schon seit einigen Wochen teilweise gesperrt.© Alexandra Wachelau
Fußgänger haben hier einen guten Überblick über das Baustellen-Geschehen, Autofahrer müssen dagegen einen Umweg fahren.© Alexandra Wachelau
Die DONETZ nutzt den Umbau, um neue Leitungen zu verlegen.© Alexandra Wachelau
Laut Michael Gündel, Vorsitzender des Aktivkreis Hörde, erfahren die Händler in Hörde von der Bevölkerung eine große Unterstützung. Das liegt allerdings nicht nur an der Faßstraße, sondern vor allem an der Corona-Pandemie.© Alexandra Wachelau
Keine Durchfahrt: Dieses Schild war in Hörde in den vergangenen Monaten häufiger zu sehen.© Alexandra Wachelau
Von der Benninghofer Straße aus sind die Supermärkte nicht mehr ohne Umweg erreichbar.© Alexandra Wachelau
Ein Vorteil der Baustelle: Im Tunnel kann nun geparkt werden. © Alexandra Wachelau
Auf Höhe der Volksbank kann die Faßstraße noch überquert werden.© Alexandra Wachelau
Nicht nur Autofahrer sind von der Baustelle betroffen.© Alexandra Wachelau
Das Baustellenbild zeigt Hörde nicht von der schönsten Seite.© Alexandra Wachelau
Das Ende der Hermannstraße liegt offen.© Alexandra Wachelau
Autoschlangen sind vor dem Phoenix-See keine Seltenheit mehr.© Alexandra Wachelau
Vor der Baustelle konnte an dieser Stelle die Faßstraße zum Phoenix-See überquert werden. Nun fahren hier vor allem Bagger und genervte Autofahrer. © Alexandra Wachelau
Rückstau ist an der Faßstraße keine Seltenheit mehr.© Alexandra Wachelau
Rampe und Treppe am Wallrabenhof sind so gut wie fertig. Hier entsteht einer der zwei neuen Fußgängerüberwegen.© Alexandra Wachelau
Einer der verworfenen Pläne sah eine weitere Fußgängerbrücke über die Faßstraße vor.© Alexandra Wachelau
Auch die Nebenstraßen sind von der Baustelle betroffen.© Alexandra Wachelau

„Man hüpft zwischen den Autos herum“, sagt Willi Garth. Der Bezirkshistoriker findet es nicht in Ordnung, dass die Hauptverkehrsader von Hörde in diesem Ausmaß aufgerissen wurde. „Es ist die einzige Nord-Süd-Verbindung in Hörde“, sagt er. Für die Händler vor Ort sei dies ein reines Verlustgeschäft.

Auch markiere die Straße markant die Trennung, die schon lange zwischen den Besuchern des Phoenix-Sees und denen der Hörder City beobachtet wird. Dabei soll genau das durch den Umbau verhindert werden: „Querungsmöglichkeiten von der City zum See und umgekehrt“ sollen durch die Baustelle „erheblich verbessert“ werden, so zu lesen auf der Seite der Stadt Dortmund.

Jetzt lesen

„Es wird schöner aussehen, aber schneller vorankommen wird man nicht“, prophezeit Garth. Ihm wäre ein anderer Plan lieber gewesen: Dieser sah vor, die Faßstraße unter der Hermannstraße durchzuführen. Aus Kostengründen wurde dieser Plan verworfen, so Garth.

Baustelle birgt Chancen für die Gestaltung der City

Auch Michael Gündel, erster Vorsitzender des Aktivkreises Hörde, hätte sich eine Fußgängerbrücke über die Faßstraße gewünscht. Doch er konzentriert sich auf die Chancen, die die Baustelle mit sich bringt: „Je mehr Übergänge wir bekommen, desto besser“, sagt er.

Die Stadt Dortmund sieht vor, in Zukunft sechs Übergänge zum See zu schaffen – vor der Baustelle gab es vier. Auch breitere Fahrradwege sind geplant. Laut Gündel machen solche Umbauten Hörde nur attraktiver.

Zudem könne man auch nicht mehr differenzieren, ob die Einzelhändler nun unter der Faßstraße oder an den Corona-Auswirkungen leiden. Auch die Konkurrenz mit dem Online-Handel sei ein Problem, auf das „man sich noch in Zukunft konzentrieren muss“, so Gündel.

Auch der Tunnel zur Benninghofer Straße ist inzwischen gesperrt.

Auch der Tunnel zur Benninghofer Straße ist inzwischen gesperrt. © Alexandra Wachelau

Doch die Händler vor Ort erfahren laut Gündel im Moment eine große Unterstützung der Bevölkerung. „Es ist ein Bewusstsein dafür entstanden, welchen Wert lokale Geschäfte haben“, sagt er. In Zukunft werde die Ost-West-Achse besser nutzbar sein, auch das Stiftsforum mache ihm für seinen Verein Hoffnungen für die Zukunft.

Voraussichtlich bis April 2021 bleibt die Baustelle bestehen

„Momentan ist die Baustelle halt im vollen Gang“, räumt der erste Vorsitzende ein. Noch mindestens neun weitere Monate ist vor Ort mit langsamem Verkehr und Baulärm zu rechnen.

„Die Leitungen hätten so oder so verlegt werden müssen. Wenn gleichzeitig etwas für die Stadtentwicklung getan wird: umso besser“, sagt Michael Gündel. „Zumindest von der südlichen Seite sind wir weiterhin sehr bequem zu erreichen, auch an Parkplätzen mangelt es nicht.“

Jetzt lesen

Das sieht Willi Garth anders. Zusammen mit dem Heimatverein hilft er jedes Jahr bei der Ernte für das Projekt „Wein am Phoenix-See“ mit – und jedes Jahr gestalte sich die Parkplatzsuche schwieriger.

Auch an anderen Stellen in Hörde seien Parkplätze rar verteilt. Durch den Umbau sollen laut Informationen der Stadt Dortmund 31 Stellplätze entstehen.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt