Seit der Evakuierung 2017 steht der Wohnkomplex Hannibal in Dorstfeld leer. © Dieter Menne (A)
Dorstfelder Hannibal

Hannibal-Sanierung: Eigentümer will starten – und nennt erste Schritte

Der neue Hannibal-Eigentümer Forte Capital zeigt sich vom Rechtsstreit um die Räumung des Wohnkomplexes unbeeindruckt. Forte will an der Sanierung festhalten – und schon bald mit Arbeiten beginnen.

„Forte muss jetzt liefern“, sagt Tobias Scholz vom Mieterverein. Immerhin stehen die 412 Wohnungen in Dortmunds größtem Wohnkomplex am Dorstfelder Vorgelpothsweg seit der Evakuierung am 22. September 2017 leer. Der Baustart der eigentlichen Arbeiten muss der Stadt spätestens eine Woche vorher angekündigt werden. Bislang liege nichts vor, heißt es im Bauordnungsamt.

Auf Anfrage lässt Forte-Manager Alexander Hayn nun aktuell mitteilen: „In den kommenden Wochen“, also noch 2021, starten die ersten Arbeiten. Zumindest die „bauvorbereitenden Maßnahmen“.

Was Forte darunter versteht? Zum Beispiel Arbeiten an den offenen Versorgungschächten. Durch sie laufen die Wasserleitungen, Heizungsrohre und die Stromversorgung für die einzelnen Wohnungen. Im Falle eines Brandes in der Tiefgarage etwa hätte sich der Rauch bis in alle Wohnungen ausbreiten können. Nun sollen die Schächte in einem ersten Schritt zurückgebaut werden. Auch die Bäder will sich Forte vornehmen: Sie sollen im Zuge der „vorbereitenden Arbeiten“ zunächst entkernt werden.

Arbeiten am Brandschutz folgen wohl 2022

Im April ließ Forte verlautbaren, man werde in allen acht Gebäudeteilen gleichzeitig starten. Den Brandschutz, größtes Manko im Dorstfelder Hannibal, betrifft das allerdings nur bedingt: Die Ausschreibung für die weiteren Bauleistungen rund um die Brandschutzmaßnahmen würden derzeit vorbereitet „und voraussichtlich Ende des Jahres“ auf den Markt kommen, heißt es.

Tobias Scholz, Geschäftsführer des Mietervereins, erinnert sich noch an diverse Ankündigungen der vorherigen Hannibal-Eigentümer. „Wir gehen aber nach wie vor fest davon aus, dass Forte das Objekt tatsächlich saniert“, betont Scholz.

Nur: Der Termin für die Ausschreibung des Brandschutzarbeiten bedeute eben auch, dass mit dem Beginn dieser Umbauarbeiten „frühestens im ersten Quartal 2022“ zu rechnen sei. Zudem stelle sich angesichts der aktuellen Marktlage die Frage, ob die Materialien für die Baumaßnahmen termingerecht verfügbar seien.

Zur Kostenfrage hält sich Forte weiter bedeckt

Eigenen Angaben zufolge strebt Forte „einen mittleren Sanierungsstandard“ für den Hannibal an. Dazu würden alle Bäder sowie die Hauselektrik erneuert. Ob der Wohnkomplex neue Aufzüge erhalte? Darauf antwortet Forte noch ausweichend: Man prüfe mit verschiedenen Anbietern, welche Maßnahmen für die Aufzugsanlagen sinnvoll seien, hieß es zuletzt.

Ebenso offen bleibt, ob die Fassade mit Wärmedämmung versehen wird. Auch zu dieser Frage heißt es: Man stehe mit Energieberatern in Kontakt, um zu prüfen, welche energetischen Maßnahmen „im Rahmen der vorliegenden Baugenehmigung durchführbar“ seien.

Auch bei den zugrunde gelegten Kosten hält sich der neue Hannibal-Hausherr bedeckt – und spricht weiter unscharf von einem „zweistelligen Millionenbetrag.“ Experten rechnen mit Kosten jenseits von 20 Millionen Euro. Zur Erinnerung: Bereits bei der Versteigerung des Hannibal hatten Gutachter die Sanierung mit rund 9,2 Millionen Euro beziffert. Und das war 2011.

Hannibal soll im „Frühjahr 2024“ bezugsfertig sein

Die jüngste Entscheidung des Verwaltungsgerichts (das die Räumung bejaht hatte) habe keine Auswirkungen auf die Hannibal-Sanierung, erklärt Forte-Manager Hayn. Forte sieht sich nicht als Adressaten für Schadenersatzansprüche ehemaliger Mieter. „Die Frage betrifft ausschließlich die Rechtsbeziehung zwischen Voreigentümer und Mietern“, stellt Hayn fest.

Und: Man befinde sich mit rund 50 Ex-Mietern im Austausch über das weitere Vorgehen. Nach Sanierung und Freigabe des Gebäudes werde man allen Bewohnern, die noch über einen Mietvertrag verfügen, die Rückkehr anbieten. Forte peilt die Fertigstellung für „Frühjahr 2024“ an.

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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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