Handy am Steuer: Hier verstecken sich Polizisten, um Handy-Sündern aufzulauern

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Sie stehen hinter Containern, Werbeschildern, in Hauseingängen: Die Polizei setzt in der Dortmunder Innenstadt auf verdeckte Beobachtung, um Handysünder zu erwischen. Unsere Karte zeigt, wo.

Dortmund

, 23.04.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein flüchtiger Blick aufs Handy, schnell noch eine Nachricht getippt - und schon ist es passiert. Eine Statistik gibt es nicht. Experten schätzen aber, dass jeder dritte Unfall darauf zurückzuführen ist, dass der Fahrer durch ein elektronisches Gerät abgelenkt war. Tendenz steigend. Auch deshalb setzt die Dortmunder Polizei auf verdeckte Verkehrsbeobachtung, um Handysündern das Handwerk zu legen. Das ist besonders im Bereich des Innenstadtrings zu beobachten. Polizisten stehen hinter Flaschencontainern, Werbeschildern, zwischen parkenden Autos und in Hauseingängen. So wie am Südwall.

Im Hauseingang am Südwall

Fahrradpolizisten stehen hier regelmäßig in den tiefen Hauseingängen im Bereich der Tanzschule Gödde. Autofahrer, die Richtung Ruhrallee unterwegs sind, haben keine Chance, sie zu erkennen. Das treibt manchem Fahrer die Zornesröte ins Gesicht, der mit Telefon am Ohr, nicht angelegtem Gurt oder beim Überfahren einer roten Ampel erwischt wird. Der Ruf nach Abzocke bleibt nicht aus. Polizeisprecherin Nina Vogt sagt: „Es liegt in der Natur der Sache, dass repressive Maßnahmen auch aus dem verdeckten Raum heraus durchgeführt werden.“

Anders sei es, sagt Vogt, wenn die Polizei präventiv tätig werde. Beispielsweise auf der B1. Dort fotografiert die Polizei regelmäßig von einer Brücke aus den Verkehr. Es geht um Gurtverstöße, Handynutzung oder auch fernsehschauende Lkw-Fahrer. Hier ist die Polizei schon von Weitem zu erkennen.

Aber auch bei der verdeckten Beobachtung, betont Nina Vogt, gehe es ausschließlich um die Sicherheit. Besonders die Handynutzung am Steuer sei zum großen Problem geworden. Etwa 6000 Verstöße zählt die Polizei im Jahr in Dortmund. Dazu kommen 5000 Fälle auf den umliegenden Autobahnen. Fährt hier ein Auto auf ein Stauende auf, sind die Folgen häufig tödlich. In der Stadt bleibt es meist beim Blechschaden.

200 Euro Bußgeld, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot

Wie bei Anna (Name von der Redaktion geändert), die kürzlich in einer 30er Zone in Dortmund einem anderen Fahrzeug aufgefahren ist, weil sie mit einer Freundin bei Whatsapp chattete. „Dem Unfallgegner und der Polizei habe ich was aufgetischt – abgelenkt von einem parkenden Lkw – und die Schuld auf mich genommen“, sagt sie. Den wahren Unfallgrund verschwieg sie. Denn wer sein Handy nutzt und einen Unfall baut, dem drohen 200 Euro Bußgeld, zwei Punkte in Flensburg und ein Monat Fahrverbot.

Bei schweren Verkehrsunfällen mit Toten und Verletzten kann die Polizei das Handy auch sicherstellen, wenn der Verdacht besteht, dass es während der Fahrt genutzt wurde.

Der Unfallschreck hat geholfen. Bei Anna zumindest. Sie will das Telefon demnächst in der Tasche lassen, wenn sie am Steuer sitzt. Die Versteck-Strategie der Polizei findet sie richtig. „Sicherheit geht vor. Wer sich an die Verkehrsregeln hält, braucht auch nichts zu befürchten.“

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