Die Angst vor einem zweiten Corona-Lockdown wächst angesichts steigender Infektionszahlen. Die Dortmunder hamstern wieder. Dabei sehen Supermarkt-Betreiber dazu (wieder) keinen Grund.

Huckarde, Lütgendortmund, Mengede

, 19.10.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Immer mehr deutsche Städte und Kreise werden zu Risikogebieten. Ein zweiter Lockdown wird nicht mehr ausgeschlossen, sollten die Infektionszahlen nicht durch die aktuell verschärften Corona-Regelungen sinken. In Dortmund sind die Zahlen momentan weiterhin hoch, der Stadtbezirk Huckarde gehört zu den innerstädtischen Hotspots.

Damit steigt auch die Anzahl der „Hamsterkäufer“ im Dortmunder Westen. Wie zu Beginn der Pandemie scheinen die Menschen sich zu sorgen, nicht genug von allem im Haus zu haben, wenn es zu einem Lockdown kommen sollte. Besonders beliebt sind wieder Nudeln, Konserven, Toilettenpapier und Aktionsware.

„Wenn bei uns etwas im Angebot ist, schlagen die Kunden sofort zu“, sagt Yannic Nist vom Edeka Nüsken in Huckarde. Doch die reguläre „Hamster-Ware“ verschwindet derzeit auch bei normalen Preisen schnell aus den Regalen.

Logistik ist am Limit

„Leere Regale bedeuten aber nicht, dass es nichts mehr gibt“, erklärt Yannic Nist. „Die Lager sind bis oben hin voll, es gibt unzählige Paletten mit Toilettenpapier. Aber die Logistik kommt aktuell nicht hinterher.“

Heißt: Die Regale sind schneller leer als die Mitarbeiter sie wieder auffüllen können. Der Edeka an der Roßbachstraße erhalte dreimal pro Woche neue Ware. Normalerweise reiche das aus, doch derzeit seien manche Artikel wie Küchenrolle oder Toilettenpapier bereits innerhalb eines Tages ausverkauft.

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„Da kann es dann schon mal vorkommen, dass es gewisse Sachen an einem Tag nicht gibt“, sagt Yannic Nist. „Es kommt aber immer alles schnellstmöglich nach, die Ware ist ja da. Deshalb schränken wir aktuell auch nicht ein, wer wie viel mitnehmen darf.“

Nebenan in Marten, im Rewe-Markt von Katharina Nolte, ist „Toilettenpapier wieder der absolute Renner“, wie die Inhaberin auf Anfrage erzählt. „Ich verstehe die Leute einfach nicht, sie haben aus dem letzten Lockdown nichts gelernt.“

Engpässe sind nicht zu erwarten

Engpässe seien bei ihr vorerst nicht zu erwarten, sie habe gut vorgesorgt, sagt Katharina Nolte. Im April hatte die Jungunternehmerin gemeinsam mit anderen Kaufleuten aus Nordrhein-Westfalen zehn Sattelzüge mit Toilettenpapier geordert. „Von meinen 38 Paletten sind noch 15 übrig“, so Nolte. Im Internet werde sie als Geheim-Tipp für Toilettenpapier gehandelt, habe man ihr erzählt.

Bei Waren wie Mehl, Hefe oder Nudeln stelle sie aktuell keine Hamster-Mentalität fest. Das wundere sie zusätzlich: „Toilettenpapier ist den Leuten offensichtlich wichtiger als satt zu werden. Dabei könnte man ja auch duschen.“

Leere Supermarkt-Regale kennen viele noch vom ersten Corona-Lockdown. Derzeit ändert sich das Kaufverhalten der Kunden erneut in eine bedenkliche Richtung.

Leere Supermarkt-Regale kennen viele noch vom ersten Corona-Lockdown. Derzeit ändert sich das Kaufverhalten der Kunden erneut in eine bedenkliche Richtung. © picture alliance/dpa

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Ob sie die Abgabe einzelner Produkte pro Kunde wieder begrenzen werde, könne sie zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen. Das sei von der weiteren Entwicklung abhängig, so Katharina Nolte. „Noch ist die Lage ruhig, hier trägt keiner palettenweise Konserven raus.“

Anders sieht es im Edeka-Markt Reimann in Bövinghausen aus. „Die Leute kaufen wieder verstärkt Milch, Zucker, Nudeln und Ähnliches“, berichtet Marktleiter Christian Plietker auf Anfrage. Begehrt wie kein anderes Produkt sei wie überall allerdings das Toilettenpapier.

Kaufverhalten ändert sich überall

Aktuell könne er für das komplette Sortiment Entwarnung geben, so Plietker: „Es kommt immer wieder genug Ware rein“, betont er. Die Rückkehr der Hamsterkäufe habe er jedenfalls erwartet.

Auch in den Lidl-Märkten im Dortmunder Westen verändert sich so langsam wieder das Kaufverhalten der Kunden. Auf Anfrage unserer Redaktion sagt Lidl-Sprecherin Isabel Lehmann dazu: „In einigen Regionen und Filialen verzeichnen wir vereinzelt eine leicht erhöhte Nachfrage in unserem Hygienesortiment.“

Auf eine Veränderung der Sachlage sei das Unternehmen jedoch gut vorbereitet und könne durch angepasste Maßnahmen schnell reagieren, um die Filialen mit ausreichend Waren zu versorgen.

„Die Warenverfügbarkeit in unseren Märkten ist sichergestellt“, sagt auch Aldi-Nord-Pressesprecherin Verena Lissek. Der Discounter-Riese hat insgesamt sechs Märkte in den westlichen Stadtbezirken Huckarde, Lütgendortmund und Mengede.

Aldi-Marktleiter bestellen anders

Vereinzelt werde eine erhöhte Nachfrage im Bereich Papierwaren verzeichnet, so die Pressesprecherin. Diese könne jedoch von den Filialen im Zuge des täglichen Bestellprozesses berücksichtigt werden.

„Die aktuellen Nachfrageentwicklungen beobachten wir basierend auf unseren Erfahrungen der letzten Monate sehr genau“, sagt Verena Lissek. „Wir stehen im engen Austausch mit unseren Lieferanten und Logistikpartnern, um auf diese Nachfragen schnell eingehen zu können.“

Aldi Nord setzt auf die Vernunft der Kunden und Hinweise durch die Markt-Mitarbeiter. „Unsere Kunden bitten wir weiterhin, bedarfsgerecht einzukaufen“, appelliert die Aldi-Nord-Pressesprecherin. „Für Hamsterkäufe gibt es nach wie vor keinerlei Anlass.“

Im Falle von Einkäufen und Warenkörben, die über haushaltsübliche Menge hinausgehen, weisen Aldi-Mitarbeiter die Kunden darauf hin.

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